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Formel 1
Ricciardo siegt bei der „Kaffeefahrt“

Monaco. Australischer Formel-1-Pilot gewinnt den Großen Preis von Monaco vor Sebastian Vettel und Lewis Hamilton.

Die geballte Faust in der Auslaufrunde in den Himmel gereckt, sich aus seinem Cockpit geschält und von seinem Red-Bull-Boliden den Mechanikern in die Arme „geflogen“ – Daniel Ricciardo ist der „fürstliche“ Sieger des großen Preises von Monaco. Mit seinem siebten Sieg im 136. Grand Prix bescherte der Australier seinem Red-Bull-Rennstall das passende Geschenk zum 250. Formel-1-Rennen. Und das trotz technischer Gebrechen mit Schaltproblemen und ohne siebten Gang. „Ich hatte nur noch sechs Gänge. Gegen Rennmitte gab es eine Phase, wo ich zu zweifeln begann. Aber ich habe Monaco gewonnen“, jubelte Ricciardo, der richtig gelöst wirkte. „Es war das beste Wochenende meiner Karriere. Heute kann ich richtig Emotionen zeigen“, sagte er noch vor der Siegerehrung und der Champagnerdusche in der Fürstenloge.

Als Ricciardo dann Fürstin Charlène die Schampusflasche reichte und diese zu einem Schluck ansetzte, tobte das Volk auf dem Boulevard Albert. „Zwei Jahre hat es gedauert, nun haben wir uns den Sieg zurückgeholt“, sagte er freudestrahlend. 2016 ging der „Aussie“ ebenfalls von der Pole Position in den Monaco-Grand-Prix, doch ein Fehler seiner Boxenmannschaft kostete ihn den sicheren Sieg. Diesmal segelte der „Gute-Laune-Bulle“ mit dem strahlenden Killerlächeln am ganzen Monaco-Wochenende auf Siegkurs. Er hatte alle Trainingssitzungen dominiert, raste auf die Pole Position und am Sonntag zum Sieg. Daniel Ricciardo ist der dritte Australier nach Jack Brabham und Mark Webber, der den Klassiker im Fürstentum gewonnen hat.

Red-Bull-Teamchef Christian Horner lobte seinen Angestellten über den grünen Klee als „Helden“ und geriet förmlich ins Schwärmen: „Daniel ist ein unglaubliches Rennen gefahren. Er gab nie auf. Es war, als wäre es eine Kaffeefahrt gewesen. Ich kann ihn nicht ausreichend dafür loben. Er ist der perfekte Rennfahrer.“ Lobende Worte für den Sieger fand auch der Monaco-Zweite Sebastian Vettel. „Wir hatten das Tempo, aber das Rennen war schwierig. Daniel war stärker. Er hatte auf alles immer die richtige Antwort“, so der Ferrari-Pilot. Er sei nie in der Position gewesen, Ricciardo anzugreifen. „Wir waren nie gefährlich in der Nähe.“ Immerhin hat der Heppenheimer (96 Punkte) als WM-Zweiter ein paar Zähler gutgemacht auf den Führenden Hamilton (110).



Das Auto-Roulette im Zocker- und Steuerparadies Monte Carlo war bis zur 72. von 78 Runden mehr oder weniger eine Sonntagnachmittags-Prozession ohne besondere Höhepunkte. Doch sechs Umläufe vor Ende krachte es dann doch noch heftig. Lokalmatador Charles Leclerc, der seinen ersten Heim-Grand-Prix bestritt, war mit seinem Sauber dem Neuseeländer Brendon Hartley mit vollem Karacho ins Heck dessen Toro Rosso gekracht. Der Monegasse hatte noch versucht, sich ausgangs des Tunnels in der Hafenschikane ganz zur Leitplanke zu quetschen, aber da war einfach nicht genug Platz. Wegen defekter Bremsen hatte Leclerc keine Chance, die Kollision mit Hartley zu verhindern. Beide Fahrer blieben unverletzt, für Leclerc war das Rennen beendet.

„Überholfürst“ des Tages war Max Verstappen. Der Teamkollege von Sieger Daniel Ricciardo stand in Monaco mit dem Rücken zur Wand. Nach dem Unfall im dritten Training hagelte es reichlich Kritik am Red-Bull-Piloten, zudem startete er nach Getriebewechsel und Strafversetzung nur von Platz 20 ins Rennen. Doch „Mad“ Max (Verrückter Max) rollte das Feld von hinten auf, machte elf Positionen gut und holte als Neunter noch zwei WM-Punkte.