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Studenten fremdeln mit Zweibrücken
„Natürlich besteht hier Optimierungsbedarf“

Wie kann man mehr Studierende von der Hochschule auf dem Zweibrücker Kreuzberg in die Innenstadt locken?
Wie kann man mehr Studierende von der Hochschule auf dem Zweibrücker Kreuzberg in die Innenstadt locken? FOTO: Lutz Fröhlich
Zweibrücken. Hochschul-Präsident Hans-Joachim Schmidt sieht in mangelnden Angeboten und der schlechten Verkehrs­anbindung Probleme, warum Studenten und Stadt fremdeln. Von Eric Kolling

So manche Stadt wirbt stolz mit dem Slogan „Universitätsstadt“ oder „Hochschulstadt“. Nicht so Zweibrücken. Zwar verzeichnet die Niederlassung der Hochschule Kaiserslautern auf dem Kreuzberg-Campus im Wintersemester 2017/18 insgesamt 2767 Studenten – mehr als an beiden anderen Standorten Pirmasens (817) und Kaiserslautern (2735). Doch eine Liebesbeziehung zwischen Studenten und der Stadt über den Campus hinaus – das sieht anders aus.

Am Rande des Besuchs von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 24. Oktober hatte sich etwa die aus Bayern stammende Asta-Kovorsitzende Salome Schlemer über fehlende Angebote in der Stadt beklagt. Die einzige Disko habe geschlossen, es sei schwer, auswärtige Studenten von der Rosenstadt zu begeistern. Auch die öffentliche Verkehrsanbindung sei schlecht. Ein Faktor mit Gewicht, kommen doch die Studenten am Zweibrücker Campus zu je etwa 40 Prozent aus West- und Saarpfalz, der Rest von außerhalb. Diese Zahlen hatte der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Konrad Wolf (SPD, von 2009 bis 2016 Präsident der Hochschule) Anfang 2017 im Merkur-Redaktionsgespräch genannt.

Die Zweibrücker SPD hatte im Frühjahr 2017 via Ortsvereinschef Thorsten Gries und dem künftigen Oberbürgermeister Marold Wosnitza die Errichtung eines Innenstadt-Campus in dem großteils leerstehenden Ex-City-Outlet angeregt, um so ein „aktives studentisches Leben“ in die Innenstadt zu bringen – ein wichtiger Standortfaktor. Damit hatte man beim Genossen Oberbürgermeister Kurt Pirmann auf Granit gebissen. Dieses Frühjahr eröffnete dort immerhin ein „Visionarium“ – die Hochschule mietete einen Raum an, um ich zu präsentieren – offiziell einen „offenen Hörsaal und Ideenwerkstatt“. Das Visionarium mache die Hochschule direkt in der Stadt sichtbar und erlebbar, „wir begrüßen und fördern diese Initiative sehr“, sagt Hochschulpräsident Hans-Joachim Schmidt.



Er hat aber auch erkannt, dass das noch nicht reicht, um studentisches Leben und Stadtgeschehen zu verzahnen und findet, dass „im Zusammenwirken der Stadt mit der Hochschule und anderen Akteuren, wie zum Beispiel den Vereinen und der Gastronomie mehr getan werden könnte und müsste“. Zwar biete Zweibrücken bezahlbaren Wohnraum, Kulturveranstaltungen wie Euroclassic, das Stadtfest vielfältige Sportangebote. Doch das genüge nicht. Er teile zwar nicht die studentische Einschätzung, dass man die City nicht freiwillig besuchen würde. Aber die Stadt locke zu wenig. Schmidt: „Natürlich besteht hier Optimierungsbedarf vor allem im Bereich Freizeit und Unterhaltung. Wir hoffen, dass es gelingen wird, speziell in Innenstadt und Fußgängerzone neue Angebote anzusiedeln, die auch für Studierende attraktiv sind.“

Die Hochschule selbst ermutige ihre Studenten, das städtische Angebot zu nutzen, und wirke gegebenenfalls bei der Schaffung neuer Angebote mit. Um Bürger und Bildungseinrichtung zu verzahnen setze die Hochschule vor allem auf das Studienangebot selbst, aber auch auf „Aktivitäten im Technologie- und Wissenstransfer“ oder „Beteiligung von Hochschulvertretern an kommunalen Projekten und Initiativen“. Daneben lade man die Bürger „regelmäßig zu öffentlichen Veranstaltungen an die Hochschule ein, etwa zu der vielbesuchten Vortragsreihe des Naturwissenschaftlichen Vereins, zu Star-Trek-Vorlesungen oder zu unseren Tagen der offenen Tür“, sagt Schmidt (siehe „Hintergrund“). Auch stelle man den Audimax „gerne für Veranstaltungen zur Verfügung, zum Beispiel Podiumsdiskussionen, Modeschauen, Absolventenfeiern“.

Die Stadtverwaltung ihrerseits könne „studentische Initiativen zu fördern versuchen und die Hochschule und ihre Mitglieder überall dort einbinden, wo sie von deren Kompetenzen profitieren kann“, findet Schmidt. Weil das Thema Existenzgründung eine große Rolle in allen Studiengängen spiele, „ können zum Beispiel studentische Neugründungen in verschiedenen Bereichen auch direkt der Innenstadt zugutekommen“. Dafür müsste die Stadt aber bei Wirtschafts- und Gründungsförderung ein Klima schaffen, das Absolvierenden der Hochschule die Möglichkeit gebe, auch nach dem Studium in Zweibrücken erfolgreich zu bleiben, so Schmidt.

Diese Aufgabe steht also beim künftigen OB Marold Wosnitza schon ganz fett im Aufgabenheft. Er selbst hatte im Wahlkampf die Idee des Innenstadt-Campus nochmals aufgegriffen und „konkrete Vorschläge“ angekündigt, die bisher noch nicht vorliegen. Hochschul-Präsident Hans-Joachim Schmidt sieht es positiv, dass „Herr Wosnitza quasi als ehemaliger Kollege sozusagen die ‚Hochschulsprache‘ versteht und spricht“. Das werde „der Zusammenarbeit gewiss zusätzlich förderlich sein“. Doch auch seine Vorgänger hätten in den letzten 25 Jahren die Bedeutung der Hochschule auf dem Kreuzberg für die Stadtentwicklung unterstrichen.

In Sachen Verkehrsanbindung müsste Wosnitza hingegen das Wunder der Bahn-Reaktivierung zwischen Homburg und Zweibrücken bewirken. Schmidt: „Die bisherige Ablehnung des ‚Studierendentickets‘ durch die Zweibrücker Studierendenschaft hat nicht zuletzt ihren Grund in der suboptimalen Bahn- und Busanbindung Zweibrückens und natürlich des Hochschul-Campus.“ Nach einer schnellen Anbindung an den Fernverkehr würden die Studenten verstärkt via Zug kommen und die Stadtbusse könnten flotter getaktet zum Campus fahren. Wobei, so Schmidts Vorschlag, die Bustaktung ohnehin auf den Prüfstand gehöre, nicht zuletzt angesichts des „immer stärker wachsenden Wohngebiets und der Vielzahl der inzwischen dort angesiedelten Unternehmen.

Hochschul­präsident Hans-Joachim Schmidt
Hochschul­präsident Hans-Joachim Schmidt FOTO: Elisabeth Heil