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Kleine Kugel für kleine Schweine
Jägern wird die Jagd auf Frischlinge erleichtert

Jäger in Rheinland-Pfalz dürfen Frischlinge künftig mit einer „kleinen Kugel“ mit einem Durchmesser von weniger als 6,5 Millimetern erlegen.
Jäger in Rheinland-Pfalz dürfen Frischlinge künftig mit einer „kleinen Kugel“ mit einem Durchmesser von weniger als 6,5 Millimetern erlegen. FOTO: dpa / Bernd Thissen
Gensingen. Im Kampf gegen wachsende Wildschweinbestände dürfen Jäger in Rheinland-Pfalz jetzt gestreifte Frischlinge auch mit „kleiner Kugel“ erlegen.

Jäger in Rheinland-Pfalz sollen mehr kleine Wildschweine erlegen: Als Anreiz dafür hat die Obere Jagdbehörde jetzt die Jagd auf Frischlinge erleichtert, wie der Landesjagdverband (LJV) in Gensingen gestern mitteilte. Ab sofort dürften gestreifte Frischlinge auch mit einer „kleinen Kugel“ mit einem Durchmesser von weniger als 6,5 Millimetern erlegt werden. Diese Änderung bedeute für die Jäger eine größere Flexibilität: „Jäger, die auf der Jagd eine Waffe mit solch einem Kaliber führen, müssen jetzt nicht mehr die Gelegenheit verstreichen lassen, Frischlinge dieser Altersklasse zu erlegen“, teilte LJV-Präsident Dieter Mahr mit.

Die sogenannte kleine Kugel wird in der Regel bei der Jagd auf „Beutegreifer“ wie Fuchs, Marder und Dachs eingesetzt. Bisher waren bei Wildschweinen nur Geschosse ab 6,5 Millimetern zugelassen. Der Verband begrüßte die neue Allgemeinverfügung. „Es gilt, jede Chance zu nutzen, um den Wildschweinbestand in Rheinland-Pfalz zu senken“, sagte Mahr. Die Jagd auf Frischlinge habe „höchste Priorität“, da diese Altersklasse den größten Anteil der Population darstelle.

Ein weiterer möglicher Vorteil beim Schuss mit kleinem Kaliber sei, dass man beim Frischling – je nachdem – weniger Fleisch zerstöre und mehr Wildbret verwerten könne, hieß es. Frischlinge besitzen bis zum vierten Lebensmonat gelb-weiße Längsstreifen auf ihrem Fell.



Auch angesichts eines drohenden Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest (ASP) sei die Erlaubnis, jetzt auch mit kleiner Kugel auf Frischlinge schießen zu dürfen, bedeutsam, sagte der Verbandssprecher. Um bei Seuchenausbruch eine schnelle Ausbreitung der ASP zu verhindern, setzen die Jäger auf eine weitere Senkung der Schwarzkittel-Population.

Für das vergangene Jagdjahr (1. April 2017 bis 31. März 2018) zeichne sich bei den erlegten Wildschweinen landesweit ein neuer Rekord ab, sagte der Sprecher. Zahlen könne er aber noch keine nennen. Im Vorjahr lag die Zahl der erschossenen Wildschweine bei knapp 61 000. Der bisherige Rekord lag bei gut 80 000 im Jagdjahr 2008/2009. „Der scheint getoppt zu werden“, sagte der Sprecher. Die Jagd auf Wildschweine ist das ganze Jahr über möglich, es gibt keine Schonfristen.

Bislang ist die für Menschen ungefährliche Schweinepest in mehreren osteuropäischen Ländern nachgewiesen worden. Seuchenexperten sind sich sicher, dass es nur noch ein Frage der Zeit ist, bis die ASP auch nach Deutschland eingeschleppt wird. Als größte Gefahr gelten dabei nicht die Wildschweine, sondern Menschen, die Wurst oder Fleisch von befallenen Tieren mitbringen und Reste davon zum Beispiel an Autobahnraststätten wegwerfen.

„Die Einschläge kommen näher“, sagte Sprecher Günther D. Klein mit Blick auf die Ausbrücke der ASP in Ungarn und der Tschechischen Republik. „Deshalb ist es gut, dass wir vorbereitet sind.“ Demnächst gebe es vier Regionalkonferenzen im Land, bei denen unter anderem darüber informiert werden soll, „was im Fall der Fälle getan wird“. Die erste sei am 10. August in Daun im Kreis Vulkaneifel geplant.