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Hunderten Veranstaltungen in Trier
200 Jahre Marx: Philosoph in Musical, Brief und Telefonzelle

Mainz. Zum Jubiläum seines Geburtstags soll der Denker in Trier von ganz neuen Seiten beleuchtet werden. Und zwar keineswegs nur im Museum.

(dpa) Zum 200. Geburtstag von Karl Marx können die Bürger dem politischen Philosophen in Hunderten Veranstaltungen in Trier begegnen. Das Programm solle alle Altersgruppen und alle sozialen Gruppen erreichen, sagte Rudolf Hahn, Koordinator des Jubiläumsprogramms, gestern in Mainz. Insgesamt seien es rund 300 Veranstaltungen und 300 öffentliche Führungen. Marx-Epertin Beatrix Bouvier fügte hinzu: „Mehr Marx als im Jubiläumsjahr wird es in absehbarer Zeit nicht mehr geben.“

Ausstellungen: Gleich drei Sonderausstellungen wollen die umstrittene und streitbare Persönlichkeit historisch-kritisch würdigen. Dazu gehören die große Landesausstellung „Karl Marx 1818-1883. Leben. Werk. Zeit.“ im Rheinischen Landesmuseum Trier und im Stadtmuseum Simeonstift Trier, die neue Dauerausstellung im Museum Karl-Marx-Haus und eine Sonderschau im Museum am Dom. Hinzu kommen 20 weitere Ausstellungen.

Bühnenprogramm: 65 Mal kommt Marx in Trier auf die Bühne. Joshua Sobal zum Beispiel schrieb extra das Schauspiel mit dem Arbeitstitel „Marx‘ Bankett“, das in Trier uraufgeführt wird. Daneben gibt es ein Comedy Musical. „Wir haben nicht nur verkopfte Sachen“, sagt Programmkoordinator Hahn dazu. Das Musical habe Tobias Künzel von den Prinzen mitgeschrieben.



Musik: 20 musikalische Veranstaltungen sind geplant. Komponisten aus der ganzen Welt sind eingeladen, sich zu Marx Gedanken zu machen und ihn musikalisch umzusetzen. Die Preisträger kämen nach Trier, ihre Werke würden prämiert und aufgeführt, sagte Programmkoordinator Hahn. Diese „Wilden Lieder“ werden von hr2 aufgezeichnet und ausgestrahlt.

Lesungen, Filme: Marx schreibt an Jenny, Marx schreibt an Friedrich Engels - diese Briefe werden Schauspieler in vier szenischen Lesungen vortragen. Außerdem gibt es 15 Filmvorführungen, etwa den Spielfilm „Der junge Karl Marx“, auch mit Filmgesprächen. Und für die Jugend: einen Poetry Slam sowie eine Debatte des Debattierclubs zum Thema bedingungsloses Grundeinkommen.

Kongresse, Tagungen: Fünf Mal kommen Wissenschaftler zusammen, um das Leben und Wirken von Karl Marx aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten. „Alle Marx-Biografen der vergangenen Jahre werden kommen“, freut sich Hahn. Unter ihnen der britische Historiker Gareth Stedman Jones („Karl Marx: Die Biographie“) und sein deutscher Kollege Gerd Koenen („Die Farbe Rot. Ursprünge und Geschichte des Kommunismus“).

Vorträge, Vorlesungen, Diskussionen: Die Bandbreite der 60 Vorträge und 20 Vorlesungen reicht von „Karl Marx zwischen Pfandhaus und Champagner“ über seine Familie und das Umfeld bis hin zu „Wie der Wein Karl Marx zum Kommunisten machte“. Marx-Expertin Bouvier erklärte, es gehe insgesamt darum, Marx zu entideologisieren und ihn stärker historisch zu betrachten. „Wir wollen ein etwas anderes, ein neueres Marx-Bild zeigen als das, was zumeist in den Köpfen noch vorherrscht.“

Führungen: Neben dem klassischen Führungsprogramm gibt es Themen- und Kuratorenführungen - insgesamt 200 Rundgänge stehen im Programm. Dazu gehören auch 20 Programme für Kinder.

Auf der Straße: Eine Porträtserie mit dem Titel „Wir sind Marx“ zeigt Menschen, die in Trier leben und den Namen Marx tragen. Fotos von ihnen werden auf große Bauzäune plakatiert und in der Stadt aufgestellt. Außerdem stehen in Trier Marx-Telefonzellen, in denen jeder Passant einen Kommentar zu einer Marx-Frage loswerden kann. Daraus wird ein Hörspiel erstellt, dem Interessierte an verschiedenen Stellen in der Stadt lauschen können.

(dpa)