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Wissen
Tiere sind als Erdbebenwarner nicht zuverlässig genug

Potsdam. (np) Das heftigste jemals registrierte Erdbeben mit der Stärke 9,5 ereignete sich im Jahr 1960 bei Valdivia in Chile. Es löste eine Riesenwelle aus, die durch den gesamten Pazifik lief und noch im Tausende Kilometer entfernten Japan 200 Menschen tötete, berichtet die Universität Innsbruck. Insgesamt sollen damals über 1600 Menschen durch die Erdstöße ums Leben gekommen sein. Seit Jahrzehnten versuchen Geowissenschaftler solche Beben vorherzusagen. Doch bisher wissen die Forscher noch nicht einmal sicher zu sagen, wo sich Erdbeben regelmäßig wiederholen können oder ob es sich immer um zufällige Ereignisse handelt.

(np) Das heftigste jemals registrierte Erdbeben mit der Stärke 9,5 ereignete sich im Jahr 1960 bei Valdivia in Chile. Es löste eine Riesenwelle aus, die durch den gesamten Pazifik lief und noch im Tausende Kilometer entfernten Japan 200 Menschen tötete, berichtet die Universität Innsbruck. Insgesamt sollen damals über 1600 Menschen durch die Erdstöße ums Leben gekommen sein. Seit Jahrzehnten versuchen Geowissenschaftler solche Beben vorherzusagen. Doch bisher wissen die Forscher noch nicht einmal sicher zu sagen, wo sich Erdbeben regelmäßig wiederholen können oder ob es sich immer um zufällige Ereignisse handelt.

Bei der Suche nach Vorhersagetechniken ist das Geoforschungszentrum (GFZ) Potsdam nun folgender Frage nachgegangen: Können Tiere vor Erdbeben warnen? Es gab in der Vergangenheit immer wieder Berichte über Hühner, Schafe und Hunde, die sich vor einem großen Beben merkwürdig verhielten. Ein Team um den GFZ-Seismologen Heiko Woith hat dazu weltweit  700 Beobachtungen auffälligen Verhaltens von Tieren vor 160 Erdbeben ausgewertet.

Berichte über auffälliges Benehmen seien zahlreich, doch für eine wissenschaftlich exakte Analyse brauche es mehr. „Wir haben 180 entsprechende Studien genauer angeschaut und untersucht, ob es einen statistischen Zusammenhang zwischen der seismischen Aktivität und dem Verhalten von Tieren gibt.“ Die Forscher nahmen Berichte über Schafe, Ziegen, Schlangen und Fische aus den Jahren 2000 bis 2012 unter die Lupe. Diese Aufzeichnungen stammten in der Mehrzahl aus den Erdbebenländern Neuseeland, Japan, Italien und Taiwan.



Die Potsdamer Wissenschaftler betrachteten Erdbeben ab der Stärke sechs und sahen nach, ob es im Umkreis von 100 Kilometern binnen 60 Tagen Vorbeben gegeben hatte. Die Analyse habe ergeben, dass die Verteilung der Minibeben Ähnlichkeiten mit den Berichten über auffälliges Verhalten von Tieren hatte, sagt Woith. „Wir gehen davon aus, dass zumindest ein Teil der Fälle, wo Tiere als Erdbebenwarner gehandelt werden, als Reaktion auf Vorbeben zu verstehen sind.“ Doch wissenschaftlich exakte Aussagen zu diesem Thema ließen die Berichte nicht zu.

Die Antwort auf die Frage, ob Tiere als Erdbebenwarner genutzt werden können, lässt sich damit frei nach Radio Eriwan nur mit einem „Im Prinzip ja,...“ beantworten. Sichere Vorhersagen zu Ort, Zeitpunkt und Stärke eines Bebens ließen sich nach heutigem Wissen von gackernden Hühnern, unruhigen Pferden oder blökenden Schafen jedoch nicht ableiten.