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Jahresbilanz für 2017
UBZ macht Millionenminus – ausnahmsweise

Die Mülldeponie ist der Grund für den 19-Millionen-Euro-Verlust des UBZ.
Die Mülldeponie ist der Grund für den 19-Millionen-Euro-Verlust des UBZ. FOTO: Lutz Fröhlich
Zweibrücken. Grund: Die Rückstellungen vor allem für die Deponie mussten neu berechnet werden. Die Gebühren für die Kunden sollen aber nicht steigen. Auch fließen die Zuwendungen an die Stadt wie gewohnt weiter. Der Rosengarten profitiert sogar besonders. Von Eric Kolling

Es liest sich im ersten Moment schockierend: Zweibrückens Goldesel, der Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken (UBZ), hat in seinem Geschäftsjahr 2017 einen Verlust von über 19 Millionen Euro ausgewiesen. „Zum ersten Mal in der Firmengeschichte“, wie Stephan Frank, der Leiter des UBZ-Rechnungswesens erläutert. Doch mit Einnahmeeinbrüchen oder gar Misswirtschaft habe das nichts zu tun. Vielmehr, so erläutern Frank und UBZ-Vize Nicole Hartfelder beim Gespräch mit dem Merkur, hätten die Rückstellungen der Stadttöchter vor allem für die Sanierung und Nachsorge der Mülldeponie auf Hinweis der Wirtschaftsprüfer neu bewertet werden müssen.

Die bisherigen Kalkulationen seien 20 Jahre alt gewesen, sie hätten etwa auf alten Inflationsraten basiert. Von den 1997 kalkulierten 70,1 Millionen Euro seien 47,4, Millionen in Anspruch genommen. Auch sei die Laufzeitverlängerung der Deponie durch die Errichtung eines fünften Abschnitts nicht berücksichtigt gewesen. Dies ist künftig der Fall – und hat dazu geführt, dass die Rückstellung von 22,7 Millionen Euro (Ende 2016) auf 55,5 Millionen (Ende 2017) aufgestockt werden musste. So wurde aus dem eigentlichen UBZ-Jahresgewinn von 11,7 Millionen Euro (2016 waren es 13,4 Mio., der Deponiegewinn lag bei 11,9 Mio.) das deutliche Minus. Das sei ein einmaliger Effekt, der sich auch „nur“ darauf auswirke, dass die ohnehin üppige Rücklage von 137 auf etwa 117 Millionen Euro schrumpfe. Maßnahmen, um diese Abschmelzung auszugleichen, seien nicht nötig, beteuert Frank. Das Finanzpolster des UBZ sei – Stand jetzt – mehr als ausreichend. Man hoffe sogar, dass in Jahrzehnten, wenn die Deponie verfüllt und renaturiert ist, ein Sparkästchen bereitsteht, dessen Inhalt wieder an die Bürger zurückfließen kann – etwa über niedrigere Entsorgungsgebühren.

Hoffnung auf weitere goldene Jahre bei den Deponieerlösen entspricht der Tatsache, dass es immer weniger Deponieraum in Rheinland-Pfalz gibt. Dadurch habe man die Erlöse fürs Rechenbachtal je abgelagerter Tonne verbessern können, heißt es im schriftlichen Geschäftsbericht 2017, den UBZ-Chef Werner Boßlet am 8. Juni 2018 unterzeichnet hat.



Auch die Zahlungen an die Stadt seien nicht eingeschränkt worden. Auch 2017 führte der UBZ rund 2,2 Millionen Euro für den Kommunalen Entschuldungsfonds ab – den auf 15 Jahre ausgelegten jährlichen Kaufpreisanteil an den Stadtwerken. Außerdem 243 000 Euro an hierzu fälligen Zinsen und 1,18 Millionen als 50-prozentigen Anteil aus dem Deponiegewinn. Bisher flossen davon 85 Prozent an die Stadt, doch die übrigen 35 Prozent erhalten nun ein neues Etikett: Der UBZ schüttet jetzt einen Teil für den Rosengarten aus. Es sind 570 000 Euro, die das Minus des Parks beinahe ausgleichen: Habe die Stadt jährlich rund 500 000 Euro Verlust erstatten müssen, liege dieser 2017 gerade noch bei 7000 Euro.

Von Rosengarten, Deponie und dem Dualen System Deutschland (17 000 Euro) abgesehen, hat der UBZ 2017 in all seinen Sparten Gewinne verbucht: Abwasserbeseitigung (958 000 Euro), Straßenreinigung (205 000), Betriebshof (99 000), Grünunterhaltung (84 000) und Friedhofsunterhaltung (165 000). Das Unternehmen tätigte Investitionen von 12,4 Millionen Euro, vor allem in die Modernisierung der Kläranlage (5,6 Mio.) und neue Fahrzeuge (1,3 Mio., neue Pritschenwagen und Multikipper für Deponie wurden angeschafft).

Derweil dürften die Verbrennungspreise pro Tonne im Müllheizkraftwerk Pirmasens bei 280 Euro bleiben. Es sei nicht erkennbar, dass sich dieser Preis bis Ende 2023 (so lange ist man vertraglich hier gebunden) wesentlich ändere.

Von 184 auf 193 Beschäftigte ist beim UBZ 2017 die Personalzahl gewachsen (sieben Arbeiter und zwei Angestellte mehr). Die Personalkosten stiegen auch infolge der Tariferhöhungen um 697 000 auf 9,75 Millionen Euro.