| 21:13 Uhr

Schwaben in prekärer Situation
Rolle rückwärts kostet Wolf den Job

Noch eine letzte Umarmung für seine Spieler wie hier Benjamin Pavard: Hannes Wolf (links) erlebte gegen Schalke sein letztes Spiel als Stuttgarter Trainer. Einen Nachfolger will der VfB in dieser Woche präsentieren.
Noch eine letzte Umarmung für seine Spieler wie hier Benjamin Pavard: Hannes Wolf (links) erlebte gegen Schalke sein letztes Spiel als Stuttgarter Trainer. Einen Nachfolger will der VfB in dieser Woche präsentieren. FOTO: Marijan Murat / dpa
Stuttgart. VfB Stuttgart feuert Trainer nach schwacher Leistung beim 0:2 gegen Schalke. Der Nachfolger steht noch nicht fest.

Hannes Wolf verabschiedete sich am Sonntag noch kurz von seiner Mannschaft und einer Handvoll Fans, dann fuhr er mit seiner Nobelkarosse vom Klubgelände – es war sein letzter Auftritt beim VfB Stuttgart. Der Treueschwur des Sportvorstandes Michael Reschke für den Trainer unmittelbar nach dem ernüchternden 0:2 (0:2) gegen Schalke 04 hatte sich über Nacht als Lippenbekenntnis erwiesen.

Man sei nach „intensiven und emotionalen Gesprächen zu der Überzeugung gekommen, dass die Gefahr, dass wir die Situation in der bestehenden Konstellation nicht mehr gedreht bekommen, zu groß ist, und wir einen neuen Impuls brauchen, um wieder in die Erfolgsspur zu finden“, sagte Reschke und vollzog damit eine Rolle rückwärts.

Eigentlich hatten seine Aussagen nach dem Spiel trotz der Krise darauf hingedeutet, dass Aufstiegsheld Wolf am kommenden Samstag (15.30 Uhr) beim VfL Wolfsburg sein „Endspiel“ bekommen würde. „Es gibt keinen anderen Plan“, sagte Reschke. Falsch! Den gibt es spätestens seit gestern.



Wer die Nachfolge des 36-Jährigen bei den Schwaben, die aus den letzten acht Bundesligaspielen nur einen Sieg und ein Remis geholt hatten, antreten wird, soll „in den nächsten Tagen“ entschieden werden, teilte der Club mit. Das Training gestern leiteten Torwarttrainer Marco Langner, Athletiktrainer Matt­hias Schiffers und Individualtrainer Andreas Schumacher. Als Kandidaten gelten Andries Jonker und Markus Weinzierl.

„Das ist eine Entwicklung, die so keiner wollte. Dementsprechend sind wir alle enttäuscht darüber. Letztlich waren wir uns aber alle einig, dass es so nicht weitergehen kann“, betonte VfB-Präsident Wolfgang Dietrich. Es habe „die letzte Überzeugung gefehlt, dass wir diese Situation gemeinsam meistern können“.

Wolf hatte das Amt am 21. September 2016 von Jos Luhukay übernommen und den VfB zurück in die Bundesliga geführt. „Auch in dieser Saison fühlten wir uns auf einem guten Weg. Leider waren in den letzten Wochen die Ergebnisse und zuletzt auch die Spiele nicht mehr gut genug“, sagte Wolf, der von „überragenden eineinhalb Jahren“ sprach.

Die VfB-Profis um Torjäger Mario Gomez, Kapitän Christian Gentner oder Holger Badstuber hatte Reschke schon nach dem indiskutablen Auftritt gegen Schalke in die Pflicht genommen. Er forderte „eine bessere Einstellung und ein besseres Zweikampfverhalten“. Zumal das Duell in Wolfsburg gegen einen Konkurrenten im Abstiegskampf „überragende Bedeutung“ habe, sagte Reschke: „Das ist wesentlich und entscheidend.“

Längst stecken die Schwaben in einer prekären Situation. Wolf schaffte es nicht mehr, die Wende einzuleiten. Bei der Niederlage gegen Schalke nach Gegentreffern durch Naldo (14.) und Amine Harit (19., Foulelfmeter) wirkte Stuttgart völlig verunsichert, die erste Hälfte war katas­trophal. Für die aufgebrachten Fans war schon da klar gewesen, dass etwas passieren muss. Er könne deren Unmut verstehen, meinte Gentner nach den lautstarken Anfeindungen, „aber das hilft uns nicht weiter“. Torwart Ron-Robert Zieler bemühte übliche Durchhalteparolen. „Wichtig ist, dass wir uns nicht auseinanderdividieren lassen. Es war klar, dass es eine schwierige Saison wird. Wir müssen eine Einheit bleiben. Es geht weiter“, sagte er. Dass es ohne Wolf weitergeht, wusste er da noch nicht.