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Verkehr
Verkehrsexperten fordern Pflichttests für Autofahrer ab 75

Trier. Die Polizei in der Region registrierte im vergangenen Jahr fünf Prozent mehr Seniorenunfälle.

Ein 18-Jähriger wird in Bitburg bei einem Unfall verletzt, als er auf dem Gehweg von einem Wagen erfasst wird. Am Steuer sitzt eine 81-jährige Frau, die mit ihrem Auto von der Fahrbahn abgekommen ist. Ein 91-Jähriger fährt in Saarbrücken mit einem Auto in einen Supermarkt und verletzt mehrere Menschen, darunter auch seine Ehefrau, die ein paar Tage später an den Folgen stirbt. Es sind Meldungen wie diese, welche die Diskussion um die Fahreignung von Senioren wieder anheizen.

Die Verkehrswacht in Rheinland-Pfalz fordert, dass Autofahrer, die über 75 Jahre alt sind, regelmäßig ihre Tauglichkeit in Fahrschulen mit einer sogenannten Rückmeldefahrt testen lassen. Dabei wird von einem Fahrlehrer überprüft, ob der Senior noch in der Lage ist, sicher Auto zu fahren – ohne dass beim Nichtbestehen des Tests der Führerschein sofort entzogen wird. Je nach den dabei festgestellten Defiziten kann der Fahrlehrer raten, weniger mit dem Auto zu fahren oder es ganz stehen zu lassen.

Für jüngere Senioren empfiehlt der Geschäftsführer der Verkehrswacht, Andreas Opfermann-Hauch, solche Tests auf freiwilliger Basis und zusätzlich eine ärztliche Überprüfung der Seh-, Hör- und Reaktionsfähigkeit. Die Mehrheit der Deutschen befürwortet laut einer aktuellen Umfrage eine solche erneute Fahrtauglichkeitsprüfung ab einem gewissen Alter.



Die Polizei registrierte im vergangenen Jahr in der Region 4050 Unfälle, an denen Personen über 65 Jahre beteiligt waren, das sind rund fünf Prozent mehr als 2016.  An 1885 dieser Unfälle waren laut Polizeistatistik Personen beteiligt, die 75 Jahre und älter waren. Die Mehrzahl (70 Prozent) aller Seniorenunfälle wurde von den älteren Autofahrern verursacht.

Die allermeisten der 65- bis 70-Jährigen seien durchaus in der Lage, ihr Auto sicher durch den Verkehr zu steuern, „ohne eine Behinderung oder Gefährdung für andere darzustellen“, sagt Joachim Einig, Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Rheinland. Er ist dagegen, Senioren ab einem gewissen Alter generell den Führerschein zu entziehen. „Das ist, als ob man ihnen die Selbstständigkeit entzieht.“

Das sieht auch der Trierer Verkehrspsychologe Richard Tank so. „Senioren über 60 ist ihre Mobilität sehr wichtig.“ Zumal in der Region Einkaufs- oder Freizeitziele nicht mal gerade um die Ecke lägen. Es gebe keine allgemeingültigen Regeln, wann ein älterer Autofahrer den Führerschein abgeben sollte, sagt Tank. Es sei denn, der Senior verursache öfter Unfälle oder missachte regelmäßig die Vorfahrt.

Auch der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) setzt auf Freiwilligkeit statt auf Repression und verpflichtende Eignungstests.  Senioren sollten motiviert werden,  an Fahrsicherheitstrainings teilzunehmen, „um praxisnah zu erfahren, wie das eigene Auto in Extremsituationen reagiert“, erklärte der Minister gegenüber unserer Zeitung.

Zusätzlich sieht Wissing in der weiter fortschreitenden technischen Ausstattung der Autos – zum Beispiel Notbremsassistenten – einen Beitrag, „um die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer massiv zu erhöhen“.