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Südwestpfalz
Richterin hält Abschied von Drogen für möglich

Südwestpfalz. Ein 37-jähriger Mann wurde wegen Handels mit Betäubungsmitteln zu Bewährungsstrafe verurteilt. Von Steffen Berberich

Ein 37-jähriger Mann aus dem Landkreis musste sich wegen des unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge verantworten. Angeklagt war er wegen zweier Taten: Im Februar 2017 soll er ein Kilogramm Amphetamin verkauft haben, im Juni dieses Jahres wurden bei einer Durchsuchung in der Wohnung des Mannes wenige Gramm Cannabis sichergestellt. Der einschlägig vorbestrafte Angeklagte räumte die Vorwürfe ein, aus diesem Grund und dank der positiven Sozialprognose hat das Schöffengericht noch einmal Milde walten lassen. Am Ende wurde er zu einer Haftstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt, ausgesetzt auf vier Jahre Bewährung. Dazu muss er ein Jahr lang mindestens einmal pro Monat Drogenberatungsgespräche absolvieren und vier Urinkontrollen zum Nachweis der Drogenfreiheit abgeben. Zusätzlich werden 10 000 Euro aus dem Drogenverkauf eingezogen.

Der Angeklagte machte von Beginn an reinen Tisch und zeigte sich geständig: Zum ersten Mal habe er als 16-Jähriger Cannabis konsumiert, mit Mitte 20 dann zum ersten Mal Amphetamin. Drei Mal stand er bereits wegen Drogenanklagen vor Gericht und musste kurzzeitig in Haft, weil er es versäumt hatte, ihm auferlegte Arbeitsstunden abzuleisten. Auch den Führerschein hat er wegen Drogen verloren.

Aber das soll nun der Vergangenheit angehören, so der Mann auf der Anklagebank. Er wolle den Führerschein wieder machen, dazu müsse er eine medizinisch-psychologische Untersuchung absolvieren, von daher habe er auch kein Problem mit dem Nachweis der Drogenfreiheit. Zuletzt hat er nach eigener Angabe im Mai Amphetamin genommen, vor wenigen Monaten einige Male Cannabis. „Aus lauter Angst“, so der Angeklagte, habe er den Konsum extrem reduziert, in den letzten Wochen gar nichts mehr genommen.



Zu der großen Menge an Amphetamin – dafür soll er 4000 Euro laut Staatsanwaltschaft gezahlt haben – meinte der Mann, dass diese Menge eigentlich viel zu viel gewesen sei. „Ich war aber dennoch glücklich darüber, weil ich so einen guten Vorrat hatte“, erklärte der Mann. „Könnten Sie sich vorstellen, dass das Thema Drogen ab heute für Sie beendet ist?“, fragte Richterin Kathrin Schmitt den Angeklagten, der klipp und klar mit „Ja“ antwortete.

Die Staatsanwaltschaft forderte im Plädoyer eine Strafe von einem Jahr und sechs Monaten, als positiv sei das Geständnis des Mannes zu werten. Weniger gut war nach der Meinung des Anklägers die Tatsache, dass der Mann die Taten unter laufender und einschlägiger Bewährung verübt hatte. Frühere Bewährungen haben nicht gefruchtet, so der Staatsanwalt, der aber dennoch eine erneute Bewährung für möglich hielt. Allerdings solle der Mann 100 Arbeitsstunden ableisten oder eine kleine Geldstrafe berappen, zudem sollte wegen der Drogenverkäufe 10 000 Euro bei dem Angeklagten eingezogen werden.

Der Verteidiger des Mannes meinte, dass eine Freiheitsstrafe von lediglich zehn Monaten ausreiche, sein Mandant habe nicht um den heißen Brei herumgeredet. „Es war eine Dummheit, die Einsicht hat gesiegt“, so der Verteidiger.

„Es gab sehr viel Positives, der Angeklagte machte einen ehrlichen Eindruck. Außerdem hat er die Unterstützung seiner Familie und arbeitet. Die Chancen stehen gut, dass wir uns im Gerichtssaal nicht mehr sehen“, so Richterin Schmitt bei der Urteilsverkündung. Als weitere Auflage muss der 37-jährige Mann allerdings noch 600 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen oder 100 Stunden soziale Arbeit verrichten.