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Urteil am Landgericht Zweibrücken
Zweieinhalb Jahre Jugendstrafe für Pirat

Der Somalier gehörte einer Piratengruppe an, die 2012 zehn Monate einen Öltanker gekapert und die Besatzung als Geiseln nahm (Symbolbild).
Der Somalier gehörte einer Piratengruppe an, die 2012 zehn Monate einen Öltanker gekapert und die Besatzung als Geiseln nahm (Symbolbild). FOTO: picture alliance / dpa / Eva Krafczyk
Zweibrücken. Das Landgericht Zweibrücken hält dem jungen Somalier zugute, dass er gestanden hat und um Integration bemüht ist. Von David Oliver Betz

Zu zweieinhalb Jahren Jugendstrafe ist ein junger Somalier gestern am Landgericht Zweibrücken verurteilt worden. Das Gericht sah es als erweisen an, dass er bei einer Schiffsentführung durch Piraten als Helfer mitgewirkt hatte. Da er jedoch nur Befehlsempfänger war und an der Tatplanung nicht beteiligt war, wurde er nur wegen Beihilfe verurteilt. Noch im Gerichtsaal akzeptierte er die Strafe, das Urteil ist somit rechtskräftig.

Im Mai 2012 kaperten rund 50 Somalier vor dem Oman einen Öltanker einer griechischen Reederei und schleppten ihn vor die Küste Somalias. Dort hielten Schiff und 26 Besatzungsmitglieder bis März 2013 in ihrer Gewalt, forderten – und bekamen – 13 Millionen US-Dollar Lösegeld. Das Schiff war mit 135 000 Tonnen Rohöl beladen und hatte samt Ladung einen Wert von rund 130 Millionen US-Dollar.

Der gestern Verurteilte junge Mann war zum Tatzeitpunkt vermutlich zwischen 18 und 21 Jahren alt. Das legte auch ein im Laufe des Prozess gemachtes Gutachten nahe. Daher, so der Richter, komme Jugendstrafrecht zur Anwendung. Der junge Mann hatte zunächst an Land Ziegen und Schafe gehütet, die zur Verpflegung von Piratencrew und Geißeln dienten. Später war er dann auch auf dem Schiff eingeteilt, wo er die Geiseln bewachte und mit einem AK 47-Gewehr in Schach hielt. Vom Lösegeld kassierte er 5000 Dollar, was etwa 100 somalischen Monatslöhnen entspricht. Von dem Geld floh er über Schweden nach Deutschland, wo er schließlich einen Asylantrag stellte. Dabei musste er Fingerabdrücke abgeben. Diese waren vom amerikanischen Navy CIS am Schiff gefunden worden und in einer Datenbank gesichert. So kam man dem jungen Mann letztendlich auf die Schliche.



Das Gericht erkannte in seiner Urteilsbegründung an, dass der Angeklagte stets kooperativ und glaubhaft gewesen sei. Der Mann hatte voll umfänglich gestanden und mehrere Zeugen sagten aus, dass er sehr höflich, umgänglich und sehr kooperativ bei den verschiedenen Vernehmungen gewesen sei. Dieser Eindruck bestätigte sich im Laufe der Verhandlung mehrfach. Der Richter hielt dem Angeklagten zugute, dass er alles erzählt habe, was er über die Entführung wusste und auch Namen der Strippenzieher genannt hatte. Dies wiederum werde dazu führen, dass er in Somalia – und selbst in Deutschland – um sein Leben fürchten müsse. Auch deshalb falle das Urteil vergleichsweise milde aus.

Zudem habe er sich weder in Schweden noch in Deutschland etwas zuschulde kommen lassen, sei um Integration bemüht und nutzte die Untersuchungshaft, um weiter Deutsch zu lernen und im Gefängnis zu arbeiten. „Wir wünschen Ihnen für die Zukunft alles erdenklich Gute“, sagte der Richter abschließend. Er gehe davon aus, dass der junge Mann wegen guter Führung nicht die komplette Strafe wird absitzen müssen, wenn er sich weiterhin engagiere. „Allerdings entscheiden das nicht wir“, erklärte der Richter.

Der Somalier nahm das Urteil an und verzichtet auf weitere Rechtsmittel. Staatsanwaltschaft und Verteidigung legten auch keine Revision ein, sodass das Urteil sofort rechtskräftig ist.