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„Hotspots“
Neues Pet Shop Boys-Album ist eine Liebeserklärung an Berlin

  Neil Tennant (links) und Chris Lowe sind die Pet Shop Boys.
Neil Tennant (links) und Chris Lowe sind die Pet Shop Boys. FOTO: picture alliance / dpa / Britta Pedersen
Berlin. (dpa) David Bowie hat es getan, aber auch Depeche Mode und U2. Die „Berlin-Alben“ dieser Pop-Ikonen – „Heroes“ (1977), „Some Great Reward“ (1984), „Achtung Baby“ (1991) – gehören zu ihren besten Werken. dpa

Nun reihen sich auch die Pet Shop Boys bei den großen Musikern ein, die von der Atmosphäre der (längst legendären) Hansa Studios am Potsdamer Platz zu einer starken Platte inspiriert wurden.

Ob deren neues Album „Hotspot“, das an diesem Freitag erscheint, wie die oben Genannten ein Klassiker wird, muss sich erst noch zeigen. Die zehn Tracks umfassende Songsammlung enthält immerhin alles, was langjährige Fans des englischen Elektropop-Duos lieben: eingängige Melodien zwischen Dancefloor-Euphorie („Happy People“) und nachmitternächtlicher Melancholie („Only The Dark“), treibende House-Beats, liebevolle Großraumdisco-Zitate („Monkey Business“), bittersüße Balladen – und tolle Texte voll schlauer Ironie, mit ganz viel schwulem Selbst- und Stilbewusstsein.

„Very sophisticated“, wie der Brite sagt – also sehr weltklug und elegant. Man fühlt sich an die grandiose Musik der Pet Shop Boys in den 80er und 90er Jahren erinnert, als Sänger Neil Tennant und Tastenzauberer Chris Lowe mit Welthits wie „West End Girls“, „Suburbia“ und „It‘s A Sin“ die Tanzflächen beherrschten. Die dazugehörigen Studioplatten, von „Please“ (1986) bis „Bilingual“ (1996), werden bis heute als perfekter Pop gerühmt. Rund 100 Millionen Tonträger sollen die Pet Shop Boys seit ihrer Gründung vor fast 40 Jahren verkauft haben.



Nun also „Hotspot“, das mit dem Starproduzenten Stuart Price aufgenommene „Berlin-Album“ der beiden gut gealterten „Jungs aus der Tierhandlung“. Der Titel dürfte nicht zufällig gewählt sein, denn Tennant (65) und Lowe (60) schätzen die deutsche Hauptstadt als besonders „heißen Ort“ unter den europäischen Metropolen. Im peitschenden Opener „Will O The Wisp“ ist eine weibliche Ansagestimme der U-Bahn-Station „Hallesches Tor“ zu hören; in den Songzeilen des Schmusesongs „You Are The One“ über eine Berlin-Romanze tauchen „Mitte“ und „Warschauer Straße“ auf; das Video zur Single „Dreamland“ wurde unter dem Alexanderplatz gefilmt.

Im Interview kommt Tennant kaum aus dem Schwärmen heraus: „Vor zehn Jahren haben wir ein Apartment in Berlin gekauft. Und wir haben da Songs geschrieben. Wir mögen Berlin also sehr, das ist ein sehr produktiver Ort für uns.“ Zudem sei das Leben in Berlin im Vergleich zu London angenehm entschleunigt. „Es gibt dort mehr Fläche für viel weniger Menschen, und es ist sehr grün. In 20 Taxi-Minuten sind wir von unserem Apartment aus an einem See. Und wir lieben auch die Musikszene, die vielen kleinen Clubs an der Warschauer Straße, die Galerien, das Herumflanieren.“

Als es darum ging, nach „Electric“ (2013) und „Super“ (2016) das dritte Album einer Trilogie mit rein elektronischen Platten zu produzieren, wurde Produzent Price von Los Angeles in die berühmten Hansa Studios gelotst. Die neue Umgebung beeinflusste den im besten Sinne nostalgischen Synthiepop-Sound von „Hotspot“. Das Album sei „ganz anders geworden“ als die beiden Vorgänger, sagt Tennant – und es klinge „wie ein Liebesbrief an die Stadt“.