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Ausbildung
Sie steuern unsere Steuern

Ausbilderin Romy Strohmenger bearbeitet mit Azubi Christopher Ruttmann eine Steuererklärung.
Ausbilderin Romy Strohmenger bearbeitet mit Azubi Christopher Ruttmann eine Steuererklärung. FOTO: dpa-tmn / Markus Scholz
Lüneburg. Finanzbeamte haben nicht den besten Ruf: Sie seien Haarspalter und hätten eine Ärmelschonermentalität. Doch das sind meist bloß Vorurteile. Wie sieht der so trocken klingende Ausbildungsberuf tatsächlich aus?

() Für Abenteurer ist der Beruf des Finanzwirts womöglich nicht die erste Wahl. Zu krisensicher. Das macht den Beruf aber noch lange nicht langweilig, findet zumindest Christopher Ruttmann, angehender Finanzwirt im ersten Lehrjahr. „Das Berufsbild hat sich in den vergangenen Jahren geändert, die Meinungen aber nicht“, sagt er. „Es ist nicht so, dass man den ganzen Tag in seinem grauen Büro vor dem Computer sitzt.“ Es sei sogar ein abwechslungsreicher Beruf. Das gelte gerade in der Ausbildung, wenn man zwischen den verschiedenen Steuerstellen wechseln und unterschiedlichste Aufgaben kennenlernen dürfe – etwa die Annahme der Steuererklärungen.

Genau das tut Ruttmann derzeit beim Finanzamt Lüneburg. Aber auch die Verwaltungs- und Bearbeitungsstellen durchläuft der 18-Jährige in seiner Ausbildung. „So bekommt man einen Überblick über alle Tätigkeiten, die im Finanzamt verrichtet werden“, erklärt er. Wie genau sein Arbeitsalltag aussehen würde, wusste er nicht, als er sich vor über einem Jahr für den Ausbildungsplatz bewarb. „Steuer ist ein Thema, mit dem sich nicht viele Menschen gern auseinandersetzen. Ich sehe es als Herausforderung, das gibt mir einen gewissen Ansporn.“

Ansporn braucht es, denn mit nur zwei Jahren ist die Ausbildung vergleichsweise kurz. Für die Beamtenanwärter bedeutet das: Sie müssen viele Informationen in kurzer Zeit lernen und verstehen. Finanzwirte im mittleren Dienst arbeiten in erster Linie den Kollegen des gehobenen Dienstes zu. Sie prüfen und bearbeiten Steuerunterlagen, führen Akten, erlassen Steuerbescheide oder kontrollieren die Buchführung in anderen Unternehmen. Auch Auskünfte rund um das Thema Steuern erteilen und – mit genug Berufserfahrung – die Steuerveranlagung, Bilanzierung und Buchführung können zum Tätigkeitsbereich eines Finanzfachwirts zählen.



Verwirrend ist, dass sich für das Berufsbild unterschiedliche Namen etabliert haben. Aber egal, ob sie Finanzwirt, Steuersekretär oder Beamtenanwärter in der Steuerverwaltung genannt werden, die Ausbildungen gleichen sich. Der praktische Teil findet in einem Finanzamt einer Landesfinanzverwaltung statt, gibt das Bundeszentralamt für Steuern an. Der fachtheoretische Teil der Ausbildung findet an der jeweiligen Landesfinanzschule statt. Auf dem Stundenplan stehen Mathematik, Buchführung, Wirtschaft und natürlich das Steuerwesen. Die Einstellungsvoraussetzungen zwischen den einzelnen Bundesländern variieren, im Allgemeinen gilt: Bewerber müssen einen Realschulabschluss oder gleichwertigen Bildungsstand haben, eine EU-Staatsangehörigkeit und gesundheitliche Eignung sind gefordert.

Nach drei Jahren Berufserfahrung erfolgt in der Regel die Ernennung zum Beamten auf Lebenszeit. Reizvolle Aussichten, findet Bernd von Karchowski, Ausbildungsleiter im Finanzamt Lüneburg. Er schränkt jedoch ein: „Es ist eine tolle Sache, sicher beim Staat unterzukommen, aber nur diese Motivation hilft nicht weiter.“ Azubis sollten sich für Wirtschaft interessieren und ein Verständnis für Zahlen mitbringen. Und sie sollten bereit sein, im Büro zu arbeiten. Ihm sei wichtig, dass die Beamtenanwärter sich in ihrem Beruf wohlfühlen, sich mit ihrem Amt identifizieren können. Dann dürfen sie sich über einen zukunftssicheren Beruf freuen.