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Verkaufszahlen erfreuen Hersteller
Gute Stimmung in der Caravan-Branche

 Der VW California kommt von Haus aus mit einem Camper-Aufbau.
Der VW California kommt von Haus aus mit einem Camper-Aufbau. FOTO: Michael Kirchberger
Kreuzwertheim. Noch nie wurden so viele Reisemobile verkauft wie in diesem Jahr. Dennoch haben die Hersteller mit Problemen zu kämpfen. Von Michael Kirchberger

Die Stimmung in der Caravaning-Branche ist ausgezeichnet. Die Hersteller haben bis Ende September dieses Jahres schon so viele Reisemobile verkauft, wie im gesamten Jahr 2018. 47 000 Fahrzeuge waren es, in diesem Jahr wird wohl die Rekordmarke von 50 000 Exemplaren fallen.

Aber Erfolg macht träge, sagt zumindest Peter Tischer, Inhaber des gleichnamigen Herstellers von Wohnkabinen für Pick-ups. „Wenn man nur damit beschäftigt ist, die Auftragsbücher abzuarbeiten, dann bleibt kaum Zeit, über die Zukunft nachzudenken und neue Ideen für die Technik zu entwickeln“, sagt der Branchenkenner. Dabei tun diese Ideen Not, denn die Herausforderungen sind vielfältig.

Der Wunsch vieler Kunden nach Vollausstattung steht gegen den Leichtbau, die Mobile werden immer schwerer. Die Gewichtsgrenze von 3,5 Tonnen zulässiger Gesamtmasse spielt aufgrund der steigenden Zahl jüngerer Führerscheininhaber jedoch eine große Rolle, die dürfen nur noch Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen bewegen. Fahrzeuge über dieser Grenze müssen in Urlaubsländern höhere Maut-Gebühren zahlen, das Lastwagen-Tempolimit von 80 Kilometern pro Stunde und das Überholverbot für LKWs gelten für Reisemobile über 3,5 Tonnen ebenfalls. Viele der Freizeitmanager wissen daher, dass in der Fahrzeugklasse über dieser Gewichtsgrenze bei der kommenden Kunden-Generation „nichts mehr geht“.



Auf der sicheren Seite sind da die neuen Camper von VW. Die beiden Crafter-Kastenwagen starten unterhalb der magischen Gewichtsgrenze als Grand California 600 mit einem Doppelquerbett im Heck, dem 177 PS/130 kW starken Vierzylinder-Diesel und Getriebe-Automatik für 54 990 Euro, der längere Grand California 680 bei gleicher Ausstattung und Längs-Einzelbetten hinten für 57 100 Euro. Dass der Crafter außerhalb des eigenen Modellprogramms nur selten als Reisemobilbasis zu sehen ist, liegt nach den Worten von VW-Vorstandschef Thomas Sedran wohl an der „bisweilen schwierigen Zusammenarbeit der Ausbauer mit VW“. Die Niedersachsen waren schon immer etwas eigen, wenn es um technische Freigaben ging.

Innovationsreich zeigt sich Knaus-Tabbert. Der Konzern ist neben der Hymer-Gruppe und Hobby der absatzstärkste Hersteller und baut den neuen Van TI Plus auf MAN-TGE-Basis, der als Modell 700 LF in Wagenmitte zwei in Fahrtrichtung angeordnete Sitze hat. Die lassen sich sehr einfach zum Doppelbett umbauen. Während der Fahrt dagegen bekommen sie mit aufblasbaren Luftpolstern an den Rändern von Sitzfläche und Rückenlehne eine dynamischere Kontur und bieten so wesentlich mehr Seitenhalt. Der 700 LF kostet 64 990 Euro, mit Allradantrieb steigt der Preis um 2350 Euro. Der MAN gehört zum VW-Konzern, der TGE ist der Zwillingsbruder des Crafter.

Kooperativer zeigt sich Daimler und unterstützt sogar Aus- und Aufbauer bei der Entwicklung neuer Reisemobile. Daher findet sich das Zugpferd der Marke, der Sprinter, zunehmend als Basisfahrzeug unter den rollenden Heimen. Ob bei La Strada mit Kompakt-Mobilen, Eura mit teilintegrierten Fahrzeugen oder Hymer in der Königsklasse der Integrierten. Der in Düsseldorf gebaute Transporter von Mercedes ist omnipräsent. Ein Manko wohnt ihm trotz aller fortschrittlichen Technik, kräftigen Motoren und einer begehrenswerten Automatik dennoch inne. Ihm fehlen in der Standardlänge rund sechs Zentimeter. Weshalb der Tisch an der Zweiersitzbank beim üblichen Innenausbau eines Kastenwagens während der Fahrt demontiert werden muss. Sonst ließe sich der Fahrersessel nicht weit genug nach hinten schieben, als dass jemand komfortabel hinterm Lenkrad Platz nehmen könnte.

Leichtbau-Caravans wie der Knaus Travelino und der Dethleffs Coco haben ihren eigenen Charme. Solche Wohnwagen wollen mit ihrer leichten und kompakten Bauweise punkten. Die Hersteller werben damit, dass die Leichtbau-Mobile besonders schmal und wendig seien. Der Coco kostet rund 18 000 Euro, wer das Komfortpaket Lounge haben möchte, zahlt nochmal 3000 Euro drauf.

Bei den Antriebskonzepten tun sich die Hersteller von Freizeitfahrzeugen dann wirklich schwer. Die Kosten für Elektroantrieb oder Hybridtechnik können sie nicht bewältigen. Dethleffs sucht daher die Nähe zu Ford und macht den Transit mit Hybridantrieb zum Campingbus. Ob die Kundschaft allerdings bereit ist, mehr als 60 000 Euro für einen solchen Camper zu zahlen, ist fraglich.

Ein wirkliches Elektromobil zeigte die Marke Iridium bereits Anfang des Jahres auf der Branchenmesse CMT in Stuttgart. Der Wagen ist sieben Meter lang und ziemlich teuer. Die im Boden verbauten Akkus sollen eine Reichweite von 300 Kilometer ermöglichen. Der Preis des teilintegrierten Fahrzeugs liegt bei 169 000 Euro. Obwohl angeblich serienreif, wurde bislang noch kein Modell dieses Typs auf den Stellplätzen gesichtet.

Die sind zu guter Letzt ein weiteres Hemmnis für engagierte Reisemobil-Kapitäne. Denn dort wo es schön ist, gibt es selten Platz für jemanden, der nach 15 Uhr herantrödelt. Wer sich nicht frühzeitig, am besten vor Mittag, einstellt, hat oft das Nachsehen und fragt sich, wie weit her es denn mit der vermeintlich grenzenlosen Freiheit ist, von der man bei der Anschaffung des teuren Urlaubsmobils träumte. Zwar gibt es allein in Deutschland zurzeit fast 5000 offizielle Übernachtungsplätze für Reisemobile, doch sind das angesichts der rasant steigenden Zulassungszahlen viel zu wenig.

 Der in Düsseldorf gebaute Mercedes Sprinter kommt immer öfter als Basisfahrzeug für Wohn- und Reisemobile zum Einsatz.
Der in Düsseldorf gebaute Mercedes Sprinter kommt immer öfter als Basisfahrzeug für Wohn- und Reisemobile zum Einsatz. FOTO: Michael Kirchberger
 Der Globevan, den Dethleffs und Ford bauen, fährt mit Hybridantrieb.
Der Globevan, den Dethleffs und Ford bauen, fährt mit Hybridantrieb. FOTO: Michael Kirchberger
 Der Hersteller Iridium stellte das erste Elektro-­Wohnobil vor.
Der Hersteller Iridium stellte das erste Elektro-­Wohnobil vor. FOTO: Michael Kirchberger