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Stiftung Warentest prüft
Die Schwächen der Computeruhren

 Smartwatches können auch Körperfunktionen wie den Herzschlag messen oder zählen, wie viele Schritte der Nutzer zurücklegt. Daher werden sie häufig als Fitnessgeräte beim Sport eingesetzt.
Smartwatches können auch Körperfunktionen wie den Herzschlag messen oder zählen, wie viele Schritte der Nutzer zurücklegt. Daher werden sie häufig als Fitnessgeräte beim Sport eingesetzt. FOTO: Christin Klose/dpa-tmn / Christin Klose
Berlin. Die Stiftung Warentest hat 13 Smartwatches geprüft. Viele versagen beim Datenschutz und sind ungenau. Von Laura Stoffel

Sogenannte Smartwatches werden immer beliebter. Dabei handelt es sich um kompakte Geräte mit computerähnlichen Funktionen und einem berührungsempfindlichen Bildschirm, ähnlich wie ein Smartphone. Smartwatches lassen sich sowohl mit dem Internet als auch mit anderen Geräten verbinden. Sie werden wie eine Armbanduhr am Handgelenk getragen und können so Körperfunktionen wie den Herzschlag messen oder zählen, wie viele Schritte ein Nutzer zurücklegt. Daher werden sie häufig als Fitnessarmband beim Sport eingesetzt. Die Stiftung Warentest hat vor Kurzem mehrere der tragbaren Geräte verglichen und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die meisten Computeruhren nicht halten, was sie versprechen. Besondere Probleme sehen die Tester beim Datenschutz und bei den verwendeten Materialien.

Getestet wurden elf Smartwatches und zwei sogenannte Hybriduhren, die das analoge Ziffernblatt einer herkömmlichen Armbanduhr mit den Funktionen einer Smartwatch kombinieren. Die getesteten Uhren lassen sich sowohl mit Android-Smartphones als auch mit iPhones verbinden. Einzige Ausnahme ist die Apple Watch. Sie lässt sich nur mit iPhones (ab Modell 6s) verbinden und benötigt die neueste Version 13 des Betriebssystems iOS.

Auf dem Prüfstand standen die Fitnessfunktion, Kommunikation, Datenschutz, Handhabung und das Material der Uhren. Das Ergebnis ist ernüchternd. Nur zwei der 13 Geräte haben mit „gut“ abgeschnitten, die Apple Watch Series 5 und die Garmin Forerunner 245 Music. Beide Uhren ließen sich gut bedienen und überzeugten durch eine fast durchweg korrekte Ermittlung von Fitnessdaten, erklärt die Stiftung Warentest. Von den weiteren elf Uhren schnitten acht mit „befriedigend“, zwei mit „ausreichend“ und eine mit „mangelhaft“ (Modell des Herstellers Xlyne) ab.



Die Uhren wurden beim Joggen, Gehen, Radfahren und Schwimmen getestet. Heraus kam, dass die Messdaten der Funktionen Kalorienzähler, Pulsfrequenz, Streckenlänge und Schrittzähler unzureichend oder inkorrekt seien. Das gelte nicht nur beim Sport, sondern auch für den Alltag. Die Uhren berechnen nur dann halbwegs genau, wenn der Nutzer Angaben zu Alter, Geschlecht, Größe und Gewicht präzise angibt. Die Tester nahmen außerdem die Kommunikationsfunktionen der Uhren unter die Lupe. Beim Versuch, Nachrichten zu verschicken, zu telefonieren oder zu navigieren, stellten sie fest, dass das oft nicht gut funktioniert und es Störungen gibt.

Verbesserungsbedarf gebe es außerdem beim Datenschutz. Die meisten Uhren fragen Daten ab, die für die Funktion des Geräts unnötig seien, etwa die Telefonnummer oder den Namen des Anwenders. Zudem sei es notwendig, ein eigenes Nutzerkonto anzulegen, ansonsten sei der Funktionsumfang des Geräts eingeschränkt. Sehr deutliche Mängel stellten die Tester bei der Datenschutzerklärung von neun der 13 Uhren fest. Apple, Emporio Armani, Fitbit, Huawei, Samsung und Withings räumen sich das Recht ein, die von den Nutzern angegeben Daten speichern und weitergeben zu dürfen. Die Erklärungen der Anbieter Denver und Mykronoz liege nur auf Englisch vor, die von Xlyne sei unverständlich. Besonders alarmierend sei, dass die Uhr von Xlyne sich auch mit fremden Smartphones ohne Weiteres verbinden lasse und die als Nutzername verwendete E-Mail-Adresse an das Gerät unverschlüsselt übertrage.

In den Armbändern von drei der überprüften Uhren fanden die Tester Schadstoffe. In der Samsung Galaxy Watch Active, der Wearable von Swisstone und der Uhr Xlyne haben sie den Schadstoff Bisphenol A entdeckt. Der Stoff könne den Hormonhaushalt und die Fruchtbarkeit beeinträchtigen, erklärt die Stiftung Warentest. Die Menge, die in den Armbändern der Uhren gefunden wurde, sei zwar zu niedrig, um eine akute Gesundheitsgefahr darzustellen, dennoch solle die Aufnahme von Bisphenol A „so gering wie möglich“ gehalten werden.