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Nachfolger gesucht
Kölsch verlässt Landgestüt

Alexander Kölsch wechselt zur Stadtverwaltung Pirmasens. 
ArchivFoto: cvw
Alexander Kölsch wechselt zur Stadtverwaltung Pirmasens. ArchivFoto: cvw FOTO: Cordula von Waldow
Zweibrücken. Betreibergesellschaft sucht Nachfolger für Geschäftsführer. Defizit ist stark gesunken. Von Fritz Schäfer und Lutz Fröhlich

Die Pferdegala im März wird die letzte Veranstaltung sein, die Alexander Kölsch als Geschäftsführer der Landgestüt GmbH organisiert: Zum 1. April wechselt der 39-Jährige vom Zweibrücker Landgestüt als Chef des städtischen Gebäudemanagements nach Pirmasens. „Das war keine erfreuliche Nachricht für uns“, bedauert Bürgermeister Christian Gauf (CDU) die „überraschende“ Kündigung des Diplom-Ökonomen.

Die Stadt habe „sehr eng und gut“ mit Kölsch zusammengearbeitet, betont Gauf. Kölsch habe das Landgestüt zwölf Jahre „hervorragend betreut“. Seit 2006 arbeitete der Bottenbacher im Gestüt und seit 2008 führt er nach Übernahme der Einrichtung durch die stadtgeführte Stiftung vom Land für die Landgestüt GmbH (Hauptanteilseigner Pferdezuchtverband Rheinland-Pfalz/Saarland ist, weitere Anteile halten Stadt und Reit- und Fahrverein), das operative Geschäft.

Kölsch ist aber nicht ganz weg: „Ich bleibe weiter Vorsitzender des Reit- und Fahrvereins. Das Landgestüt liegt mir weiter am Herzen.“ Gauf freut sich, dass der Sachverstand des Noch-Geschäftsführers dem Landgestüt erhalten bleibt: „Jetzt geht es darum, schnellstmöglich einen qualifizierten Nachfolger zu finden.“ Bis zum 11. Januar können Interessierte sich per E-Mail an personal@lg-zw.de bewerben.



Die Person erwarte eine „interessante Aufgabe“, so Gauf. Vorkenntnisse im Bereich des Pferdes seien nicht erforderlich. Aufgaben seien die Führung eines Unternehmens, der Erhalt der historischen Anlage und die Planung von Großveranstaltungen. Hier habe Kölsch in den zurückliegenden Jahren einiges getan. Als das Land das Gestüt führte, habe es zwar auch Veranstaltungen gegeben, „aber bei weitem nicht so viele wie heute“. Mittlerweile gibt es jährlich rund 60 Veranstaltungstage, von denen viele vom Geschäftsführer organisiert sind.

Laut Gauf ist das Jahresdefizit des Landgestüts von rund 400 000 Euro unter Landesverantwortung auf 70 000 Euro reduziert worden. Mit dem Zukunftskonzept seien die Voraussetzungen gut, dass sich das Gestüt weiter entwickeln kann, sagt Kölsch. Es gebe eine mündliche Zusage des Landes, den Betrieb des Gestüts die nächsten drei Jahre zu fördern. Der Bezirksverband Pfalz unterstützt die Stiftung bei der Unterhaltung der Anlage (wir berichteten).

Das Land knüpft seine Zusage an Auflagen geknüpft: Die Förderung soll zurückgehen, im Rahmen bleiben und es Geld von Dritten geben. Das Thema „Unterstützungsfonds“ werde die Stadt angehen, kündigt Gauf an. Dabei können die Zweibrücker – Privatpersonen, Unternehmen, Institutionen – zeigen, „dass sie das Gestüt wollen“ und was es ihnen wert ist.

Am Vorabend hatte Stadtkämmerer Julian Dormann im Stadtrat informiert, dass auch die Stadt Geld für das Gestüt in den Haushalt stellen müsse, die jährliche Förderung betrage 35 000 Euro.

In anderthalbjährigen Gesprächen unter anderem mit dem Wirtschaftsministerium habe man auch geklärt, dass die Stadt keine Vertragsstrafe zahlen muss, wenn das Gestüt den Ex-Sportplatz der Stadt für den Kita-Bau überlässt, berichtete Dormann. Beim Gestüts-Verkauf vor zehn Jahren für einen Euro hatte sich das Land vertraglich garantieren lassen, dass auch Gestüts-Teilbereiche nicht zweckentfremdet werden dürfen. Die gefundene Lösung sieht nun vor, dass die Stadt das Grundstück für die Kita nicht gleich kauft, sondern für 30 Jahre pachtet und erst danach (wenn die Bindungsfrist ausgelaufen ist) kauft.

Dazu fragte Walter Rimbrecht (SPD), ob bei einer Insolvenz des Gestüts drohe, dass das Kita-Gelände vom Insolvenzverwalter an einen für die Stadt möglicherweise ungünstigen Investor veräußert werde. Dies sei „ein Hauptpunkt“ bei den aufwendigen Verhandlungen gewesen, antwortete Dormann. „Der Pachtvertrag sieht deshalb ein Vorkaufsrecht der Stadt vor, direkt wenn sich finanzielle Probleme andeuten, das wird dann von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer kontrolliert.“ Die Stadt sei aus diesem Grund zum dem Schluss gekommen: „Ein Risiko gibt es, aber es ist vertretbar.“