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Niederauerbach
Viel Wissenswertes über Wilhelm Busch

Heinz Weinkauf referierte bei der evangelischen Kirchengemeinde Niederauerbach über Wilhelm Busch.
Heinz Weinkauf referierte bei der evangelischen Kirchengemeinde Niederauerbach über Wilhelm Busch. FOTO: Cordula von Waldow
Zweibrücken. Heinz Weinkauf referierte bei der evangelischen Kirchengemeinde Niederauerbach über den berühmten deutschen Humoristen. Von Cordula von Waldow

Wer kennt nicht Max und Moritz und ihre derben Streiche? Die Lausbubengeschichten haben den niedersächsischen Autor und Karikaturisten, Wilhelm Busch, quasi über Nacht berühmt gemacht und sind in nahezu alle Sprachen der Welt übersetzt. Zusammen mit dem Struwwelpeter und Pippi Langstrumpf ist Max und Moritz das meist gelesene Kinderbuch der Welt.

Dies und noch viel mehr Interessantes und Unbekanntes erfuhren die Angehörigen der evangelischen Kirchengemeinde Niederauerbach bei einem Gemeindenachmittag im Gemeindehaus an der Zwinglikirche. Der pensionierte Redakteur des Pfälzischen Merkur, Heinz Weinkauf, überraschte mit der Lebensgeschichte von Wilhelm Busch.

Der rüstige Rentner erinnerte sich noch gut an das Weihnachtsfest 1941/42, zu dem er das „Große Wilhelm Busch Buch“ geschenkt bekam und die mehr als 350 Seiten bereits bis Silvester verschlungen hatte. „Wilhelm Busch ist der berühmteste deutsche Karikaturist, der Haushumorist der Deutschen seit Tagen des Kaiserreichs bis heute“, skizzierte Heinz Weinkauf.



1832 wurde Busch in Wiedensahl bei Hannover als ältestes von sieben Kindern eines Krämers geboren. Zu seinen ältesten Leseerinnerungen gehören neben dem Gesangbuch auch Andersens Märchen. Dem Wunsch seines Vaters, Maschinenbauer zu werden, folgte Wilhelm Busch nur kurze Zeit. Viel lieber wollte er Malerei studieren. Bereits als 16-Jähriger hatte er zahlreiche Gedichte verfasst und auch „amüsant karikiert“. 1852 begegnete der 20-jährige, begnadete Künstler an der Königlichen Akademie in Antwerpen den Alten Holländern wie Rubens oder Rembrandt.

In seinem Tagebuch beschreibt Wilhelm Busch dies als „meinen zweiten Geburtstag“. Niemand der zehn Anwesenden hatte bis dahin gehört, dass der berühmte humoristische Dichter und Zeichner auch ein begnadeter Maler war. Mehr als 1000 Gemälde hat er im Laufe seines bewegten Lebens zu Papier gebracht oder auf Leinwand verewigt. Die wenigsten davon gelangten an die Öffentlichkeit, weil sie Wilhelm Buschs eigenen Ansprüchen an sich selbst nicht genügten.

Auch seine diversen Studien an unterschiedlichen Akademie mündeten oft in Enttäuschungen, denn Wilhelm Busch hatte viel mehr Freude an der Bewegung als an Posen. Über den Münchner Künstlerverein „Junge Künstler“ erhielt er seinen ersten Auftrag, bei dem er fremde Texte karikierte oder eigene Texte schrieb, die von anderen verbildlicht wurden.

Daneben verfasste und inszenierte er Komödien. Seine wichtigste Freundschaft war die mit dem Verlegerssohn Otto Bassermann. Nannte Heinz Weinkauf prominente Gestalten aus Buschs Geschichten wie den Unglücksraben „Heinz Huckebein“ oder „Die fromme Helene“, nickten die Zuhörer. Viele seiner Zweizeiler sind im Deutschen zu festen Redewendung geworden. Bekannte Beispiele sind „Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr“ oder „Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich“.

Besonders in seinen letzten Jahren lebte der Künstler nach bewegten Zeiten in München, Frankfurt oder auf Reisen sehr zurückgezogen in seiner Heimat und im Kreise seiner Familie. „Wilhelm Busch war ein Maler der Zukunft“, zitierte Heinz Weinkauf. Bekannt geworden war er mit seinen witzigen und pointierten Karikaturen und seinen Texten. „Ich habe mich an vieles erinnert. Dass er auch Maler war, wusste ich nicht“, sagte Organisatorin Inge Seebach staunend. Der Kreis hatte viel Freude an Wilhelm Busch – informativ und wunderbar vorgetragen von Heinz Weinkauf.