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Enquete-Kommision des Landtags
Rheinland-Pfalz will beim Tourismus aufholen

Werbe-Ikone für den Tourismus in Rheinland-Pfalz: Die Loreley, in der aktuellen Saison repräsentiert von Tasmin Sophie Fetz.
Werbe-Ikone für den Tourismus in Rheinland-Pfalz: Die Loreley, in der aktuellen Saison repräsentiert von Tasmin Sophie Fetz. FOTO: dpa / Arne Dedert
Mainz. In bislang 14 Sitzungen hat die Enquete-Kommission des Mainzer Landtags das Reisen an Rhein und Mosel unter die Lupe genommen. Jetzt legten die Abgeordneten eine Halbzeitbilanz vor. Resümee: Da geht noch was.

Natur, Geschichte und Wein – Rheinland-Pfalz hat Reisenden viel zu bieten, bleibt aber im Tourismus hinter seinen Möglichkeiten zurück. So lautet jedenfalls das Resümee des Zwischenberichts der Enquete-Kommission des Mainzer Landtags. „Mit dieser Halbzeitbilanz geben wir der Landesregierung ein großes Aufgabenheft in die Hand“, sagt die Kommissionsvorsitzende Ellen Demuth (CDU).

Eingerichtet wurde die Enquete-Kommission im April 2017 mit dem Auftrag, eine Tourismus-Strategie für das Jahr 2025 zu entwickeln. Diese soll die Ergebnisse einer Evaluierung, also Überprüfung der Strategie 2015 aufnehmen. Als beratende Teilnehmer wirken der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), der Tourismus und Heilbäderverband, die Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH, der Städte- und Landkreistag sowie die Industrie- und Handelskammer (IHK) mit.

Die drei die rheinland-pfälzische landesregierung tragenden Fraktionen SPD, FDP und Grüne gelangten mit der CDU zu einer gemeinsamen Position für den Zwischenbericht. „Alle waren um Einigkeit bemüht, dass man gemeinsam einen Weg beschreiten will“, sagt Demuth. Eine abweichende Stellungnahme formulierte die AfD-Fraktion: Der Tourismus sei „wesentlich von der Liebe zur eigenen Heimat her zu gestalten“. Den Abschlussbericht der Enquete strebt Demuth bis Ende 2019 oder Anfang 2020 an.



Zu den Hausaufgaben an die Mainzer Landesregierung gehört die Entwicklung einer neuen Dachmarke – die bisherige Tourismus-Werbung mit „Gastlandschaften“ als gemeinsamer Nenner von zehn regionalen Marken bleibt im Weinland Rheinland-Pfalz merkwürdig nüchtern, weckt keinerlei Emotionen. „Wir wollen gerne einen Slogan, mit dem sich jeder identifizieren kann“, sagt Demuth. Eine Idee sei, die künftige Dachmarke mit dem Thema Wein zu verknüpfen.

Die Enquete-Kommission formuliert ihren Wunsch zur Dachmarke so: „Am Anfang der Customer Journey steht die Inspiration.“ Der Fachbegriff aus dem Marketing steht für den Entscheidungsprozess eines Kunden für ein bestimmtes Produkt. Bereits der erste Kontakt mit Rheinland-Pfalz müsse „bestimmte Sehnsüchte und Assoziationen“ hervorrufen, heißt es im Zwischenbericht. Als Beispiel nennt Demuth die Kampagne von Schleswig-Holstein unter dem Motto „der echte Norden“.

Geplant sei nicht nur eine Tourismus-Dachmarke, sondern eine Marke für den Wirtschaftsstandort mit den drei Pfeilern Außenwirtschaft, Wein und Tourismus, erklärt der Geschäftsführer der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH, Stefan Zindler. „Der Wein könnte das zentrale und verbindende Element sein.“ Damit habe Rheinland-Pfalz national wie international ein Alleinstellungsmerkmal, das auch Gefühle anspreche. „Wir müssen den Mut haben, in der Markenentwicklung zuzuspitzen“, empfiehlt der Tourismus-Manager.

„Insgesamt dokumentierten die Zahlen eine deutlich unterdurchschnittliche Entwicklung des Landes“, stellt der soeben beschlossene Zwischenbericht fest. Zwar stieg die Zahl der Übernachtungen in Rheinland-Pfalz von 2005 bis 2015 um neun Prozent – bundesweit aber um 26,8 Prozent. Und es wird moniert, dass in Rheinland-Pfalz überdurchschnittlich viele Gäste auf Campingplätze übernachteten „und somit in einem Bereich mit vergleichsweise geringer Wertschöpfung“. Die Hotellerie hingegen werde weniger genutzt als in anderen Bundesländern.

„Rheinland-Pfalz hat in den letzten Jahren Marktanteile verloren“, bedauert die gemeinsame Stellungnahme der vier Fraktionen SPD, CDU, FDP und Grüne. Das Land profitiere nur mäßig vom allgemeinen Boom im Städtetourismus. Zwar sei die Tourismusbranche ein stabiler Wirtschaftsfaktor. Digitalisierung, der Generationswechsel in der Gastronomie und der Fachkräftebedarf stellten die Branche aber vor große Herausforderungen.

Bei der Digitalisierung verlangt der Zwischenbericht: „Kostenfreie WLan-Hotspots in allen öffentlichen touristischen Attraktionen und Sehenswürdigkeiten müssen eine Selbstverständlichkeit werden.“ Auch für die Büros der Tourist-Information wird dies empfohlen. „Der Gast setzt voraus, dass WLan überall funktioniert“, sagt Demuth. „Einen halben Tag darf mal die Dusche im Hotel nicht funktionieren – aber das WLan muss stehen.“

Änderungsbedarf sieht die Kommission in der organisatorischen Aufstellung für die Tourismusförderung: „Die Struktur des Tourismus in Rheinland-Pfalz ist nach Auffassung der Enquete-Kommission zu kleinteilig.“ Durch Konzentration und Bündelung könne eine effizientere Mittelverwendung erreicht werden.

Als weiteres Ziel nennt Demuth die „Entsaisonalisierung“ – die künftige Tourismus-Strategie müsse auf Angebote setzen, die auch außerhalb der Hauptsaison attraktiv seien. Dazu gehörten neben Städtereisen der Kultur- und Tagungstourismus. Auch von den Chancen im Gesundheitstourismus möchte Rheinland-Pfalz gern profitieren – manche schauen da mit Interesse über die nördliche Landesgrenze auf Bad Godesberg, wo jedes Jahr Hunderte von Patienten zu einem Klinikbesuch anreisen, viele von ihnen aus arabischen Ländern.

Die Kommissionsvorsitzende Ellen Demuth ist zuversichtlich, dass die Enquete-Empfehlungen an die Landesregierung nicht im Sand verlaufen werden: „Das scheint auf gutem Weg zu sein.“ Dass zur touristischen Attraktivität auch eine zeitgemäße Gestaltung von der Baukultur bis zum Web-Auftritt gehört, betont in der jüngsten Sitzung der Enquete-Kommission Annette Müller von der Architektenkammer Rheinland-Pfalz: „Wir haben viel Potenzial und sollten das konsequent ausbauen.“