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Ausstellung in Wittlich
Totentänze zieren das Rathaus in Wittlich

Wittlich. Eine Ausstellung zeigt Gemälde zum Tabuthema Tod: Ganz alte, ganz junge – und ganz unerhörte. Von Katharina de Mos

Bleiche Knochen und blanke Brüste – ein Tabuthema kommt selten alleine. Als wäre es nicht schon provokant genug, den Tod zurück in die Mitte des Lebens zu holen, so kommt dieser in Wittlich nun auch noch ausgesprochen lüstern daher. Die Ausstellung „Danza Macabra“ im Alten Rathaus zeigt Totentänze von Horst Janssen, Tony Munzlinger, Lutz Friedel und aus alter Zeit.

Beginnen wir mal mit der alten Zeit, in der der Tod noch zum Leben gehörte und Totentänze ein vertrauter Anblick waren. Sie zierten Friedhofsmauern und wurden in Drucken massenhaft verbreitet, um die Menschen zu ermahnen. Und sie daran zu erinnern, wie vergänglich sie sind. Wie machtlos im Angesicht des Todes. „Seit dem Mittelalter gibt es die Idee, dass die unerlösten Seelen über den Gräbern tanzen“, sagt Kurator Richard Hüttel. Eine Vorstellung, die in den Pestepidemien des 14. Jahrhunderts auch sozialkritisch genutzt wurde. Denn der Sensenmann macht vor niemandem Halt. „Der Tod ist ein Gleichmacher“, sagt Hüttel. König und Bischof raffte er genauso dahin wie das gemeine Volk. Über all das wird die Ausstellung mit Hilfe von großformatigem Anschauungsmaterial informieren. Das wichtigste Exponat aus dieser alten Zeit ist der Trierer Totentanz. „Eine sehr, sehr wertvolle Handschrift aus dem 15.Jahrhundert, die die Stadtbibliothek Trier uns leiht“, sagt Elke Scheid, die Leiterin des Wittlicher Kulturamts.

Auch neue Totentänze sind unter den rund 50 ausgestellten Gemälden und Grafiken. Dabei gebe es eine Unmenge aus dem 20. Jahrhundert. Die Ausstellungsmacher haben drei Künstler ausgewählt, deren Bilder repräsentativ für die Flut an Werken sind.



Toni Munzlinger, der 1934 in Wittlich geboren wurde und nun in Italien lebt, hat seinen gesamten Nachlass der Stadt Wittlich vermacht. Bilder mit ebenso schwarzem Hintergrund wie schwarzem Humor, bei denen Skelette die Hauptrolle spielen, hängen hier an der Wand. Mal tanzen sie sexy Tango oder knutschen, mal schütteln sie einander die Hand (und schwupps, reißt sie ab).

Ernster und noch deutlich düsterer geht es in den Bildern des international bekannten Hamburger Zeichners und Grafikers Horst Janssen zu. Das alte Thema „der Tod und das Mädchen“ spielt laut Hüttel eine große Rolle in den ausgestellten Zeichnungen des 1995 verstorbenen Janssen. „Er fusioniert Beischlaf und Todesschlaf“, sagt der Kurator. Knochige Todeshände greifen da nach den zarten Brüsten gekreuzigter Frauen...

Auch im Werk von Lutz Friedel (1948 geboren in Leipzig) vereinen sich öfters Tod und Eros. Hunderte Totentänze hat er gemalt. Eine überdachte Brücke in Luzern brachte den Ball ins Rollen. Denn in den Giebeln dieser Brücke zeigen bemalte Holztafeln die Szenen eines Totentanzes. Aus einem Bild seien fünf geworden, dann zehn, dann 300. Seine Bilder haben auch Witz: Hier fühlt ein Skelett dem Doktor den Puls. Dort liegt ein Päckchen Tempos neben einem Totenschädel. „Tempus fugit“ (die Zeit rast) mag sich der lateinkundige Betrachter denken – das alte Vanitasmotiv. Von wegen! Total daneben! „Wo sterben die meisten Kinder?“, fragt der Künstler und lacht. „Im Tempo“, lautet die Antwort. Bei den Franzosen werde der Orgasmus ja auch „der kleine Tod“ genannt. Nun gut. Tod und Sex sind in dieser Schau nun mal vereint. Schön provokant, dabei lehrreich und sicher kurzweilig.

Die Ausstellung ist bis 17. Februar in der Städtischen Galerie im Alten Rathaus in Wittlich zu sehen. Dienstags bis samstags 11 bis 17, sonn- und feiertags 14 bis 17 Uhr. Eintritt: drei Euro, unter 18 Jahren ist der Eintritt frei.