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Abi - was dann?
Viele Wege führen Abiturienten ins Ausland

Viele Abiturienten wollen vor dem Studium oder der Ausbildung Erfahrungen im Ausland sammeln – und haben dabei die Qual der Wahl.
Viele Abiturienten wollen vor dem Studium oder der Ausbildung Erfahrungen im Ausland sammeln – und haben dabei die Qual der Wahl. FOTO: Christin Klose / dpa-tmn
Bonn/Rheda-Wiedenbrück. Nach dem Abitur erst mal in die große weite Welt – davon träumen viele. Doch einen Auslandsaufenthalt zu organisieren, ist harte Arbeit. Denn die Vielfalt der Veranstalter und Finanzierungsmöglichkeiten erweist sich schnell als schier undurchdringliches Dickicht.

Nach dem Abitur erst mal in die große weite Welt – davon träumen viele. Doch einen Auslandsaufenthalt zu organisieren, ist harte Arbeit. Denn die Vielfalt der Veranstalter und Finanzierungsmöglichkeiten erweist sich schnell als schier undurchdringliches Dickicht.

„Der Markt für Auslandsaufenthalte nach dem Abitur ist sehr groß – da kann man schnell den Überblick verlieren“, sagt Natascha Schmitt. Sie ist Projektkoordinatorin bei Eurodesk Deutschland, einem europäischen Informationsnetzwerk für Auslandsaufenthalte von Jugendlichen, das unter anderem vom Bundesfamilienministerium gefördert wird. Ein Grund für das große Angebot an Auslandsaufenthalten ist das wachsende Interesse der Abiturienten. Laut dem Schülerbarometer 2017 des Marktforschers Trendence wollen 28 Prozent der Schüler in Deutschland nach dem Abschluss ins Ausland. Die Gründe sind unterschiedlich: Die eine will möglichst viel von Land und Leuten sehen, der andere sich sozial engagieren oder bereits erste Erfahrungen fürs Studium suchen. Entsprechend groß ist die Zahl verschiedener Varianten.

Immer beliebter werden „Work and Travel“-Angebote sowie Freiwilligendienste, sagt Jane Jordan von der Initiative Auslandszeit. Die Initiative betreibt mehrere Webseiten, auf denen es genauere Informationen zu den verschiedenen Arten von Auslandsaufenthalten gibt.



Wer sich für einen Freiwilligendienst entscheidet, hat die Wahl zwischen diversen öffentlich geförderten Programmen – den Internationalen Jugendfreiwilligendienst, den Europäischen Freiwilligendienst, Programme wie Weltwärts oder Kulturweit oder das Freiwillige Soziale oder Ökologische Jahr, das sich auch im Ausland absolvieren lässt. Die Teilnahme an ihnen ist vergleichsweise günstig. „Dazu gibt es eine pädagogische Begleitung, mit Vorbereitungsseminaren zum Beispiel“, sagt Schmitt. Es gibt aber auch private Anbieter für Freiwilligendienste. Die Chance auf eine Teilnahme in solchen Programmen ist teils deutlich höher, zudem sind sie zeitlich flexibler – allerdings kosten sie dafür auch mehr.

Auch das Au-Pair-Jahr oder eine  Sprachreise bieten sich für einen Auslandsaufenthalt an. Ein Praktikum ist ebenso möglich – davon rät Natascha Schmitt aber eher ab. „Wir empfehlen, die erst im Rahmen von Berufsausbildung oder Studium zu machen. Nur mit Abitur fehlt den jungen Leuten eben noch das Fachwissen, um irgendwo richtig mitarbeiten zu können.“

Doch wie finden Abiturienten einen vertrauenswürdigen Anbieter? Eurodesk hat dafür eine Reihe von Kriterien aufgestellt. Ist die Organisation zum Beispiel Mitglied in einem Dachverband? Trägt sie ein Gütesiegel? Und woher kommt das? Auch das Alter der Organisation kann ein Anhaltspunkt sein, so Schmitt: Wer schon lange dabei ist, weiß vermutlich, was er tut. Jane Jordan empfiehlt reiselustigen Abiturienten außerdem, eine Art Checkliste für die Anbieter zu erstellen, mit allen wichtigen Fragen – und die dann zum Beispiel telefonisch oder per Mail zu stellen. So sammelt man nicht nur wichtige Infos, sondern fühlt der Organisation auch gleich auf den Zahn.

Egal, wofür man sich letztlich entschieden hat – ein Auslandsaufenthalt bedarf einer gründlichen Planung. „Als Faustregel würde ich immer empfehlen, ein Jahr vorher mit der Organisation zu beginnen“, sagt Natascha Schmitt. Etwas schneller gehe es bei Sprachreisen und anderen kürzeren Aufenthalten. Generell gelte aber: lieber etwas früher als etwas später. „So läuft man als Abiturient auch nicht Gefahr, dass man sich parallel zu den Prüfungen um alles kümmern muss“, erklärt die Expertin.