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Sabbatjahr
Eine Auszeit vom Beruf will gut durchdacht sein

Schreibtisch gegen Hängematte eintauschen? Wer ein Sabbatical plant, muss vorab einiges organisieren.
Schreibtisch gegen Hängematte eintauschen? Wer ein Sabbatical plant, muss vorab einiges organisieren. FOTO: Stefanie Päffgen / dpa-tmn
Potsdam/Berlin. Von einem Sabbatjahr träumen viele Arbeitnehmer. Den Chef davon zu überzeugen ist nur der erste Schritt. Einen Rechtsanspruch gibt es nicht.

() Das typische Sabbatjahr ist eigentlich kein ganzes Jahr. Die meisten nehmen sich in Deutschland drei bis sechs Monate lang eine Auszeit, sagt der Arbeitszeitberater Andreas Hoff aus Potsdam. Manche Arbeitgeber böten diese Möglichkeit ganz offensiv an, bei anderen müssten die Arbeitnehmer Überzeugungsarbeit leisten. Neben der Zusage vom Chef braucht es aber auch eine gute Planung und den richtigen Versicherungsschutz.

Die Gründe, aus denen sich Menschen für einen zeitweisen Ausstieg aus dem Job entscheiden, seien vielfältig. Ganz oben auf der Liste stünden langgehegte Wünsche wie etwa eine große Reise. Andere möchten mehr Zeit für ihre Familie haben, wieder andere die Akkus mal wieder aufladen, sagt die Diplom-Verwaltungswirtin Andrea Oder aus Berlin, die sich beruflich mit dem Sabbatjahr auseinandersetzt.

Einen Rechtsanspruch auf ein Sabbatical gebe es allerdings nicht, aber einige Möglichkeiten, den Chef davon zu überzeugen. Dafür helfe es, sich vorher zu fragen: Warum will ich das? Was verspreche ich mir davon? „Und dann muss überlegt werden: Kann auch der Arbeitgeber einen Vorteil daraus ziehen?“, rät Oder.



Wer mit dem Chef eine Auszeit vereinbart hat, muss das schriftlich festhalten. Ganz wichtig sei, dass der Mitarbeiter auf denselben Arbeitsplatz zurückkommen kann, sagt Hoff. Aus diesem Grund beließen es die meisten bei eher kurzen Sabbaticals.

Die Möglichkeiten, den befristeten Ausstieg zu gestalten, seien vielfältig. Eine gängige Variante etwa sei die Blockteilzeit. Wer ein dreimonatiges Sabbatical machen will, verabrede mit dem Arbeitgeber zum Beispiel, ein Jahr lang in Teilzeit 75 Prozent zu arbeiten. „Dann arbeiten Sie neun Monate voll und drei Monate gar nicht und kriegen die komplette Zeit über 75 Prozent gezahlt“, erläutert Hoff. Kranken- und Sozialversicherung liefen weiter.

Eine andere Möglichkeit sei es, unbezahlten Urlaub zu nehmen. Der Vorteil bei dieser Variante: Die Auszeit lasse sich schneller organisieren. Dafür wirke es sich nachteilig auf die Rente aus. Und der Betroffene müsse sich selbst um die Kranken- und Pflegeversicherung kümmern. Wer bisher gesetzlich versichert war, könne sich in der Sabbatzeit freiwillig gesetzlich versichern. Eine private Krankenversicherung lohne sich eventuell für jüngere, gesunde Arbeitnehmer. Ann Marini vom GKV-Spitzenverband rät, frühzeitig Kontakt mit der Krankenkasse aufzunehmen. Geht die Reise ins Ausland, gebe es mit vielen Ländern Sozialversicherungsabkommen. Woanders sei sonst eine Auslandskrankenversicherung nötig.

Für welche Variante man sich auch entscheidet, ein finanzieller Puffer für die Gestaltung eines Sabbatjahres ist immer von Nutzen, sagt Andrea Oder. Sie rät jedem, der eine Auszeit plant, sich auch unabhängig vom gewählten Modell zu fragen, welchen Betrag man monatlich zurücklegen kann. Dann solle bestenfalls ein separates Konto und ein Dauerauftrag eingerichtet werden.

Generell sind Sabbatzeiten immer mehr im Kommen, sagt Andreas Hoff. Für viele Arbeitnehmer gehöre die eine oder andere Auszeit inzwischen zu einem erfüllten Arbeitsleben. Viele Arbeitgeber hätten auf diesen Bedarf reagiert.

(dpa)