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Zweibrücker Oberbürgermeister einen Monat und 24 Tage im Amt
Wosnitza hat ersten Sturm heil überstanden

 Mit der Zeitungslektüre startet der neue Oberbürgermeister Marold Wosnitza seinen Arbeitstag im Zweibrücker Rathaus.
Mit der Zeitungslektüre startet der neue Oberbürgermeister Marold Wosnitza seinen Arbeitstag im Zweibrücker Rathaus. FOTO: Volker Baumann
Zweibrücken. Der neue Zweibrücker Oberbürgermeister ist heute genau einen Monat und 24 Tage im Amt und zieht seine erste Zwischenbilanz. Von Manuel Görtz

Den ersten Sturm hat der neue Zweibrücker Oberbürgermeister Marold Wosnitza bereits unbeschadet überstanden. Nur knapp einen Monat war der SPD-Mann im Amt, da besetzte am 12. Januar eine Schar wildgewordener Narren das Rathaus. Die Sieben-Meilen-Stiefel, die die Vertreter der Zweibrücker Karnevalsvereine dem frischgebackenen Stadtoberhaupt damals in Anlehnung an seine beim Haustür-Wahlkampf im Herbst getragenen roten Turnschuhe überreichten, damit er immer im Volk unterwegs sein kann, stehen heute noch in seiner Amtsstube. Neben dem Flipchart, einem überdimensionalen Schreibblock, auf dem der Oberbürgermeister nach seiner ersten Klausursitzung im Januar mit den Mitgliedern des Stadtvorstands, Amtsleitern und Vertretern der städtischen Tochterunternehmen Schwerpunkte der künftigen Stadtentwicklung skizziert hat.

„Die Herausforderung wird die Innenstadt bleiben“, sagt Wosnitza im Gespräch mit dem Pfälzischen Merkur und meint damit auch die Frage, wie man die Attraktivität der City vor dem Hintergrund bereits laufender beziehungsweise sich abzeichnender großer Veränderungen im Einzelhandel und in der Altersstruktur der Bevölkerung erhalten und verbessern kann. „Aber auch die Vororte dürfen nicht zu kurz kommen.“

In der vergangenen Woche hatte der neue Oberbürgermeister seine erste Bürgersprechstunde. Sie war ausgebucht. In den zwei Stunden hatten sechs Zweibrücker jeweils 20 Minuten lang die Gelegenheit, ihre Anliegen vorzubringen. Es ging dabei etwa um Anwohnerparkplätze, das Tierheim und um Vorschläge, wie man die Stadt voranbringen und umgestalten kann. Wosnitza lobt die „kreativen Ideen“, die die Bürgerinnen und Bürger für die Weiterentwicklung Zweibrückens vorgebracht haben und bezeichnet die Sprechstunde denn auch als vollen Erfolg.



Das neu eingeführte Sprechstunden-Reservierungssystem, bei dem sich die Bürger per Internet, aber auch persönlich im Rathaus für ein Gespräch mit dem Stadtoberhaupt anmelden können und das Wosnitza bereits als Professor an der Hochschule Aachen angewandt hatte, habe sich ebenfalls bewährt. Bei der nächsten Bürgersprechstunde steht Bürgermeister Christian Gauf (CDU) Rede und Antwort, es folgt der Beigeordnete Henno Pirmann (SPD) und dann ist wieder Rathaus-Chef Wosnitza dran.

Bis dahin wird der neue Oberbürgermeister wohl etliche weitere Antrittsbesuche mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und sonstigen Institutionen hinter sich haben, die derzeit seinen Terminkalender fast zum Überlaufen bringen. „Man muss sich die ersten drei Monate durchgetaktet mit solchen Gesprächen vorstellen“, beschreibt er seinen derzeitigen Arbeitsalltag. „Bis Ende März ist mein Kalender ziemlich voll.“ Danach könne er vertieft in die Sacharbeit einsteigen, um die Vorhaben umzusetzen, die er etwa beim Neujahrsempfang Ende Januar angekündigt hat.

So sollen Bürger künftig einfacher per Internet mit den städtischen Ämtern kommunizieren und viele Verwaltungsgeschäfte online erledigen können. Mit einem neuen Tourismuskonzept will Wosnitza das Landgestüt aufwerten, das Wander- und Fahrradwegenetz ausbauen und ein neues Zentrum für Existenzgründer im ehemaligen Finanzamt-Gebäude in der Gymnasiumstraße schaffen. Die beiden bestehenden Einrichtungen auf dem Kreuzberg und dem Flugplatz-Gelände seien voll belegt, „Kapazitäten für Start-ups fehlen uns an allen Ecken und Kanten“, sagt der Oberbürgermeister und fügt hinzu: „Es gibt viele Menschen in der Stadt, die Unternehmen gründen wollen und günstige Geschäftsräume brauchen.“

Bei der Umsetzung seiner Vorhaben vertraut der neue Oberbürgermeister auf sein „hervorragendes Team“ in der Stadtverwaltung, wie er selbst sagt. Bereits unmittelbar nach seiner Amtseinführung habe er festgestellt, dass es ein „Höchstmaß an Kooperationsbereitschaft bei den Leuten in der Verwaltung“ gibt, lobt Wosnitza. Das habe ihm seinen Start als Verwaltungschef sehr erleichtert.

Und wie sieht sein Arbeitsalltag aus? „Ich bin um halb acht morgens da. Zwischen acht und zehn Uhr abends ist dann Schluss“, berichtet Wosnitza und findet seine Zwölfeinhalb- bis 14-Stunden-Arbeitstage auch nicht weiter schlimm. „Man weiß, worauf man sich einlässt, wenn man Oberbürgermeister werden will.“

Tagsüber kümmert sich Wosnitza nach eigenen Worten um die Verwaltungsarbeit, trifft sich mit Menschen aus Politik, Wirtschaft, Vereinen und sonstigen Interessensvertretern, Abends und an den Wochenenden stehen dann verschiedene Veranstaltungen auf dem Programm. „Ich genieße es, dort hinzukommen“, sagt der neue Oberbürgermeister, der heute genau einen Monat und 24 Tage im Amt ist. Schließlich seien Veranstaltungen hervorragende Gelegenheiten, mit vielen Bürgern ins Gespräch zu kommen.