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China verstärkt Maßnahmen
Corona-Fälle auf neuem Rekordhoch

  In zehn bis 14 Tagen soll der Höhepunkt der Corona-Epidemie erreicht sein. Hier gestikulieren Mediziner durch ein Fenster im Städtischen Krankenhaus von Zhangzhou, das auf die Behandlung solcher Infektionen spezialisiert ist.  
In zehn bis 14 Tagen soll der Höhepunkt der Corona-Epidemie erreicht sein. Hier gestikulieren Mediziner durch ein Fenster im Städtischen Krankenhaus von Zhangzhou, das auf die Behandlung solcher Infektionen spezialisiert ist.   FOTO: dpa / -
Peking. Die Infektion mit dem Coronavirus hat in China inzwischen mehr Menschenleben gefordert als die Sars-Epidemie vor 17 Jahren. dpa

Die Coronavirus-Epidemie wird ihren Höhepunkt nach Einschätzung chinesischer Experten erst in zehn Tagen bis zwei Wochen erreichen. Dafür müssten aber vorbeugende Maßnahmen verstärkt werden, sagte der Chef des nationalen Expertenteams im Kampf gegen das Coronavirus, Zhong Nanshan, nach Angaben chinesischer Staatsmedien vom Montag. „Wir dürfen in unserer Wachsamkeit nicht nachlassen.“ Damit korrigierte er seine Einschätzung von vor einer Woche, als er den Höhepunkt noch für Ende dieser Woche vorhergesagt hatte.

Der Ausbruch der Krankheit hat in Festland-China mittlerweile mehr Menschenleben gefordert als die Sars-Pandemie vor 17 Jahren. Die Gesundheitskommission in Peking meldete am Montag den bisher stärksten Anstieg der Infektionen und Todesfälle innerhalb eines Tages. Die Zahl der Toten in China erhöhte sich auf 361, die Zahl der bestätigten Infektionen in China kletterte sprunghaft um 2829 auf 17 205 Fälle. Die Gesundheitskommission sprach zudem von mehr als 20 000 Verdachtsfällen. Bei der Sars-Pandemie (Schwere Akute Atemwegssyndrom) 2002/2003 hatte es 349 Todesfälle in Festland-China gegeben. Hinzu kamen damals 299 Tote in Hongkong, weltweit waren es 774 Tote. Beim aktuellen Corona-Ausbruch gibt es außerhalb von Festland-China bislang erst einen bekannten Todesfall – auf den Philippinen.

Die internationalen Kreuzfahrt-Reedereien lassen künftig keine Passagiere oder Besatzungsmitglieder mehr an Bord, die in den vergangenen 14 Tagen auf dem chinesischen Festland unterwegs waren. Das teilte der internationale Kreuzfahrt-Verband CLIA mit.



Weltweit sind rund 180 Erkrankungen durch das Virus in zwei Dutzend anderen Ländern bestätigt. In den USA waren bis Montagmorgen acht Fälle bestätigt. In Deutschland ist das Virus bei zwölf Menschen nachgewiesen. Unter ihnen sind zwei Deutsche, die am Samstag aus China ausgeflogen wurden. Ihnen ging es nach Einschätzung der Ärzte vom Sonntag gut. Die beiden waren mit 122 weiteren Deutschen und deren Angehörigen mit einem Bundeswehrflugzeug aus Wuhan nach Frankfurt am Main gebracht worden.

Auch immer mehr andere Länder holen ihre Staatsbürger heim. In Frankreich traf am Sonntag ein zweiter Flieger mit 250 Rückkehrern aus Wuhan ein. Bei etwa 20 Passagieren, die wegen Symptomen unter Beobachtung standen, fielen Tests negativ aus. In Frankreich sind bisher sechs Virus-Fälle bestätigt. Acht der zehn Infizierten in Deutschland haben sich hierzulande mit dem Erreger angesteckt. Ihre Fälle stehen in Zusammenhang mit der Firma Webasto in Bayern, die chinesische Mitarbeiter zu Besuch hatte. Angesteckt haben sich sieben Angestellte des Autozulieferers und das Kind eines Infizierten. Ein weiterer infizierter Deutscher wurde auf der Kanareninsel La Gomera registriert. Er soll Kontakt zu einem in Deutschland infizierten Patienten gehabt haben.

Unterdessen streicht die Lufthansa-Gruppe wegen des Coronavirus weitere Flüge nach China. Die Maßnahme umfasst auch die Töchter Swiss und Austrian, wie der Konzern am Montag in Frankfurt mitteilte. Peking und Shanghai werden bis zum 29. Februar nicht mehr angeflogen, die übrigen Ziele Nanjing, Shenyang und Qingdao sogar bis zum Ende des Winterflugplans am 28. März.

China hat seinen Staatsbürgern von Reisen ins Ausland abgeraten und bekämpft die Ausbreitung im Land mit radikalen Maßnahmen. In der Krisenregion in Zentralchina wurden 45 Millionen Menschen in mehreren Städten abgeschottet, indem die Verkehrsverbindungen gekappt wurden. Auch andere Städte  haben Überlandverbindungen ausgesetzt oder reduziert. In Wuhan wurde nach weniger als zwei Wochen Bauzeit das erste von zwei Notkrankenhäusern eröffnet. Rund 1400 Medizin-Kräfte betreiben das Hospital.