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Reisen ins Vereinigte Königreich
Was der Brexit für Urlauber bedeutet

 Zumindest für die Fahrgäste im berühmten Riesenrad „London Eye“ ist klar, wohin die Reise geht.
Zumindest für die Fahrgäste im berühmten Riesenrad „London Eye“ ist klar, wohin die Reise geht. FOTO: dpa / Kirsty O'connor
Berlin. Wenn Großbritannien die Europäische Union im März verlässt, wird sich für Touristen einiges verändern. dpa

(dpa) Der Brexit ist nicht nur in London und Brüssel ein heiß diskutiertes Thema. Auch deutsche Urlauber fragen sich, was der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union für sie bedeutet. Und erst recht, was bei einem Ausscheiden ohne Abkommen, dem sogenannten harten Brexit, passiert. Wichtige Fragen im Überblick:

 

Ich will nach Großbritannien reisen. Was muss ich beachten?



Bei der Einreise wurde immer schon genauer kontrolliert als im Rest der EU, da Großbritannien nicht zu den Mitgliedern des Schengener Abkommens gehört. Diese Vereinbarung unterbindet standardmäßige Kontrollen an den Grenzen der teilnehmenden Staaten. Bislang war ein Personalausweis Pflicht. Jetzt stellt sich die Frage, ob künftig der Reisepass oder sogar ein Visum erforderlich ist.

Wahrscheinlicher ist laut dem Deutschen Reiseverband (DRV), dass es ähnliche Regelungen geben wird wie zum Beispiel in Norwegen, wo sich EU-Bürger 90 Tage ohne Visum aufhalten dürfen. Für eine solche Regelung hat sich auch die EU-Kommission ausgesprochen.

Der Bund der Versicherten rät bei Auslandsreisen grundsätzlich zu einer privaten Auslandsreise-Krankenversicherung. Diese zahlt im Krankheitsfall auch für den Rücktransport nach Deutschland. An dieser Empfehlung ändert sich durch einen harten Brexit nichts.

Was gilt bei der Anreise mit dem Flugzeug?

Im Falle eines Ausscheidens des Landes aus der EU ohne Abkommen sei es denkbar, dass Teile des Flugverkehrs zwischen Großbritannien und der EU für eine Weile zum Erliegen kommen, informiert der DRV. Das beträfe auch Passagiere, die einen Langstreckenflug mit Umstieg in London gebucht haben. Reisen von, über oder nach Großbritannien könnten kurzfristig vonseiten der Betreiber storniert werden, sollten sie bedingt durch den Brexit nicht mehr möglich sein, so der DRV.

Die EU-Kommission hat für diesen Fall zwar einen Notfallplan ausgearbeitet – dieser soll aber nur „die Aufrechterhaltung grundlegender Verkehrsverbindungen gewährleisten“. Auch die Fluglinien arbeiten nach eigenen Angaben an Lösungen für das Problem. Alternativ wären bei diesem Szenario weiterhin Reisen nach England per Eurostar-Schnellzug oder mit dem eigenen Wagen möglich.

 

Wird der Urlaub in Großbritannien künftig teurer?

Nein, erklärt das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland (EVZ). Das Britische Pfund habe an Wert verloren – daher würden die Nebenkosten im Urlaub eher niedriger ausfallen als bisher.

 

Zahle ich für Handytelefonate in London bald wieder Roaming-Gebühren?

Bei Reisen auf die Insel könnten nach dem Austritt durchaus wieder Roaming-Gebühren anfallen, erklärt das EVZ. Derzeit werden solche Zusatzgebühren etwa bei einem Handytelefonat von London nach Deutschland nicht erhoben, weil sie innerhalb der EU abgeschafft wurden. Nach dem Brexit wird diese Regelung laut EVZ nicht mehr gelten, es sei denn, Großbritannien wird – wie Island, Liechtenstein und Norwegen – Mitglied im Europäischen Wirtschaftsraum, ohne Teil der EU zu sein.

Möglich sind auch abweichende Regelungen, wie sie in anderen europäischen Nicht-EU-Ländern wie etwa der Schweiz gelten. Einige
Mobilfunkanbieter berechnen hier auf freiwilliger Basis den regulären Euro-Tarif – andere verlangen mehr. Die Telekom hat beispielsweise bereits erklärt, Großbritannien auch nach einem Brexit vorerst weiter wie ein EU-Land behandeln zu wollen.