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Kolumne Moment mal
Vom ersten Wort bis zum ,,Lebe wohl!“ oder: Momente für die Ewigkeit

FOTO: SZ / Baltes, Bernhard
Wenn Zweibrücken am Freitag offiziell Abschied von Kurt Pirmann nimmt, bringen viele ihre persönlichen Erinnerungen an ihn mit in die Alexanderskirche. Merkur-Chefredakteur Michael Klein macht da keine Ausnahme.

Wenn Kurt Pirmann ruft, dann kommen alle, die angesprochen sind. So hat es der am vergangenen Montag verstorbene Oberbürgermeister zeitlebens gehalten. Und in vielen Begegnungen wertschätzend erfahren. Zumeist waren es bedeutende Anlässe, zu denen der Verwaltungschef geladen hatte. Einweihungen, Eröffnungsfeierlichkeiten, die Übergabe von Zuwendungsbescheiden, Ehrungen, Spatenstiche oder die Vollendung von Baumaßnahmen und Projekten – halt all das, was zum offiziellen Tun des OB dazu gehört. Und viele, sehr viele waren bei den genannten Anlässen dabei. Funktions- und Würdenträger, aber und vor allem auch Menschen wie Du und ich. Mit denen es ,,de Kurt“ sowieso am liebsten zu tun hatte.

All die werden auch an diesem Freitag wiederkommen, angeführt nach derzeitigem Stand von der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Wiewohl er selbst nicht mehr eingeladen oder gerufen hat, ist es traurige Verpflichtung für so viele, aber auch ein ehrliches Zeichen der Verbundenheit und der Dankbarkeit, dem im Alter von 63 Jahren verstorbenen Ausnahmekommunalpolitiker ein letztes ,,Lebe wohl“ zu sagen.

Man muss sicherlich kein Prophet sein, um vorauszusehen, dass die Alexanderskirche am Freitagnachmittag übervoll sein wird. Und man braucht beileibe auch keine hellseherischen Fähigkeiten, um zu erahnen, dass jeder, der in einer der größten Zweibrücker Kirchen Platz finden wird, in dieser Stunde des offiziellen Abschiednehmens seine ganz eigenen Erinnerungen an Kurt Pirmann haben wird. Und sicherlich nicht nur da.



So vieles ist und bleibt auf immer in Zweibrücken mit seinem Namen verbunden. Ja, eigentlich begegnet man Kurt Pirmann an vielen Stellen auf Schritt und Tritt. Während ich diese Zeilen schreibe, schaue ich beispielsweise aus dem zweiten Stock unseres Verlagsgebäudes runter auf die Hauptstraße. Ja, die Fußgängerzone - die Revitalisierung der guten Stube der Stadt, das war so ein Werk à la Kurt Pirmann. Ein Geniestreich, für den man ihm ewig dankbar sein muss. Und für den er sich verschmitzt die Hände rieb.

Bei der Alten Ixheimer Straße war es ein bisschen anders. Da ist vereinzelt Kritik von Anliegern und Gewerbetreibenden auf den OB geprasselt, weil es vielen zu langsam ging. Ihn hat das geärgert. ,,Straßen fallen nicht vom Himmel“, kommentierte Pirmann seinerzeit gleichermaßen treffend wie süffisant – in bester Gewissheit, dass nur diejenigen Eindruck hinterlassen, die auch mal anecken. Und anecken, im Sinne der Sache, konnte Kurt Pirmann. Wie andere Macher vor und nach ihm auch. Das wäre aber ein anderes Thema.

Tatsache allerdings ist; Wann immer ich seit Dienstagmorgen durch die Alte Ixheimer Straße fahre, kommt mir sein Ausspruch von den nicht vom Himmel fallenden Straßen in den Sinn. Und innerlich lächle ich und gebe ihm Recht.

Und wenn ich dann am Schreibtisch sitze, sehe ich ihn auf vielen Fotos an der Wand, die von ebenso vielen Besuchen in unserer Redaktion zeugen. Und von den Gesprächen. Offiziellen, die ihren Niederschlag im Blatt fanden. Aber auch den hintergründigen, auch mal den privaten – und das waren beinahe mehr. Über Familie, seine und meine. Kinder – da stand es numerisch remis. Und Enkelkinder – da hat(te) Kurt die Nase vorn. Und das ließ er im Gespräch denn auch gerne spüren, wenn er von ihnen erzählte und schwärmte.

Verdammt lang her: Erstmals begegnet bin ich Kurt Pirmann wohl im Landgestüt. Es kann aber auch eine Sporthalle gewesen sein. Erinnerlich ist mir auf jeden Fall, dass es eine jener Bänke war, die so viele Tribünen zieren. Wenn da einer sitzt, dann hat es ein anderer schwer, sich durchzuquetschen. Zumal, wenn der eine Kurt Pirmann ist und der andere auch kein Spargeltarzan. Kollegen hatten mir, dem zu diesem Zeitpunkt in ZW berufsbedingt neu Angekommenen, den damaligen Verbandsbürgermeister Zweibrücken-Land vor über zehn Jahren  hinlänglich beschrieben. Auch hinsichtlich der körperlichen Fülle, die bei Pirmann Sinnbild des Tuns war. Er war ein schwergewichtiger Politiker. Wenn er einen Standpunkt hatte, dann war es schwer beziehungsweise nur mit allerbesten Argumenten möglich, ihn zu bewegen. Tendenziell war er unverrückbar. Standhaft. Auch im Sitzen. Weshalb ich die erste Begegnung so gut vorm geistigen Auge habe und vorm inneren Ohr. ,,Du bischd der Neie ausem Saarland?!“, waren seine ersten Worte.

Worte…

Der Kirchenlehrer Augustinus hat  vor langen Jahren in schönen Worten so formuliert – und sein Zitat ist Teil meines persönlichen Kondolenzschreibens an Pirmanns Frau Beate und die Familie: ,,Unsere Toten sind unter uns. Sie blicken mit ihren Augen voller Licht in unsere Augen voller Trauer.“ Es ist im Falle von Kurt Pirmann das Schöne, zu wissen, dass in seinen Augen, die er vor einer Woche für immer geschlossen hat, eben  nicht nur das Licht im augustinischen Sinne erstrahlt. Sondern mehr noch die sprühende Freude, die funkelnde Mischung aus Versonnenheit und hintersinnigem Wissen und der hintergründig charmante Schalk, der aus seinen kleinen Augen so oft blitzte.