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Biathlon-WM
„Eine Medaillenzahl werde ich bewusst nicht nennen“

 Bernd Eisenbichler ist seit April 2019 sportlicher Leiter Biathlon des Deutschen Skiverbandes.
Bernd Eisenbichler ist seit April 2019 sportlicher Leiter Biathlon des Deutschen Skiverbandes. FOTO: dpa / Sven Hoppe
Antholz. Der sportliche Leiter der deutschen Biathleten steht vor seiner ersten Weltmeisterschaft und will den Athleten nicht zu viel Druck machen. dpa

Seit April 2019 ist Bernd Eisenbichler der sportliche Leiter der deutschen Biathleten. Zuvor war der 44-Jährige aus dem bayerischen Siegsdorf 20 Jahre lang bei den US-Biathleten zuständig. Seine Arbeit in den USA krönte er 2017 bei der Hochfilzen-WM mit dem Titel für Lowell Bailey und dem Silber für Susan Dunklee. Nun steht er bei der Weltmeisterschaft in Antholz vor seiner ersten großen Bewährungsprobe. Eine Medaillenvorgabe will er nicht machen.

Herr Eisenbichler, ihre ersten Monate als sportlicher Leiter der Biathleten haben Sie hinter sich. Haben Sie Ihren Job mit anderen Erwartungen begonnen?

BERND EISENBICHLER Ich habe natürlich die letzten Jahre die Situation im Deutschen Skiverband beobachtet. Das macht man zwangsläufig, wenn man als Deutscher im Ausland arbeitet. Aber was einen im Endeffekt erwartet, wenn man in ein System reinkommt, das ist ein Stück weit schwer vorauszusehen.



Was war Ihnen denn wichtig?

EISENBICHLER Ich war die ersten Monate extrem viel unterwegs, um alle Leute, die im Biathlon-System arbeiten, kennenzulernen. Ich habe die Stützpunkte besucht, um dort vor Ort zu sehen, wo man ansetzen kann, wo eventuelle Verbesserungen nötig sind. Von daher war es eine Bestandsaufnahme, um sich ein Bild zu machen: Wie ist die Ausgangslage? Was muss man vielleicht nach einem Jahr für den neuen Olympia-Zyklus verändern?

Nach dem Rücktritt von Laura Dahlmeier ist Denise Herrmann gefordert. Kann sie diese Rolle ausfüllen?

EISENBICHLER Wie sie die Rolle annimmt, wie sie versucht, sich jeden Tag zu verbessern, ist einfach bemerkenswert. Sie ist eine Vorbild-Sportlerin, es macht extrem Spaß, mit ihr zu arbeiten. Sie ist sehr fordernd an sich selbst, wenn es darum geht, sich zu verbessern. Man muss sich bei ihr immer wieder vor Augen halten, dass sie den Sport noch nicht so wahnsinnig lange macht. Dafür ist sie wirklich sehr konstant, ist Vierte im Gesamtweltcup. Sie steht im Fokus und meistert das ziemlich gut. Wir sind alle gefordert, ihr zu helfen und sie auf jeden Wettkampf neu einzustellen. Wir sind alle gut beraten, nicht zusätzlichen Druck auf sie auszuüben. Der kommt von außen sowieso, weil die Erwartungen hoch sind.

Die Erwartungen sind in Deutschland hoch, Sie sagen es. Hat es Sie überrascht, dass sie so hoch sind?

EISENBICHLER In Deutschland muss das Verständnis dafür wachsen, dass die internationale Konkurrenz sich extrem entwickelt hat. Ich glaube, dass Biathlon – und ich bin jetzt 20 Jahre dabei – noch nie so stark war in der internationalen Konkurrenz, sowohl bei den Damen als auch bei den Herren. Solange wir sagen können, wir haben alles gegeben, kann ich mit dem Druck sehr gut umgehen.

Geben Sie den Druck weiter an die Athleten?

EISENBICHLER Nein, gar nicht. Weil der Druck bei den Athleten permanent hoch ist. Weil sie wissen, was in Deutschland erwartet wird, was sie von sich selbst erwarten. Da bin ich überhaupt nicht gefordert, Medaillenvorgaben zu machen. Ich erwarte von allen Athleten und Betreuern, dass sie in Antholz alles geben. Dass wir versuchen werden, unser Leistungsmaximum abzurufen, ist auch klar. Aber das werden andere Nationen auch versuchen. Und deswegen machen Medaillenvorgaben für mich wenig Sinn. Es ist natürlich klar, dass wir in den Staffeln um Medaillen kämpfen. Und dass wir natürlich auch in den Einzelrennen schon die eine oder andere Medaille gewinnen wollen. Aber eine Zahl werde ich bewusst nicht nennen, das macht wenig Sinn.

Hand aufs Herz. Wie viele Medaillen wird es geben?

EISENBICHLER Der Beginn der Weltmeisterschaft ist sicherlich entscheidend. Oft lebt man von dem Flow-Erlebnis. Wenn die Mixed-Staffel und der Sprint bei den Damen und Herren gut gehen, dann kann es natürlich richtig nach vorne gehen.

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