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Umweltprojekt an der Schule am Webersberg
Tierschutz hat großen Stellenwert

Ganz gleich welchen Förderbedarf ein Kind der Schule am Webersberg hat, der Umgang mit den Schafen vermittelt auf nachhaltige und vielfältige Art Wissen und Erleben in unterschiedlichster Form.
Ganz gleich welchen Förderbedarf ein Kind der Schule am Webersberg hat, der Umgang mit den Schafen vermittelt auf nachhaltige und vielfältige Art Wissen und Erleben in unterschiedlichster Form. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Förderschule am Webersberg wurde für besonderes Projekt ausgezeichnet. Erster Platz in Landeswettbewerb. Von Thorsten Wolf

Nein, so ganz geheuer ist der kleinen Schafherde der ganze Auftrieb nicht, der da am Mittwochmorgen vor ihrem Gehege stattfindet. Statt der Schüler der Schule am Webersberg, die sich sonst um sie kümmern, steht eine ganze Schar von Politikern, Lehrern, Vertretern anderer Schulen und der Homburger Verwaltung vor dem Elektrozaun. Sich füttern lassen? Fehlanzeige. Sich streicheln lassen? Auch nicht. „Schafe haben eben ihren eigenen Kopf“, lacht Julia Leis, Förderschullehrerin an der Schule am Webersberg und die eigentliche Besitzerin der Tiere. Und so scheitert auch der Versuch von Saar-Umweltminister Reinhold Jost, den Tieren nahe zu kommen, egal wie weit er den Schafen im Gehege auch hinterher stapft. „Das wird wohl nichts mehr mit dem Foto“, kommentiert einer der offiziellen Fotografen mit einem Grinsen die Szene. Doch Jost muss sich nicht grämen, eine Viertelstunde zuvor hatte er seinen Auftritt vor der Presse – als er die Schule am Webersberg mit dem ersten Platz im Landeswettbewerb „Jugend-Tierschutzpreis des Saarlandes“ auszeichnete. So nimmt Jost die lässige Abfuhr der Schafe sichtlich gelassen.

Dass die Tiere sich an diesem Morgen eher weniger presse- und fotofreundlich zeigen, das ändert nichts an der Tatsache, dass sie und die Schülerinnen und Schüler der Schule am Webersberg die eigentlichen Stars sind, denn: Eben für das Projekt, bei dem die Jungen und Mädchen anhand der kleinen Herde viel über Tierschutz, Tierwohl und Tiernutz lernen, die Schafe hegen und pflegen und so auch viel über sich selbst erfahren, war der Ausschlag für die Auszeichnung durch den saarländischen Umweltminister. Nun sind Schafe auf dem schuleigenen Gelände schon an sich etwas eher Ungewöhnliches.

Aber auch die Schule am Webersberg ist etwas ganz Besonderes, handelt es sich doch bei ihr um eine staatliche Förderschule für körperliche und motorische Entwicklung. Unterrichtet werden sowohl Kinder und Jugendliche mit schweren mehrfachen Behinderungen als auch solche, die zum Hauptschulabschluss geführt werden. Mit dem Schaf-Projekt und vor diesem Hintergrund der sehr unterschiedlichen Ausgangssituationen der Schülerinnen und Schüler gelingt es, an einem gemeinsamen Lern-Objekt, nämlich den Schafen, unterschiedliche Lern- und Lehrziele zu erreichen. Mal geht es um Tasten, Fühlen, Riechen und buchstäbliches Begreifen der Tiere, mal um ihren Nutzen für den Menschen – alles unter den Vorzeichen von Tierschutz und Tierwohl. Angefangen hat das Projekt vor den Osterferien, da zogen die ersten vier Schafe in die Schule am Webersberg ein. Und damit begann für die Schüler und das Lehrerteam auch die Arbeit mit den Tieren: Es wurde eine Futterstelle gebaut, Routinen für die Pflege und Versorgung geschaffen. Wie das aussieht, davon können sich die ungewohnten Gäste am Mittwoch vor Ort ein Bild machen, unter der Anleitung von Julia Leis zeigen die Jungen und Mädchen, wie es so läuft mit der Betreuung der Tiere. Eine halbe Stunde zuvor schildert Schulleiter Stefan Friderich anlässlich der zentralen Feierstunden der Preisverleihung, dass im Konzept der ganzheitlichen Förderungen und schulischen Ausbildung in der Schule am Webersberg ganz aktuell die Themen Tierschutz und Tierwohl einen großen Stellenwert haben.



Das Projekt mit den Schafen werde, ebenso wie ein weiteres mit Bienen, von den Schülen „genauestens beobachtet und begleitet.“ Möglich sei ein solches Engagement aber nicht nur durch die Kinder selbst, sondern auch durch den Einsatz von Kollegen aus der Lehrerschaft, „denn die Haltung von Tieren ist sehr zeitintensiv.“ Friderich betont auch den ganzheitlichen Lehr-Ansatz der beiden Tier-Projekte als Ausdruck der individuellen Förderung der Schüler. „Für viele unserer Schüler ist Lesen, Schreiben und Rechnen wesentlicher Teil des Unterrichts, für andere Schüler steht die Erkundung des eigenen Körpers und der nahen Umgebung im Vordergrund.“

Gerade die beiden Projekte mit Schafen und Bienen böten hier, so Friderich, die Möglichkeit, auf ganz verschiedenen Ebenen ganzheitlich und fächerübergreifend Inhalte zu vermitteln. „So schaffen wir Wissen für all unsere Schüler. Und diese lernen ganz individuell mehr über unsere komplexe Welt.“