| 23:21 Uhr

Russland und der G20-Gipfel
Putin ist in Hamburg im Vorteil gegenüber Trump

Moskau. Die russische Öffentlichkeit interessiert vor allem eins: Kommen sich US- Präsident Donald Trump und Kremlchef Wladimir Putin beim G20-Treffen in Hamburg näher? Sollte vielleicht sogar eine Wiederholung des George-W.-Bush-Erlebnisses möglich sein? 2001 erlebte der Ex-Präsident beim ersten Zusammentreffen mit dem jungen Kremlchef in Slowenien eine Eingebung: tiefes Vertrauen stellte sich ein nach einem langen Blick in Wladimir Putins Augen. Klaus-Helge Donath

Moskau. Die russische Öffentlichkeit interessiert vor allem eins: Kommen sich US- Präsident Donald Trump und Kremlchef Wladimir Putin beim G20-Treffen in Hamburg näher? Sollte vielleicht sogar eine Wiederholung des George-W.-Bush-Erlebnisses möglich sein? 2001 erlebte der Ex-Präsident beim ersten Zusammentreffen mit dem jungen Kremlchef in Slowenien eine Eingebung: tiefes Vertrauen stellte sich ein nach einem langen Blick in Wladimir Putins Augen.

Der Klimaschutz des G20-Gipfels wird in Moskau denn auch noch etwas breiter ausgelegt. Könnte die Abkühlung des russisch-amerikanischen Verhältnisses nicht doch noch aufzuhalten sein? Und lässt sich der gesprächsbereite und moskaufreundliche Donald Trump nicht doch noch als nützlicher Partner des Kreml einspannen?

Jede Annäherung ist durch den russischen Eingriff bei den US-Wahlen im letzten Jahr und Kontakten des Trump-Teams zu russischen Stellen automatisch dem Verdacht ausgesetzt, der US Präsident und Moskau verfolgten eine geheime Agenda. Beide Staatschefs wollten eigentlich die Beziehungen verbessern, erreichten jedoch das Gegenteil. Putin und Trump erwiesen sich als kurzsichtige Taktiker nicht als weitsichtige Strategen.



Als die US-Zeitung „Washington Post“ vor kurzem offenlegte, dass Wladimir Putin den Eingriff in die US-Wahlen angeblich persönlich angeordnet hatte, verschärfte sich die Auseinandersetzung noch zusätzlich. Ex-Präsident Barack Obama soll danach das Placet gegeben haben, „Cyberbomben“ im russischen System zu platzieren, um jeder Zeit zurückschlagen zu können.

Davon erfährt der russische Bürger in den staatlichen Medien nichts. Auch die Zeit ist vorbei, als TV-Zuschauer noch über jeden Winkelzug amerikanischer Innenpolitik und Leistungen der Trump-Mannschaft auf dem Laufenden gehalten wurden. Dennoch, Moskau hofft noch immer, mit Trump ins Boot steigen und den G20-Gipfel dafür nutzen zu können. Dem angeschlagenen Trump baut der Kreml immer wieder Brücken. Die Hoffnung auf ein gemeinsames Geschäft ist in Russland noch lebendig. Auch das Wissen darum, für die schwindenden Chancen selbst verantwortlich zu sein.

Laut Trumps Sicherheitsberater McMaster fehlt dem Präsidenten für das Treffen mit Putin noch ein detaillierter Fahrplan. Für Russland wäre das von Vorteil. Wladimir Putin wuchs als ehemaliger KGB-Geheimdienstler mit dem Gegner USA auf. Die Agenten sogen den Gegner bis in die letzten Fibern in sich auf. Bis heute sind die USA Russlands zweite Haut und bestimmen als Gegner und heimliches Vorbild immer noch Moskaus politische Agenda. Kurzum: die Vereinigten Staaten sind Moskaus Obsession, die sich überdies auch in der ausführlichen Berichterstattung niederschlägt.

Putin ist Trump gegenüber daher im Vorteil. Der Kremlchef wird bestens vorbereitet sein und versuchen, den US-Präsidenten für sich zu gewinnen. So wie es ihm mit George W. Bush in Slowenien gelungen war. Trump ist sprunghaft, Putin geht nach Plan und Kalkül vor. Diese Aussichten beunruhigen nicht nur US-Außenpolitiker. Für das heimische Publikum wird der Russe Moskaus vermeintlich neue Größe inszenieren. Anders der Amerikaner, der mit Rückzug aus internationalem Engagement und großen Vorhaben an der heimischen Arbeitsfront zu Hause punkten möchte.

Mit diesen gegensätzlichen Konzepten glaubten beide anfangs, noch ein tragbares Fundament für Gemeinsamkeiten legen zu können. Inzwischen forderte Trump sein Sicherheitsteam auf, nach „gemeinsamen Arbeitsbereichen“ mit Russland zu suchen. Gleichzeitig trug er ihm aber auch auf, Paroli zu bieten und Konflikte zu verhindern, wo Russland – wie auf dem Balkan – Unruhe stiftet.