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Berlinale
Fragen, die die Mafia aufwirft, und Fragen der Kunst

Berlin. Berlinale: Filme von Roberto Saviano & Angela Schalanec.

(dpa) Allen Drohungen zum Trotz will Mafiakritiker Roberto Saviano sich auch künftig keinesfalls einschüchtern lassen. „Ich werde weiter erzählen“, sagte der unter Personenschutz lebende italienische Journalist gestern auf der Berlinale. Im Wettbewerb stellte der 39-Jährige die Verfilmung seines Romans „La Paranza dei Bambini (Piranhas)“ vor. 

Zuletzt hatte Italiens Innenminister Matteo Salvini von der rechten Lega 2018 damit gedroht, den Personenschutz, den Saviano wegen Todesdrohungen erhielt, auf den Prüfstand stellen zu lassen. Der Autor, international bekanntgeworden mit seinem Buch „Gomorrha“ über die Mafia in Neapel, ist einer der schärfsten Kritiker der italienischen Regierung. Auch auf der Berlinale ging er den Innenminister scharf an und bezeichnete die politische Lage in Italien als „sehr ernst“. Mit Blick auf seine eigene Situation sagte Saviano: „Personenschutz ist kein Privileg, er ist ein Drama.“ Generell sei die Lage für Berichterstatter in Europa bedrohlicher geworden, sagte er mit Blick auf die Morde an Journalisten auf Malta und in der Slowakei. In der Roman-Verfilmung, die am Abend Premiere feierte, erzählt Regisseur Claudio Giovannesi mit Laiendarstellern das Leben von Nicola und seinen Freunden. Die 15-Jährigen geraten in Neapels Viertel Sanità in eine Spirale von Gewalt, Drogen und organisierter Kriminalität.

Premiere feierte gestern auch der dritte deutsche Wettbewerbsbeitrag: Nach Fatih Akin („Der Goldene Handschuh“) und Nora Fingscheidt („Systemsprenger“) stellte Angela Schanelec „Ich war zuhause, aber“ vor – einen sehr statischen, ruhigen Film, der mehrere Ebenen aufweist. Zum einen geht es um eine Mutter (Maren Eggert) und ihre Kinder, die mit einem Verlust umgehen müssen. Zum anderen handelt ihr Film von grundlegenden Fragen der Kunst. Ihr Film führt in eine ziemlich unechte, hermetische Welt, deren Figuren und Geschichte sich nur schwer erschließen. „Ich werde das nicht interpretieren“, sagte Schanelec, die neben Christoph Hochhäusler, Maren Ade und Valeska Grisebach die sogenannten „Berliner Schule“ repräsentiert, nach der Premiere. Ihre Kamera bewege sie nur, wenn es einen Grund dafür gebe. „Wenn es keinen gibt, bewege ich sie nicht.“