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Prozess
Betrug und viel dubioses Personal

FOTO: dpa / Volker Hartmann
Zweibrücken. Eine Immobilienmaklerin soll einen Kunden um 107 000 Euro erleichtert haben. Von David Oliver Betz

Es gibt Prozesse, die kommen dem Beobachter vor, wie ein ganz, ganz schlechter Film: Der Betrugsprozess gegen eine 55-jährige Zweibrücker Maklerin ist einer dieser Sorte. Ein Mann aus Überherrn im Saarland wollte ein altes Bauernhaus verkaufen, die Maklerin sollte den richtigen Käufer finden. Wegen der Flüchtlingswelle in dieser Zeit witterten offenbar einige der Beteiligten das ganz große Geld, wollten Migranten in dem Haus unterbringen. Bis dahin soweit ein normaler Vorgang.

Doch dann wurde die Geschichte immer verworrener, was auch der Grund dafür sein dürfte, dass Verhandlungstage bis in den November hinein terminiert wurden.

Die Maklerin arbeitet nämlich mit einigen Menschen zusammen, die ihr Kunden zuführen beziehungsweise die bei der Finanzierung mit den Banken sprechen, so auch in diesem Fall. Letztendlich wurden über zwei Jahre mehrere Kaufinteressenten von der Maklerin präsentiert, darunter ein Arzt und eine ehemalige Boxweltmeisterin.



Immer, wenn das Geschäft kurz vor dem Zustandekommen schien, forderte sie von dem Verkäufer Geld: Mal für den Notar, mal für die Bank – wobei im Prozess nicht klar wurde, warum man als Verkäufer Geld zahlen sollte, damit ein Käufer einen Kredit bekommt – und einmal sogar als Kredit für die Boxerin, die angeblich vor einem Boxstallwechsel gestanden habe. Zwischen 1500 und 18 500 Euro wurden dabei in 16 Schritten bezahlt, am Ende stand die Summe von 107 000 Euro – und ein Verkauf des Hauses war immer noch nicht zu realisieren.

Vor Gericht sagten nun etliche der an diesem seltsam anmutenden Immobiliengeschäft Beteiligten aus. Am besten brachte es die 80-jährige Mutter des Verkäufers auf den Punkt: „Wieso sollte man Geld bezahlen? Wenn man ein Haus verkauft, bekommt man doch Geld.“ Das seien ihre ersten Gedanken gewesen, als sie davon hörte, dass die Maklerin Geld haben wollte. Andererseits habe sie dem Sohn vertraut, auch wenn sie ihm gesagt habe, dass sie die Maklerin aufgrund ihres extrovertierten Auftretens – „Die sieht aus wie von der Kirmes“ – für nicht seriös gehalten habe. Auch der 86-jährige Vater des Geschädigten, der der Maklerin im Namen seines Sohnes insgesamt 32 000 Euro übergeben haben soll, bestätigte diesen Eindruck. Aber der Sohn sei arbeitslos geworden, und daher habe ihn das Ehepaar unterstützen wollen beim Hausverkauf. Wieso bei der Familie aber erst so spät der Groschen fiel, warum sie der Angeklagten immer wieder weiteres Geld übergaben, ohne Gegenleistung zu bekommen, blieb unklar.

Zeitweise war es kaum zu glauben, was da alles an Personal auf der Zeugenbank Platz nahm. Darunter waren unter anderen ein vorbestrafter Finanzdienstleister, ein Doktor, der für seine Forschung das Haus wollte, aber fast Pleite war, und nicht zuletzt die Angeklagte selbst und ihr Ex-Mann, bei dem sie als Makler arbeitet. Die Gemenge- und Interessenslage ist derart verworren, dass es dem Gericht wohl nicht leicht fallen wird, die Geschehnisse zu rekonstruieren. Denn immer wieder tauchten neue Namen und Unterhändler auf, die an den angeblichen Kaufversuchen beteiligt gewesen sein sollen.

Der Prozess wird am Mittwoch um 9.30 Uhr fortgesetzt.