| 20:23 Uhr

Formel-1-Pilot
Rennfahrer-Legende Lauda und das Leben am Limit

 Die rote Mütze war Niki Laudas Markenzeichen.  Foto: Sandvoss/ picture alliance
Die rote Mütze war Niki Laudas Markenzeichen. Foto: Sandvoss/ picture alliance FOTO: picture alliance / Mandoga Media / dpa Picture-Alliance / Alexander Sandvoss
Von Gerrit Dauelsberg

Als Niki Lauda Formel-1-Rennen fuhr, saß der Tod immer mit im Cockpit. „Wir haben am Limit gelebt“, sagte der Österreicher einmal. Die damalige Generation konnte gar nicht anders, weil sie nicht gewusst habe, „wann unser Leben vorbei sein würde“. Während Laudas aktiver Zeit – zwischen 1971 und 1979 sowie von 1982 bis 1985 – starben elf Fahrer an Rennwochenenden oder bei Formel-1-Testfahrten. Zum Vergleich: In den vergangenen 25 Jahren gab es gerade einmal zwei Todesfälle.

Dass Laudas Leben nicht am 1. August 1976 endete, verdankte Niki Lauda seinen Ärzten, seinem Überlebenswillen – und nicht zuletzt Arturo Merzario. Der italienische Rennfahrer zog den bewusstlosen Lauda beim Großen Preis von Deutschland aus dem brennenden Auto. Vermutlich aufgrund eines technischen Defektes hatte der Ferrari-Pilot die Kontrolle über sein Auto verloren und war gegen einen Erdwall geprallt. In der Ludwigshafener Klinik erhielt der Österreicher die letzte Ölung. Doch Lauda überlebte. „Aus seiner Lunge haben wir permanent ein schwarzes Sekret abgesogen, das war das Plastik aus der Karosserie, das er inhaliert hatte“, sagte einer der Ärzte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Lauda Gesicht blieb zeitlebens von seinen schweren Verbrennungen gezeichnet. Ins Cockpit stieg er allerdings schon 42 Tage nach dem Horror-Unfall wieder – unter Schmerzen und sehr zum Unwillen seiner damaligen Frau Marlene. Als Sportler sei er eben kein Familienmensch, sondern ein brutaler Egoist gewesen, sagte er später. Das legendäre 76er WM-Duell gegen den Briten James Hunt, das 2013 verfilmt wurde, verlor Lauda allerdings. Dafür wurde der Österreicher 1975 und 1977 im Ferrari sowie 1984 im McLaren Weltmeister – seine größten sportlichen Triumphe.



Erfolgreich war Lauda, der 1949 in Wien als Sohn eines Industriellen geboren wurde, auch als Unternehmer. 1979 gründete er die Fluglinie „Lauda Air“. Als Firmenchef erlebte er 1991 seinen zweiten großen Schicksalsschlag. Beim Absturz einer seiner Maschinen starben 223 Menschen.Der Formel 1 blieb Lauda erhalten: 22 Jahre als TV-Experte bei RTL, als Berater bei Ferrari, Teamchef bei Jaguar und zuletzt seit 2012 als Aufsichtsratsvorsitzender des Mercedes-Teams.

Bis zuletzt litt er jedoch an den Spätfolgen seines Unfalls. Er bekam zwei neue Nieren und 2018 eine Lungentransplantation. Nachdem er sich anfänglich davon zu erholen schien, kam Anfang 2019 der Rückfall. Am 20. Mai starb die Rennfahrer-Legende schließlich mit 70 Jahren – fast 43 Jahre, nachdem Lauda bereits einmal die letzte Ölung erhalten hatte.