| 22:03 Uhr

Sanches führt FC Bayern zum Sieg
Der Rasta-Mann rückt ins Rampenlicht

Renato Sanches strahlt übers ganze Gesicht. So haben die Fans des FC Bayern den Portugiesen noch nicht gesehen. Im Champions-League-Spiel bei seinem Ex-Verein Benfica Lissabon trumpfte Sanches groß auf.
Renato Sanches strahlt übers ganze Gesicht. So haben die Fans des FC Bayern den Portugiesen noch nicht gesehen. Im Champions-League-Spiel bei seinem Ex-Verein Benfica Lissabon trumpfte Sanches groß auf. FOTO: dpa / Sven Hoppe
Lissabon. Renato Sanches galt beim FC Bayern als Fehleinkauf. Beim Champions-League-Auftakt trumpfte der 21-Jährige auf. sid

Renato Sanches stand mit nacktem Oberkörper und einem Benfica-Trikot in der Hand alleine im Mittelkreis des legendären Estadio da Luz und genoss gerührt die Ovationen. Auf so einen Gänsehaut-Moment hatte der 21 Jahre alte Portugiese sehr lange warten müssen. „Das ist so besonders für mich. Ich habe zehn Jahre für Benfica gespielt. Das ist ein tolles Gefühl, zu spielen und zu treffen. Ich bin sehr glücklich“, sagte Sanches nach dem 2:0 (1:0) des FC Bayern bei Benfica Lissabon strahlend.

Mitspieler Leon Goretzka sprach von einer „unheimlich schönen Geschichte, die so nur der Fußball schreibt“. In der Tat: Lange galt der 35 Millionen Euro teure Sanches beim deutschen Rekordmeister schon als kapitaler Fehleinkauf, doch zum Auftakt der Champions League avancierte der wuchtige Mittelfeldspieler mit der Rasta-Mähne nun zum gefeierten Mann des Abends. „Er hat das fantastisch gemacht. Er war ein sehr großer Mehrwert für unser Spiel“, lobte Innenverteidiger Mats Hummels.

Trainer Niko Kovac verglich Sanches sogar mit Rekordnationalspieler Lothar Matthäus. „Renato hat eine außergewöhnlich gute Technik, eine sehr gute Geschwindigkeit und einen tollen Körper. Es ist schon so, dass die Leute bei ihm links und rechts wegfliegen – so wie früher bei Lothar“, sagte Kovac und erinnerte an den kraftvollen Lauf des DFB-Kapitäns vor seinem legendären Tor im Auftaktspiel der WM 1990 gegen Jugoslawien.



Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge hob Sanches bei seiner Bankett-Rede im noblen Four Seasons Hotel Ritz sogar „besonders“ hervor. „Renato hatte eine nicht ganz einfache Zeit bei uns und auch in Swansea. Du hast die Chance bravourös genutzt, das hast du dir verdient“, sagte der Bayern-Boss – und die Edelfans im Speisesaal applaudierten lautstark.

Sanches hatte nach der Führung durch Torjäger Robert Lewandowski (10. Minute) das 2:0 (54.) für die Münchner, die so „gleich ein Zeichen setzten“ (Rummenigge), erzielt. Danach erhoben sich selbst die Fans von Benfica und jubelten. Nach der Partie bedachten sie ihren ehemaligen Jugendspieler mit stehenden Ovationen. Für Arjen Robben eine „große Geste“, die die Bayern nachhaltig beeindruckte. „Das ist Wahnsinn. Das habe ich noch nie erlebt“, sagte Rechtsverteidiger Joshua Kimmich: „Das ist ganz groß.“

Dabei war eigentlich Thiago für die Startelf vorgesehen gewesen. Der Spanier musste aber wegen einer Verletzung am großen Zeh passen. „Da habe ich mir gedacht, dass es der richtige Zeitpunkt und der richtige Platz für Renato ist“, sagte Kovac nach seiner erfolgreichen Königsklassen-Premiere und fügte anerkennend hinzu: „Was er geleistet hat, war einzigartig. Wenn er die körperliche Fitness mitbringt, ist er ein wunderbarer Spieler.“

Bei seinem Wechsel 2016 nach München galt Sanches als größtes Versprechen im europäischen Fußball. Doch der zu dieser Zeit begehrteste Nachwuchsspieler des Kontinents konnte sich beim FC Bayern auf und außerhalb des Platzes nie integrieren. Eine Leihe zu Swansea City in der vergangenen Saison geriet zum Desaster. Seit Sommer ist er zurück in München. Und Kovac baute den jungen Mann in der Vorbereitung mit viel Fingerspitzengefühl wieder auf. Er hoffe, sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic in Lissabon, „dass es nur der Anfang ist“.

Sanches, dessen Vertrag bei den Bayern bis 2021 läuft, ist offenbar überzeugt, sich im zweiten Anlauf im Münchner Starensemble durchsetzen zu können. „Ich habe keine Schwäche, ich bin stark“, sagte er. Und er spüre, „dass ich die Erwartungen erfüllen kann“.