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Serie Angespielt
Immer geschmeidig bleiben

„Assassin‘s Creed: Odyssey“ führt den Spieler durch ein bildschön gestaltetes Griechenland.
„Assassin‘s Creed: Odyssey“ führt den Spieler durch ein bildschön gestaltetes Griechenland. FOTO: Ubisoft / Ubisofr
Zweibrücken. „Assassin’s Creed: Odyssey“ beschäftigt den Spieler viele Stunden in einer faszinierenden antiken Welt. Von Jan Althoff

Vor vielen, vielen Jahren, praktisch im klassischen Altertum der Computerspiele (1995), gab es einmal ein Programm mit dem Titel „Command & Conquer“; es gilt heute als einer der Urväter der Echtzeit-Strategie und inspirierte Heerscharen ähnlicher Titel.

Bis heute legendär ist die sensationell schlechte Wegfindung der so genannten Ernter, die auf der Karte den Rohstoff Tiberium einsammelten. Wer hätte gedacht, dass man Wegfindungs-Routinen über 20 Jahre später noch schlechter programmieren kann als damals. Den Entwicklern des neuesten „Assassin’s Creed“ mit dem Untertitel „Odyssey“ gelingt genau das: Wer sein Bildschirm-Alter-Ego aufs Pferd setzt und per Tastenbefehl zum markierten Wegpunkt schickt, kann sich auf einige amüsante Minuten einstellen: An Felsen vorbei zittert sich das edle Ross Phobos, versucht vergeblich, Hauswände zu erklimmen, reitet Zivilisten über den Haufen. Hätte der alte Homer sich dergleichen ausgedacht, man hätte ihn ausgelacht. Zu Recht.

Glücklicherweise ist dieses Feature für das Fortkommen in dem Action-Rollenspiel nicht zwingend erforderlich. Die Hauptperson, wahlweise männlich (Alexios) oder weiblich (Kassandra), braucht so halt ein wenig länger, um von A nach B und wieder zurück zu kommen. Denn ja, es wird viel hin- und hergelaufen. Allein wegen der unzähligen großen und kleinen Haupt- und Nebenmissionen. Immerhin läuft man durch eine riesengroße, wunderschön nachgebaute Miniversion des antiken Griechenland. Hier laufen wilde Ziegen umher, die Blätter rauschen im Wind, alle Naslang stößt man auf Höfe, Dörfer, Höhlen oder Banditenlager, das Mittelmeer meert malerisch vor sich hin.



Auf hoher See kann der Spieler wie seit „Assassin’s Creed: Black Flag“ immer wieder mit seinem Schiff umherfahren und sich geschmeidige Seeschlachten mit Seeräubern und anderem Gesindel liefern. Überhaupt, geschmeidig: Alles (außer dem automatischen Reiten) ist seit dem Vorgänger „Origins“, der in Ägypten spielte, noch ein wenig geschmeidiger geworden. Das Kämpfen, das Klettern, das Aufleveln, das Crafting.

Das Programm lässt dem Spieler viel Freiraum und bezahlt das wie die meisten anderen vergleichbaren Titel mit offener Spielwelt (Ausnahme: „GTA 5“) mit eher farblosen Protagonisten und einer nur mäßig fesselnden Hauptgeschichte. Das gilt uneingeschränkt für Alexios aber immerhin nur eingeschränkt für Kassandra. Sie hat allein durch ihr Geschlecht in der sonst sehr männerzentrierten Serie einen Vorteil und erinnert mit ihrer ruppigen Art immer ein wenig an Xena.

Wertung (Schunote) ⇥1-