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Generationenkonflikt in Essen
Schüler fordern von RWE Kohleausstieg

 Klimaschutz-Aktivistin Luisa-Marie Neubauer sprach bei der Hauptversammlung den RWE-Anteilseignern ins Gewissen.
Klimaschutz-Aktivistin Luisa-Marie Neubauer sprach bei der Hauptversammlung den RWE-Anteilseignern ins Gewissen. FOTO: dpa / Caroline Seidel
Essen. „Fridays for Future“-Vertreterin Luisa-Marie Neubauer hat sich vor den RWE-Eignern in Essen für den Klimaschutz starkgemacht. Von Claus Haffert (dpa)

Die Hauptversammlung des Energieversorgers RWE hat sich am Freitag zu einem Schlagabtausch zwischen der Schüler-Protestbewegung „Fridays for Future“ und dem Stromkonzern entwickelt. Auf der einen Seite: Rolf Martin Schmitz (61), Vorstandschef des größten deutschen Braunkohle-Verstromers. Seine Gegenspielerin: Luisa Neubauer (23), Studentin, talkshowerfahrenes Gesicht der Klimaschutz-Bewegung „Fridays for Future“ und Organisatorin der Proteste in Berlin.

Schmitz versuchte es mit Lob für die Schüler, die vor der Halle für mehr Klimaschutz demonstrierten – um anschließend zur RWE-Zentrale zu ziehen. Klima- und Umweltschutz seien Herausforderungen für alle Generationen, sagte Schmitz. „Ich finde es daher gut, dass sich viele Schülerinnen und Schüler dafür interessieren.“ Es lohne sich, für den Klimaschutz „seine Stimme zu erheben“.

Und das tat Neubauer, die mit Hilfe kritischer Aktionäre Rederecht bei der Hauptversammlung erhalten hatte. „Kein Konzern in ganz Europa trägt mehr Verantwortung für die Klimakrise als RWE“, hielt sie den Aktionären im Saal vor. Die Anteilseigner verkauften „ihre Verantwortung für ein paar Cent Rendite“. Sie dürften sich nicht zu schweigenden Komplizen des Konzernchefs machen.



Wer nach 2030 noch ernsthaft plane, Kohle zu verstromen, „hat nicht verstanden, in welcher Krise wir sind“, kritisierte Neubauer. „Fridays for Future“ fordert, ein Viertel der Kohlekraftwerke bereits bis zum Ende dieses Jahres abzuschalten und bis 2030 ganz aus der Kohleverstromung auszusteigen. Die Kohlekommission der Bundesregierung hatte das Kohle-Aus für 2038 empfohlen.

Schmitz zeichnete ein ganz anderes Bild der „neuen RWE“. Von 2012 bis 2018 habe RWE den Kohlendioxidausstoß um 34 Prozent reduziert. „Das ist in einem viel kürzeren Zeitraum mehr, als Deutschland seit 1990 erreicht hat.“ Die Kohlekommission habe auch die Versorgungssicherheit und soziale Aspekte berücksichtigen müssen. Dabei sei es um Arbeitsplätze gegangen, die auch Neubauers Generation brauche.

Schon bald werde der Konzern bei den erneuerbaren Energien zu den internationalen Marktführern gehören, betonte Schmitz. Ermöglichen soll das ein Milliardendeal mit dem Konkurrenten Eon, der RWE schlagartig zur Nummer drei bei den erneuerbaren Energien in Europa und weltweit zur Nummer zwei bei Windkraft auf See machen würde. „Kein Unternehmen setzt so konsequent auf Umbau“, warb Schmitz für seinen Kurs. Bis RWE ein grüner Stromproduzent wird, ist es aber noch ein weiter Weg. Insgesamt verfügte RWE Ende vergangenen Jahres europaweit über eine Erzeugungskapazität von knapp 42 Gigawatt. Pro Jahr sollen zwei bis drei hinzukommen.

Kritik zu hören bekam Schmitz aber auch von ganz anderer Seite. Winfried Mathes von der Sparkassentochter Deka Investment warf dem Konzernchef vor, mit seinem langen Beharren auf der Abholzung des Hambacher Forsts RWE einen Reputationsschaden zugefügt zu haben. Deka werde für die Nichtentlastung des Vorstands stimmen, kündigte Mathes an. Das solle ein Anreiz sein, damit Schmitz „RWE möglichst schnell in eine kohlefreie Zukunft“ führe. Einen echten Aufstand musste Schmitz aber nicht befürchten. Dafür sorgen schon Kursgewinne, die RWE im vergangenen Jahr zum zweitbesten Dax-Titel gemacht hatten, wie Thomas Deser von Union Investment lobte.