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gesund leben
Verfettung setzt die Bauchspeicheldrüse matt

 Eine Studie hat jetzt gezeigt, dass das sogenannte Intervallfasten auch der Bauchspeicheldrüse zugute kommt. Wasser, ungesüßter Tee und schwarzer Kaffee sind bei dieser Art des Fastens rund um die Uhr erlaubt.
Eine Studie hat jetzt gezeigt, dass das sogenannte Intervallfasten auch der Bauchspeicheldrüse zugute kommt. Wasser, ungesüßter Tee und schwarzer Kaffee sind bei dieser Art des Fastens rund um die Uhr erlaubt. FOTO: Getty Images/ istock / Morsa Images
Potsdam. Sammelt sich im Bauchraum viel Fett an, bildet sich langsam eine Fettleber. Doch auch die Bauchspeicheldrüse kann betroffen sein.

(np) Es ist bekannt, dass Intervallfasten die Empfindlichkeit der Körperzellen für das blutzuckersenkende Hormon Insulin verbessert und vor einer Fettleber schützt. Wissenschaftler vom Deutschen Instituts für Ernährungsforschung in Potsdam haben jetzt in Versuchen mit Mäusen herausgefunden, dass ein Intervallfasten auch eine Verfettung der Bauchspeicheldrüse verhindern kann.

Intervallfasten, auch intermittierendes Fasten genannt, bedeutet, in bestimmten Zeitfenstern auf Nahrung zu verzichten. Wasser, ungesüßter Tee und schwarzer Kaffee sind rund um die Uhr erlaubt. Je nach Methode dauern die Essenspausen zwischen 16 und 24 Stunden oder es werden innerhalb einer Woche an zwei Tagen höchstens 500 bis 600 Kalorien aufgenommen.

Die bekannteste Form des Intervallfastens ist die 16:8-Methode: An acht Stunden des Tages darf gegessen werden und die übrigen 16 Stunden wird gefastet. Eine Mahlzeit – meist das Frühstück oder auch das Abendessen – wird dabei ausgelassen.



Die Fettleber ist inzwischen eine häufige Krankheit. Wenig bekannt ist jedoch über die Fettansammlung in der Bauchspeicheldrüse, die ebenfalls eine Folge von Übergewicht ist. Zudem weiß die Wissenschaft noch wenig darüber, ob sich eine verfette Bauchspeicheldrüse auf den Ausbruch eines Typ-2-Diabetes auswirkt.

Das Forscherteam um Professorin Annette Schürmann und Professor Tim Schulz hat nachgewiesen, dass übergewichtige Mäuse, die anfällig für Diabetes sind, eine große Ansammlung von Fettzellen in der Bauchspeicheldrüse aufweisen. Mäuse, die trotz eines hohen Gewichts wahrscheinlich aufgrund ihres Erbguts gegen Diabetes gefeit sind, hatten hingegen kaum Fett in der Bauchspeicheldrüse, dafür aber in der Leber. Auch nicht alle adipösen Menschen leiden an Diabetes. „Es ist noch ein Rätsel, warum das so ist“, sagt Schürmann.

„Fettansammlungen außerhalb des Fettgewebes, zum Beispiel in Leber, Muskeln oder gar den Knochen, wirken sich negativ auf diese Organe und den gesamten Körper aus. Welchen Einfluss Fettzellen innerhalb der Bauchspeicheldrüse haben, war bisher nicht klar“, erklärt Schürmann.

Das Wissenschaftlerteam teilte die dicken, für Diabetes anfälligen Tiere in zwei Gruppen: Die erste Gruppe durfte so viel fressen, wie sie wollte. Die zweite Gruppe erhielt eine Intervallfasten-Kur. Einen Tag bekamen die Nager unbegrenzt Futter und am nächsten Tag bekamen sie nichts.

Nach fünf Wochen konnten die Forscher Unterschiede in den Bauchspeicheldrüsen der Mäuse sehen. In der Gruppe eins, die unbegrenzt futtern durfte, reicherten sich Fettzellen an. Die Tiere der Gruppe, die in Intervallen fasteten, hatten hingegen kaum Fetteinlagerungen in der Bauchspeicheldrüse.

Um herauszufinden, ob Fettzellen die Funktion der Bauchspeicheldrüse beeinträchtigen können, isolierten die Wissenschaftler erstmals Fett-Vorläuferzellen aus der Bauchspeicheldrüse von Mäusen und ließen sie zu reifen Fettzellen heranwachsen. Anschließend wurden die reifen Fettzellen im Labor mit den Langerhans-Inseln der Bauchspeicheldrüse zusammengebracht.

Die Langerhans-Inseln, auch Inselzellen oder Langerhans’sche Inseln genannt, sind inselartig eingebettete Ansammlungen von Zellen in der Bauchspeicheldrüse, die die Höhe des Blutzuckers registrieren und Hormone bilden. In erster Linie handelt es sich um Glukagon und Insulin, die den Blutzuckerspiegel regulieren. Ein gesunder Erwachsener hat etwa eine Million Langerhans-Inseln. Jede hat einen Durchmesser von 0,2 bis 0,5 Millimeter.

Es stellte sich heraus, dass das Zusammentreffen der Fettzellen und der Inseln dazu führte, dass die Beta-Zellen der Inseln verstärkt Insulin freisetzten. Die Beta-Zellen, die das blutzuckersenkende Hormon Insulin herstellen, machen etwa 65 bis 80 Prozent der Inselzellen aus. Sie geben bei einem erhöhten Blutzuckerspiegel Insulin ins Blut ab, damit sich dieser wieder normalisiert.

Wenn eine Verfettung der Bauchspeicheldrüse dazu führt, dass ständig verstärkt Insulin ausgeschüttet wird, könnte die Drüse dadurch überlastet werden. „Wir vermuten, dass durch die erhöhte Insulinfreisetzung die Langerhans-Inseln von diabetesanfälligen Tieren schneller erschöpfen und nach einiger Zeit ihre Funktion ganz einstellen. Auf diese Weise könnte Fett in der Bauchspeicheldrüse zur Entstehung des Typ-2-Diabetes beitragen“, sagt Schürmann.

Die aktuellen Daten lassen vermuten, dass zur Vorbeugung eines Typ-2-Diabetes nicht nur das Leberfett gesenkt werden sollte. „Möglicherweise trägt gerade die Fettansammlung in der Bauchspeicheldrüse unter bestimmten genetischen Voraussetzungen entscheidend zur Entwicklung eines Typ-2-Diabetes bei“, sagt Tim Schulz, Leiter der Abteilung Fettzell-Entwicklung und Ernährung. Als vielversprechender Therapieansatz könnte zukünftig Intervallfasten zum Einsatz kommen. Es lässt sich meist leicht in den Alltag integrieren und kommt ohne Medikamente aus.

 Die Bauchspeicheldrüse, hier ocker‑ farben hervorgehoben, liegt quer im oberen Bauch. Sie produziert das Hormon Insulin.
Die Bauchspeicheldrüse, hier ocker‑ farben hervorgehoben, liegt quer im oberen Bauch. Sie produziert das Hormon Insulin. FOTO: Getty Images/ iStockphoto / sankalpmaya
 Die Aufnahme zeigt Fettzellen (weiß) und Langerhans-Inseln (schwarze Pfeile) in der Bauchspeicheldrüse einer übergewichtigen Maus.
Die Aufnahme zeigt Fettzellen (weiß) und Langerhans-Inseln (schwarze Pfeile) in der Bauchspeicheldrüse einer übergewichtigen Maus. FOTO: Deutsches Institut für Ernährungsforschung