| 22:41 Uhr

Interview
Kein Schließungsbeschluss für die Schmiede

Völklingen. Der Saarstahl-Vorstandschef rechnet mit einer Verkleinerung der Anlage, Personalabbau und erwartet bis Herbst ein neues Konzept.

Die Saarschmiede kommt nicht aus ihren MillionenVerlusten heraus. Saarstahl-Vorstandssprecher Fred Metzken tritt im Interview mit der Saarbrücker Zeitung Gerüchten entgegen, die Schmiede werde geschlossen.

Die Saarschmiede, mit 450 Millionen Euro eine der größten Investitionen im Saarland überhaupt, kommt seit ihrer Eröffnung nicht aus den Millionen-Verlusten heraus und belastet zunehmend Saarstahl insgesamt. Wie lange können Sie noch einen Weiterbetrieb der Schmiede verantworten?

METZKEN Die Schmiede ist für den Saarstahl-Konzern weiter das Sorgenkind. Wir haben im Herbst 2016 ein Restrukturierungsprogramm mit Namen Phoenix gestartet und im Herbst 2016 auch die Geschäftsführung gewechselt. Wir haben ein neues Konzept aufgesetzt und gehofft, dass dieses erfolgreich umgesetzt wird. Im Bereich Technik und in den Prozessabläufen ist das auch ganz gut gelungen. Auch bei der Reduzierung der Kosten sind wir überall auf einem guten Weg. Wir fahren seit Herbst 2016 aber Kurzarbeit, die andauert. Das Problem liegt im Markt. Leider reichen die Auftragseingänge entgegen unseren Erwartungen nicht aus. Auch die Preise auf den Märkten, insbesondere im Energiemaschinenbau, sind bescheiden bis schlecht. Es gibt einen erbitterten Preiskampf, der auf die Ergebnisse drückt. Wir haben ein Auslastungs- und Ergebnisproblem. Der Preis für Erdöl- und Gas liegt am Boden. Es werden kaum neue Gas- und Kohlekraftwerke gebaut, eher stillgelegt. Wir bewegen uns auf einem sehr angespannten Markt.



Wie lange können Sie das noch durchhalten?

METZKEN Die Geschäftsführung der Schmiede ist beauftragt, über weitere Maßnahmen nachzudenken, um auf eine vernünftige Basis zu kommen. So wie bisher kann es nicht weitergehen. Die Ergebnisse sind nicht besser geworden. Sie können Kosten reduzieren, auch Personal, wenn aber der Markt noch schneller zurückgeht als man Kosten sparen kann, dann kommt man um weitere Schritte nicht herum. Ich beteilige mich aber nicht an Spekulationen, die Schmiede werde schließen. Einen solchen Schließungsbeschluss gibt es aktuell nicht.

Wann erwarten Sie Ergebnisse?

METZKEN Im Herbst. Dann wird auch der Aufsichtsrat die Vorschläge der Geschäftsführung diskutieren. Man muss ja auch sehen, ob das Aufsichtsgremium solchen Vorschlägen folgt.

Bestehen noch realistische Marktchancen? Der Markt für Turbinen ist nach Fukushima zusammengebrochen, die Alternativen funktionieren auch nicht.

METZKEN Es wird wohl eher in einer Verkleinerung der Schmiede enden. Die großen Hochleistungswellen für Turbinen mit einem besonders hohen Wirkungsgrad werden eben nicht nachgefragt, weil keine Kraftwerke mehr gebaut werden, die solche Turbinenwellen brauchen, für die wir über besondere Kompetenz verfügen. Die Verlagerung auf andere Geschäftsfelder wie Sonderwerkstoffe, das sind Spezialteile für Triebwerke, Pumpen oder Druckbehälter, ist eine Option, bringt zunächst aber nicht genug Auslastung. Möglicherweise werden wir vom Gewicht her kleinere Teile produzieren. Das bedeutet dann auch einen anderen Anspruch an die Anlagen und Prozesse. All das muss neu überdacht werden.

Bedeutet das auch einen weiteren Personalabbau?

METZKEN Wir werden nicht um einen weiteren Personalabbau herumkommen. Ich weiß aber nicht, in welcher Größenordnung. Das wird abhängen vom Konzept der Geschäftsführung.

Was haben Sie für Erwartungen?

METZKEN Einen Plan, der es ermöglicht, innerhalb von zwei, drei Jahren in gesundes Fahrwasser zu kommen.

Ist das ein realistischer Zeitraum?

METZKEN Ich denke, das wird möglich sein, aber das bringt auch für alle Beteiligten Schmerzen mit sich. Saarstahl muss bereit sein, die Liquidität sicherzustellen. Und die Zahl der Beschäftigten wird sinken. Wir haben noch 850 Mitarbeiter in der Schmiede. Wegen der Entwicklung der letzten Monate muss deutlich mehr passieren als bisher.

Eine stärkere Belastung von Saarstahl muss ja verhindert werden, weil es dort viele gesunde Unternehmensbereiche gibt.

METZKEN Ich sehe kurzfristig keine Gefahren für Saarstahl. Es ist die Frage, wie lange es dauert, das Kostenniveau bei der Schmiede zu senken für Personal, Material, Energie etc. Und in welcher Größenordnung wir sie aufstellen. Eine gewisse Anzahl an Personal werden wir auch künftig brauchen, die mit der Konzentration auf neue Geschäftsfelder verbunden ist. Es kann auch sein, dass wieder mehr Kraftwerke gebaut werden, etwa auf anderen Kontinenten, und unsere klassischen Schmiede-Produkte wieder mehr nachgefragt werden. Möglicherweise erlebt der Öl- und Gasmarkt Auftrieb.