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Jubiläumsfeier
1000 Jahre Wormser Dom: Gauck wirbt für Ökumene

Fünf neue Glocken hat der Wormser Dom bekommen, der in diesem Jahr 1000 Jahre alt wird.
Fünf neue Glocken hat der Wormser Dom bekommen, der in diesem Jahr 1000 Jahre alt wird. FOTO: dpa / Uwe Anspach
Worms. Am 9. Juni 1018 wurde der Dom in Worms geweiht. Festredner Joachim Gauck würdigt das Gotteshaus, in dem Geschichte geschrieben wurde.

Bei einem Festakt zu 1000 Jahre Wormser Doms hat Ex-Bundespräsident Joachim Gauck dazu aufgerufen, die Ökumene zwischen den christlichen Kirchen weiter zu vertiefen. Katholiken und Protestanten seien in den vergangenen Jahren aufeinander zugegangen, sagte der Theologe und frühere evangelische Pastor am Samstagabend in Worms. „Ich hoffe auf weitere Schritte in der Ökumene.“ Der Wormser Dom habe viele Ereignisse in den vergangenen tausend Jahren überdauert. „Worms wirkt für mich wie ein Fels in der Brandung“, sagte Gauck. Das frühere Staatsoberhaupt thematisierte in seiner Rede auch die Diskussion um den richtigen Weg in der Flüchtlingspolitik. Gauck plädierte für einen pragmatischen Weg, der weder für die Europas Abschottung stehe noch bedingungslos offene Grenzen befürworte. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass die Politik nicht mehr von der Mehrheit der Bürger mitgetragen werde. Ziel müsse es sein, die wirklich verfolgten Menschen, aber auch die Demokratie zu schützen. „Politik muss auch steuern. Und manchmal auch begrenzen“, sagte Gauck.

Mit Blick auf die schwierige Situation in der Europäischen Union mahnte der frühere Präsident mehr Mut von der Politik an. „Wir brauchen eine Bereitschaft wieder etwas zu riskieren für dieses Europa“, sagte der frühere Bundespräsident. Der europäische Zusammenschluss sei wichtig, um gemeinsam mit einer Stimme in der Welt zu sprechen. Mit seinen Reformvorschlägen habe der französische Präsident Emmanuel Macron dem Stillstand in der Union etwas entgegengesetzt. Um Europa zukunftsfest zu machen, reiche es nicht, Erfolge von früher zu betonen.

Der Wormser Dom wurde am 9. Juni 1018 im Beisein von Kaiser Heinrich II. und Bischof Burchard geweiht. Das Gotteshaus war wiederholt Schauplatz bedeutender Ereignisse. So wurde 1048 in Worms etwa Papst Leo IX. gewählt, es war eine von nur zwei Papstwahlen auf deutschem Boden. Im Bischofshof neben dem Dom weigerte sich Martin Luther 1521 vor Kaiser Karl V., seine Lehren zu widerrufen, was dann zur Spaltung der Kirche führte.



Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) würdigte das Bauwerk und seine Bedeutung für die Menschen. In ihm hätten zahlreiche Generationen von Menschen gebetet und Gottesdienste gefeiert, getrauert und Trost gefunden. „Erst die Menschen, die den Dom besuchen, machen dieses großartige Denkmal zu einem lebendigen Ort und geben ihm eine Zukunft“. Gestern ging die Festwoche zu 1000 Jahre Wormser Dom mit einem Festgottesdienst zu Ende. Beim Festakt am Samstagabend betonte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf, der Dom sei stets das geblieben, wofür er in erster Linie gebaut wurde: „Ein sichtbarer Ausdruck der Verehrung Gottes, ein Ort des Gebetes und des Gottesdienstes. Das ist der Dom auch heute, nach 1000 Jahren.“ Der Bischof erinnerte daran, dass sowohl das diesjährige Domjubiläum als auch das Reformationsjubiläum im vergangenen Jahr durch ökumenische Verbundenheit geprägt gewesen seien.

In diesem Jahr begleiten zahlreiche Veranstaltungen das Jubiläum. Das Motto der Feiern lautet „Aufgeschlossen!“ und ist angelehnt an den Petrusschlüssel, das Wappen des einstigen Bistums Worms.

(dpa)