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Aktionstag
Schutz vor Cybermobbing und Datenklau

 Der Safer Internet Day soll auch für das Thema Cybermobbing sensibilisieren.
Der Safer Internet Day soll auch für das Thema Cybermobbing sensibilisieren. FOTO: Getty Images/ iStockphoto / ClarkandCompany
Hannover. Der heutige „Safer Internet Day“ macht auf die Gefahren des Internets für Kinder und Jugendliche aufmerksam. Von Cristina Marina, Elisa Makowski und Stephan Cezanne

 Bilder von Naturkatastrophen, Kriegen oder Unfällen eigneten sich nicht für Kinder, sagt Eva Hanel, Medienreferentin der Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen. Das Internet sei allerdings voll davon. Um den Kontakt mit ungeeigneten Bildern und Inhalten zu vermeiden, könnten Eltern zum Beispiel Kinder-Suchmaschinen installieren, Filter wie „Google Safe Search“ einsetzen oder Jugendschutzprogramme wie „JusProg“ nutzen. Solche Programme schränkten den Zugriff von Kindern je nach Altersstufe ein. Eltern sollten ihre Kinder beim Surfen im Internet zudem begleiten. Gemeinsam mit Kindern ab etwa sieben Jahren könnten sie Regeln festhalten, Beispiele dafür gebe es unter www.mediennutzungsvertrag.de.

Auch bei Computerspielen sei ein wachsamer Umgang sinnvoll. Problematisch seien Darstellungen von Gewalt und blutigen abgetrennten Körperteilen nach dem Töten anderer Spielfiguren, sagt Hanel. Je realistischer die Darstellungen, desto höher sei die Altersfreigabe der Spiele. Für ein bestimmtes Alter ungeeignete Inhalte könnten Kinder verstören, erläutert die Medienreferentin.

Aber auch wenn die Aufgaben zu anspruchsvoll seien, könnten Kinder Stress empfinden. Sich an die pädagogischen Empfehlungen wie die Alterskennzeichnung zu halten, entlaste Eltern wie Kinder. Zudem sollten Eltern Medienzeiten begrenzen: für Drei- bis Fünfjährige auf 30 Minuten täglich, für Sechs- bis Neunjährige auf eine Stunde pro Tag und ab zehn Jahren auf neun Stunden pro Woche.



Würden Kinder in den sozialen Medien beleidigt, belaste sie das sehr, sagt Susanne Neuerburg vom Verein „Juuuport“ in Hannover. Da „das Internet nichts vergisst“, sich also die Problem-Inhalte nicht mehr leicht löschen ließen, könne diese Belastung über Jahre hinweg andauern. Im schlimmsten Fall könne ­Cybermobbing zu Depressionen und sogar Suizidgedanken führen.

Bevor sie in den sozialen Medien ein Bild oder Video posteten, sollten Kinder den „Oma-Check“ machen: Sie sollten sich fragen, ob sie es auch ihrer Oma zeigen würden. Eltern und Lehrer sollten Kindern schon bei ersten Anzeichen wie plötzlicher Verschlossenheit oder schlechten Noten anbieten, über ihre Probleme sprechen zu können.

Kinder gäben oft leichtfertig oder unwillentlich persönliche Daten wie Telefonnummer, Adresse oder Standort im Internet frei, sagt Annika Vogel von der niedersächsischen Landesmedienanstalt. Einige Apps hätten Zugriff auf den Standort, Adressbücher oder die Kamera des Smartphones, obwohl dies für diese Apps gar nicht notwendig sei. Ein häufiges Problem: Privat verschickte Fotos landeten in Whatsapp-Klassenchats und erreichten auf einmal ein großes Publikum.

Um ihre Daten zu schützen, sollten Kinder das drahtlose Internet nur für die Dauer der Nutzung anschalten, sich am Ende einer Sitzung immer aus den Portalen ausloggen und Apps generell nur die Berechtigungen geben, die wirklich nötig seien, betont Vogel. Eltern sollten sich informieren, wie ihre Kinder am wenigsten Daten preisgeben.

Eine weitere Gefahr stellt Grooming (englisch: anbahnen, vorbereiten) dar. Das ist der Fachbegriff für unterschiedliche Handlungen, die einen sexuellen Missbrauch vorbereiten. Wenn Täter im Internet nach ihren Opfern suchen, nennt man das Cybergrooming. Sie nutzen verschiedene soziale Netzwerke oder die Chatfunktion von Online-Spielen, um den Kontakt zu Kindern herzustellen, wie es auf der Seite des Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, heißt. Diese Handlungen seien als Vorbereitung zu sexuellem Kindesmissbrauch strafbar, auch wenn sie in einem Chatroom erfolgt.

Die Täter versuchen oftmals, die Annäherungen außerhalb des Internets fortzusetzen. Wichtig sei, dass Eltern und pädagogische Fachkräfte mit ihren Kindern beziehungsweise ihren Schülern über die Risiken des Internets und das Versenden persönlicher Daten und Fotos sprechen.

Daher hat Johannes‐Wilhelm Rörig wirksame Maßnahmen zum Kinderschutz bei digitalen Angeboten gefordert. „Wir brauchen eine Debatte über Datenschutz und Kinderschutz im Netz“, erklärte der unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs. Im Internet seien unzählige Bilder und Filme, die sexuelle Gewaltverbrechen an Kindern und Jugendlichen zeigten, problemlos verfügbar. Produzenten, Besitzer oder Verbreiter solcher Darstellungen kämen zu leicht ungestraft davon.

Kinder sollten die Chancen digitalen Lernens maximal nutzen, betont Rörig. Zugleich benötigten sie eine maximale Aufklärung über die Risiken im Netz: „Wir brauchen dringend ein eigenes Schulfach Medienkompetenz. Die Bekämpfung sexuellen Missbrauchs und das sichere Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen mit Medien muss in Deutschland endlich als nationale Aufgabe verstanden werden – von Bund und Ländern, von allen Parteien, der IT‐Branche, von allen Eltern und von allen Fachkräften, denen Kinder und Jugendliche täglich anvertraut werden.“

Die Ermittlungsinstrumente müssen Rörig zufolge „dringend geschärft und der bestehende Strafrahmen endlich besser ausgeschöpft werden“. Der unabhängige Beauftragte begrüßte den Vorstoß von Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD), dass Ermittler künftig computergenerierte Bilder verwenden und sich damit Zutritt zu einschlägigen Darknetforen verschaffen können. Das sei wichtig zur Verhinderung schwerster Sexualverbrechen, fügte Rörig hinzu.