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Neuer Action-Thriller im Kino
Action heiligt auch nicht jedes Mittel

Die Agenten Matt (Josh Brolin), Steve (Jeffrey Donovan) & Alejandro (Benicio del Toro).  
Die Agenten Matt (Josh Brolin), Steve (Jeffrey Donovan) & Alejandro (Benicio del Toro).   FOTO: dpa / Richard Foreman, Jr.
Los Angeles. „Sicario 2“, der morgen bei uns im Kino anläuft, ist kein so gekonnter Thriller wie das Original. Viel mehr als brutale Action hat er nicht zu bieten.

(dpa) Das Timing für den Menschenschmuggel- und Drogenthriller „Sicario 2“ ist perfekt: Flüchtlingsdramen an der Grenze von Mexiko und den USA machen seit Monaten Schlagzeilen. Der harsche Umgang der US-Behörden mit illegal eingewanderten Menschen aus Süd- und Mittelamerika ist in den Nachrichten. Donald Trumps zeitweilige Praxis, Zuwanderer einzusperren und sie von ihren Kindern zu trennen, löste einen internationalen Aufschrei der Empörung aus.

 Drei Jahre nach dem Originalfilm „Sicario“ ist die gefährliche Grenzwüste auch in der Fortsetzung Hauptschauplatz. Etwa ein texanisches Kaff, ganz nah am Grenzzaun, wo Teenager Miguel von Schmugglern zum Schlepper herangezogen wird. Der Newcomer Elijah Rodriguez spielt die Rolle des kaltblütigen Jungen ebenso überzeugend wie die junge Neuentdeckung Isabela Moner („Transformers: The Last Knight“) als abgebrühte Tochter eines Kartellbosses, die in Mexiko entführt wird.

 Die bewährten Hauptakteure aus „Sicario“ (Josh Brolin als skrupelloser CIA-Agent Matt und Benicio Del Toro als wortkarger Auftragskiller) sollen diesmal im Auftrag der US-Regierung einen Krieg zwischen den Drogenkartellen anzetteln. Matthew Modine spielt den intriganten US-Verteidigungsminister, dem alle Mittel recht sind, Catherine Keener eine hochrangige Geheimdienstlerin. Leider fehlt eine Figur in dem hochkarätigen Ensemble: Emily Blunt verkörperte in „Sicario“ eine toughe FBI-Agentin, die sich leidenschaftlich gegen den Drogenschmuggel einsetzt. In dem düsteren Geflecht aus Intrigen, Morden und einem dubiosen Doppelspiel ihrer Kollegen hatte sie eine komplexe Rolle, die dem Thriller Tiefgang verlieh. Zudem setzte der kanadische Regisseur Denis Villeneuve („Arrival“, „Blade Runner 2049“) die Skriptvorlage atmosphärisch dicht um.



Blunt und die sensible Handschrift von Villeneuve werden in „Sicario 2“ durch brutale Action ersetzt. Regie führt der Italiener Stefano Sollima, der zuvor die knallharte Mafia-Serie „Gomorrha“ inszenierte. Es geht es nicht mehr nur um Drogengeschäfte, sondern um den noch lukrativeren Menschenschmuggel. Die Kartelle schleusen Terroristen in die USA, die US-Regierung setzt sie zur Strafe auf die Liste terroristischer Vereinigungen. „Diesmal gibt es keine Regeln“, tönt CIA-Macho Matt. Es wird ein schmutziges Geschäft, mit Massenschießereien, Hinrichtungen, Folter und Explosionen. Schon in „Sicario“ ging es hart zu, doch nun hat das FSK-Gremium die Altersfreigabe von 16 auf jetzt 18 Jahre hochgesetzt.

Der Action-lastige Thriller hat dennoch Momente, die nicht nur die Nerven anspannen, sondern auch das Herz berühren. Vor allem dann, wenn die Brutalität in dem hoffnungslosen Kartellkrieg durch den Blickwinkel der Jugendlichen gezeigt wird. Mit 16 hat die entführte Tochter des mächtigen Drogenbosses Carlos Reyes schon zu viel Gewalt gesehen, während der Teenager Miguel am Rand des Grenzzauns selbst einen Mord begeht. Er ist auf dem besten Wege dazu ein Sicario (ein Auftragskiller) zu werden. Vielleicht in „Sicario 3“: Drehbuchautor Taylor Sheridan hat bereits einen dritten Teil in Aussicht gestellt. Da könnte auch wieder Emily Blunt mitmischen. Man würde sie gerne zurückbringen, teilte Produzent Trent Luckinbill kürzlich dem Kinoportal „Cinemablend“ mit.

Ab Donnerstag in vielen Kinos zu sehen.