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Dilletant und Trump-Fan?
US-Polizei rätselt weiter über Motivation des Briefbombers

Washington. Auch wenige Tage nach der Festnahme eines Verdächtigen hält die Briefbombenserie die USA weiter in Atem. Viele Kommentatoren sehen in den Taten des mutmaßlichen Absenders Cesar Sayoc ein Symbol für die aufgeheizte und vergiftete politische Atmosphäre in den USA vor den Zwischenwahlen. ap/dpa

Die 14 Briefbomben waren an prominente Kritiker von US-Präsident Donald Trump wie Ex-Präsident Barack Obama, die ehemalige demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton oder Schauspieler Robert De Niro verschickt worden, von denen aber keiner verletzt wurde. Die braunen gefütterten Umschläge waren mit sechs Briefmarken mit der amerikanischen Flagge frankiert und enthielten ein PVC-Rohr, eine Uhr, Batterie und Drähte und hätten nach Einschätzung der Ermittler bei Reibung oder Hitze zumindest zum Teil explodieren können. In einigen waren aber auch nur das Foto der Zielperson mit einem roten X und Batterien und Uhren, die aber nicht mit einem Zünder verbunden war. Fraglich war, ob diese vermeintlichen Bomben einfach nur dilettantisch gebaut waren oder gar nie hätten explodieren sollen.

Auf die Schliche kamen die Ermittler dem 56-jährigen Sayoc, weil er in seiner Sendung an Obama ein DNA-Spur und in einer an die Abgeordnete Maxine Waters einen Fingerabdruck hinterließ, der wegen einer Vorstrafe bei den Behörden in Florida hinterlegt war. Zudem hatte er Namen auf den Umschlägen ebenso falsch geschrieben wie in Online-Postings, die ihn darüber hinaus als klaren Anhänger Trumps entlarvten. Ihn besuchte er offenbar auch bei mehreren Wahlkampfauftritten.



Der Verdächtige wurde schließlich in Aventura in Florida festgenommen, wo er offenbar in seinem Wagen wohnte. Über Sticker auf dem Auto und Posts in sozialen Medien hatte er unter anderem gegen den Milliardär George Soros gewettert, an den auch eine Briefbombe ging. Gegen Sayoc wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, kommende Woche soll er einem Richter vorgeführt werden. Dann könnten weitere Details zu den Beweggründen des laut CNN eingetragenen Republikaners öffentlich werde. Seine frühere Arbeitgeberin, die ihn als Pizza-Fahrer beschäftigt hatte, sagte dem „Boston Globe“: „Er hat täglich schwulenfeindliche, antisemitische und schwarzenfeindliche Rhetorik ausgespuckt.“

Trump sagte, er wisse zwar, dass der mutmaßliche Täter ein Anhänger sei, doch treffe ihn keinerlei Schuld. Auch an seiner Rhetorik werde er nichts ändern, maximal würde er sie noch verschärfen. Gleichzeitig betonte Trump aber auch, politische Gewalt dürfe in den USA keine Wurzeln schlagen. „Diese terrorisierenden Aktionen sind abscheulich.“