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Reise
Strandsegeln an der belgischen Nordseeküste

Beim Strandsegeln fahren die Sportler in einem Fahrzeug auf Rädern über den Sand. Angetrieben wird das Gefährt ausschließlich mit Windenergie. Im belgischen De Panne sollen bereits Ende des 19 Jahrhunderts die ersten Strandsegler gesichtet worden sein.
Beim Strandsegeln fahren die Sportler in einem Fahrzeug auf Rädern über den Sand. Angetrieben wird das Gefährt ausschließlich mit Windenergie. Im belgischen De Panne sollen bereits Ende des 19 Jahrhunderts die ersten Strandsegler gesichtet worden sein.
dE pANNE . Der Ort De Panne hat sich seit Ende des 19. Jahrhunderts vom abgelegenen Fischerdorf zum beliebten Ferienort gemausert. Von Bernd F. Meier

Entspannen, wandern, radeln, die Natur genießen, Kultur erleben – an der belgischen Küste ist vieles möglich. Wer in ihre Geheimnisse eintauchen will, trifft sich am besten mit einem der 50 sogenannten Coastgreeter. Das sind so etwas wie Fremdenführer im Ehrenamt.

Nach Europa kam die Idee der Greeter aus den USA. Die New Yorkerin Lynn Brooks hatte dort 1992 den Verein der Big Apple Greeter gegründet, mit dem Ziel, das damals schlechte Ansehen der Millionenstadt durch die ehrenamtliche und persönliche Betreuung der Touristen zu verbessern. Mittlerweile sind in der Metropole am Hudson River mehr als 300 freiwillige Fremdenführer mit Touristen unterwegs.

An der belgischen Küste gibt es die Greeter seit 2015, und Bernard Staelens in De Panne ist einer von ihnen. „Mit einem Coastgreeter verabredet man sich über die Internetseite“, berichtet der pensionierte Apotheker. Treffpunkt ist meistens an einem zentralen Ort, in De Panne am Rathaus. Die Führungen der Coastgreeter sind kostenlos.



Staelens führt seine Gäste oft ins Dumontviertel, und damit direkt ins Zentrum der Geschichte des Badeortes. Zwei Stunden dauern seine Touren meist. „Aber es können auch mal sechs Stunden werden“, berichtet der 67-Jährige mit einem verschmitzten Lächeln. „Wenn man unterwegs einkehrt, um ein Bier zu trinken. Und dann noch eines, und dann ans Erzählen kommt.“

Die allermeisten Touristen reisen zum Baden in der Nordsee nach De Panne. So wie die ersten Gäste, die von Antwerpen, Brügge und Brüssel an die Küste kamen. „1910 hatte unser Örtchen bereits 3000 Einwohner und es gab 60 Hotels und Fremdenpensionen“, weiß Staelens. Der Aufschwung kam mit den Architekten Albert und Alexis Dumont. Die Dumonts entwarfen zwischen 1892 und 1913 den Bebauungsplan für die Dünen von De Panne: Noble Villen wurden behutsam in die sandige Landschaft gebaut.

„Die Dumonts haben die Häuser im englischen Cottage-Stil errichten lassen“, erläutert Coastgreeter Staelens beim Rundgang durch das beschauliche Viertel. Einst gab es 300 Villen, von denen auch heute noch so manche im Originalzustand erhalten ist. Seit 1995 ist das Viertel denkmalgeschützt.

Heute mutet das Dumontquartier in De Panne fast wie aus der Zeit gefallen an: Hingeklotzte Appartementblocks am Dünengürtel bestimmen das Bild des Badeortes, der auch zum Revier sportlicher Strandsegler wurde.

Der weite Sandstrand ist hier auf 20 Kilometer Länge, anders als in den anderen Küstenorten in Belgien, besonders hart. Bereits 1898 wurden die ersten Strandsegler in De Panne gesichtet. Unter den Einheimischen galt Strandsegeln in dem abgelegenen Fischerdorf damals noch als elitärer Sport nobler Badegäste.

Doch die neue Sportart etablierte sich, im Sommer 1909 wurden bereits die ersten Wettfahrten veranstaltet, erfährt man heute im Clubheim der schnellen Flitzer am Dünenrand. Heutzutage gibt es rund 1000 aktive Strandsegler mit etwa 250 Segelwagen. Zwei Clubs halten in De Panne das Vereinsleben aufrecht, so etwa der Royal Sand Yacht Club. 20 Stunden dauert die Ausbildung bis zum „Strandsegler-Führerschein“, erklärt Ausbilder Dezeure.

Von April bis in den November hinein sind die Strandsegler in De Panne zu beobachten. Wen das Spiel mit dem Wind der Nordsee einmal gepackt hat, der kommt davon nicht mehr los. „Ein bisschen Talent und Mut gehören natürlich dazu.“ Aber wenn man beides hat, dann sei Strandsegeln so leicht wie Fahrrad fahren, sagt Dezeure voller Überzeugung.