| 20:11 Uhr

Glosse
Schöne neue Geldwelt

Von Pia Rolfs

Ich kann nicht zahlen“, war früher ein Zeichen von Monatsende, Pleite oder Schnorrertum. In der schönen neuen Geldwelt allerdings kann es auch bedeuten: Ich habe keine Kraft mehr für moderne Bezahlvorgänge.

So ging früher jemand zur Bankfiliale und gab seine Überweisung ab – geschätzter Zeitaufwand zwischen zehn Minuten und einer Stunde. Heute muss er beim Online-Banking alle 90 Tage bestätigen, dass er tatsächlich er selbst ist. Bei der Überweisung braucht der Tan-Generator manchmal eine halbe Stunde, bis ihm die Lichtverhältnisse behagen. Und wer stattdessen mit Kreditkarte zahlen will, stößt auf Folgendes: Er hätte sich bei einem Sicherheitssystem anmelden müssen, wo ihm innerhalb von vier Tagen ein neues Passwort zugeschickt wird. Vier Tage! In diesen Zeiträumen könnte ein Kunde alle Filialen der Stadt mit Papierüberweisungen abklappern oder den Weg zur nächsten Zweigstelle damit pflastern. Wenn es noch genügend gäbe.

Die Zeitersparnis ist also im Grunde eine Milchmädchenrechnung. Und das Schlimme ist: Wie die bezahlt werden soll, weiß wirklich niemand.