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Deutschland-Tour
Trikot zerfetzt, aber die Knochen heil

Koblenz. Der deutsche Radsport-Meister Pascal Ackermann fiebert der Rückkehr der Deutschland-Tour entgegen. dpa

Am Montag saß Pascal Ackermann schon wieder auf dem Rad und drehte eine Trainingsrunde. Noch am Tag zuvor hatte der deutsche Radprofi vom Team Bora-hansgrohe bei der 23. Auflage der Cyclassics unliebsamen Kontakt mit dem Hamburger Asphalt gemacht. „Ich habe einige Hautabschürfungen, aber es sieht aus, als könnte ich bei der Deutschland-Tour an den Start gehen“, erklärte die neue deutsche Sprint-Hoffnung aus dem pfälzischen Kandel nach dem Rennen in der Hansestadt und gab eine erste Entwarnung: „Es tut zwar alles weh, aber die Knochen scheinen heil zu sein.“

Knapp zwei Kilometer vor dem Ziel war Ackermann in aussichtsreicher Position liegend nach einer Welle zu Fall gekommen und musste seine Hoffnungen auf einen Sieg bei dem World-Tour-Rennen begraben. Mit zerfetztem Trikot und runterhängendem Arm rollte er letztlich mit 2:49 Minuten Rückstand auf den italienischen Sieger Elia Viviani über den Zielstrich.

Für die morgen beginnende Neuauflage der deutschen Landesrundfahrt, die in Koblenz beginnt und am Sonntag nach 737,5 Kilometern in Stuttgart endet, hat sich Ackermann entsprechend viel vorgenommen. „Beim Comeback der Deutschland-Tour im Meistertrikot zu fahren, ist wirklich eine große Ehre für mich. Vor allem die erste Etappe habe ich mir ganz dick im Kalender angekreuzt“, sagte er. Zuletzt fand die Deutschland-Tour im Jahr 2008 statt, wurde aber nach den Dopingskandalen zahlreicher Radprofis aufgrund mangelender medialer Aufmerksamkeit und Werbewirkung eingestampft.



„Für mich hat das Rennen einen hohen Stellenwert. Wir schauen einfach mal, was für uns als Team rausspringt“, sagte Ackermann, der in seinem zweiten Profijahr den etablierten deutschen Topsprintern Marcel Kittel, André Greipel und John Degenkolb gehörig Konkurrenz macht. Bereits fünf seiner sechs Saisonsiege konnte Ackermann in diesem Jahr bei WorldTour-Rennen einfahren – drei davon im Meistertrikot, das er sich Ende Juni im südhessischen Einhausen souverän sichern konnte.

Ein Leidtragender von Ackermanns Sturz in Hamburg war Degenkolb, der dadurch seine Sprintvorbereitung unterbrechen musste und letztlich als Vierter ins Ziel sprintete. Einen Vorwurf wollte der Tour-de-France-Etappensieger seinem jungen Kollegen aber nicht machen. „Er ist ja noch jung und steht jetzt viel unter Druck, da kann so ein Fehler natürlich einmal passieren“, sagte der 29-Jährige.

Auf Tour-de-France-Etappensieger Degenkolb werden die deutschen und auch die saarländischen Radsport-Fans (die dritte Etappe am Samstag endet in Merzig) als wohl einzigen der deutschen Hochkaräter verzichten müssen. Sein Rennstall Trek-Segafredo startet nicht bei der Deutschland-Tour. „Das Team hat sich für ein anderes Restprogramm entschieden, daher werde ich schweren Herzens nicht teilnehmen können“, sagte der gebürtige Thüringer. Stattdessen wird Degenkolb am Sonntag beim französischen Grand Prix de Plouay in der Bretagne versuchen, seinen vierten Saisonsieg einzufahren.