| 23:56 Uhr

Bündnis Buntes Zweibrücken
Zweibrücker gedenken der Opfer der Reichspogromnacht

Zweibrücken. Am kommenden Donnerstag, 9. November, wird in Zweibrücken der „Reichskristallnacht“ gedacht, wie die Nazis die Pogrome vor 79 Jahren nannten. Das Bündnis Buntes Zweibrücken ruft die Bürger zu einer Kundgebung um 18 Uhr in der Ritterstraße am Ort der früheren Synagoge auf, teilt Wolfgang Ohler mit.

Anschließend werde man sich zur Kapelle am Himmelsberg begeben, wo Ohler mit seinen damaligen Partnern ab 19 Uhr die szenische Lesung „Die Träumer von Struthof“ wiederholt. Ohler schreibt: „Wir alle hoffen auf eine rege Teilnahme.“ Denn auch in Zweibrücken sei am 9. November 1938 Schreckliches geschehen: „Die Synagoge in der Ritterstraße wurde geschändet und in Brand gesteckt, eine Tafel erinnert daran. Die Häuser jüdischer Zweibrücker Bürger wurden geplündert, sie selbst nach Gurs in die Internierung geschickt, nur wenige haben den Terror überlebt.“ Es gibt noch Spuren, die an die jüdische Gemeinde in Zweibrücken erinnern. In der Fußgängerzone eine Tafel am Eingang zur früheren Judengasse. Zwischen Ölkorb im Klingeltal und Beckerswäldchen steht versteckt im Gebüsch ein Gedenkstein des alten Ixheimer Judenfriedhofs. Der spätere Stadtfriedhof der Juden ist als Teil des Hauptfriedhofes erhalten. In der Kaiserstraße erinnert eine Tafel an die früheren Bewohner des Hauses mit der Nummer 1, die jüdischen Familien Simon, Kern, Koch und Eskeles. Dort hatte Wilhelm Simon sein Textilgeschäft, das in der Reichspogromnacht geplündert wurde; dort wuchsen Gérard Koch und Harry Somers (so nannte er sich in der Emigration) als Kinder auf. Somers hat später seine Heimatstadt regelmäßig besucht, Koch ist als Künstler 1999 mit einer Ausstellung in seine Heimatstadt zurückgekommen; beide sind in den letzten Jahren verstorben. Eine Skulptur von Gérard Koch steht in der Eingangshalle des Zweibrücker Rathauses. Unvergessen auch die Lesung von Buddy und Gerti Elias, zu deren Familie Anne Frank gehörte, 2011 im Herzogsaal.

 Die Synagoge in der Ritterstraße wurde 1938 zerstört.
Die Synagoge in der Ritterstraße wurde 1938 zerstört. FOTO: Stadtarchiv