| 20:52 Uhr

Währungsturbulenzen
Türkei rückt in Krise wieder näher an Deutschland

Istanbul. Angesichts der massiven Währungsturbulenzen hofft die Türkei auf das Engagement finanzstarker Investoren. Vier Tage nachdem die türkische Landeswährung Lira wegen des Streits mit den USA auf historische Tiefstände gefallen war, sprach Finanzminister Berat Albayrak gestern in einer Telefonkonferenz mit Tausenden ausländischen Investoren. dpa

Katar hatte bereits Milliarden-Investitionen zugesagt. Märkte und Investoren hatten nervös reagiert, nachdem der Streit zwischen der Türkei und den USA über das Schicksal eines in der Türkei festgehaltenen US-Pastors eskaliert war.

Albayrak telefonierte nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu auch mit seinem deutschen Kollegen Olaf Scholz (SPD). Scholz habe demnach betont, dass eine starke türkische Wirtschaft wichtig für Deutschland und Europa sei.

Am 21. September wollen Albayrak und Scholz in Berlin zusammentreffen. Vermutlich geht es dabei um die Vorbereitung des Staatsbesuchs von Präsident Recep Tayyip Erdogan Ende September. Die Währungskrise sowie die scharfe Auseinandersetzung mit den USA scheint die Türkei näher an Europa und vor allem Deutschland heranzurücken. Albayrak habe Scholz für die Unterstützung Deutschlands gedankt, berichtete Anadolu weiter.



Noch im vergangenen Jahr war das deutsch-türkische Verhältnis unter anderem wegen der Inhaftierung mehrerer Deutscher in der Türkei zerrüttet gewesen. Die Festnahmen gehen allerdings weiter. Wie gestern bekannt wurde, war am Mittwoch ein weiterer Deutscher in Haft gelandet. Ihm werde vorgeworfen, über soziale Medien Propaganda für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK verbreitet zu haben, sagte sein Anwalt Ercan Yildirim. Nach Recherchen des NDR stammt der Mann mit kurdischen Wurzeln aus Hamburg.