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60 Jahre Partnerschaft
Städte feiern Jumelage an Pfingsten

 Festbeflaggung am Rathaus von Boulogne machte deutlich.
Festbeflaggung am Rathaus von Boulogne machte deutlich. FOTO: privat
Zweibrücken. Zum 60. Geburtstag der Partnerschaft mit Boulogne-sur-Mer ist unter anderem ein Staffellauf nach Zweibrücken geplant. Von Jennifer Klein

60 Jahre alt wird die Städtepartnerschaft zwischen Zweibrücken und Boulogne-sur-Mer, der Heimat von Franck Ribéry, in diesem Jahr. Zeit, zu fragen, wie lebendig die von der Europa-Union vermittelte Jumelage nach all den Jahren noch ist. Ob sich die Hoffnung der Unterzeichner Maire Henri Henneguelle und Oberbürgermeister Oskar Munzinger, die Beziehung möge auch jenseits der offiziellen Begegnungen lebendig bleiben, erfüllt hat.

Für Berni Düker, Vorsitzender des Fördervereins der Städtepartnerschaft Zweibrücken – Boulogne-sur-Mer, ist die Antwort ein klares Ja.  „Auf Vereinsebene, aber auch privat gibt es auch 60 Jahre nach der Gründung zahlreiche Begegnungen, aus vielen ist eine Freundschaft geworden, die seit Jahren fortbesteht“, so Düker. So pflegen zum Beispiel die Zweibrücker Stadtkapelle und das Orchestre d‘Harmonie einen regen Austausch, haben auch schon gemeinsam eine CD aufgenommen, oder helfen sich auch mal mit Musikern aus, wenn Not am Mann ist, wie Düker berichtet. Zum Stadtfest kommen die Boulogner bekanntermaßen nach Zweibrücken und bieten dort traditionell „Moules“, also Muscheln, an, umgekehrt fahren die Zweibrücker zum Weihnachtsmarkt nach Boulogne-sur-Mer, wo sie Bratwurst und Bier verkaufen.

Tradition hat auch die alljährliche Pfingstbegegnung, zu der auch dieses Jahr wieder bis zu 300 Gäste aus Boulogne-sur-Mer erwartet werden, so Kulturamtsleiter Thilo Huble. Übernachten werden die Besucher überwiegend in privaten Unterkünften. Am Pfingstwochenende, 8. bis 10. Juni, wird dann auch der 60-jährige Geburtstag der Jumelage begangen. Am Programm wird noch gefeilt, erklärt Kulturamtsleiter Huble, aber klar ist: Samstags, am 8. Juni, soll es auf jeden Fall ein Marktkonzert geben, gestaltet von Stadtkapelle, Orchestre d‘Harmonie und Chören. Sportvereine können sich mit Vorführungen präsentieren. Eine Gruppe von Läufern aus Boulogne-sur-Mer will die Strecke zwischen den beiden Städten – rund 580 Kilometer – in Form eines Staffellaufes zurücklegen, der Zieleinlauf in Zweibrücken ist für sonntags geplant. Sonntags gibt es dann auch einen Festabend im Rosengarten.



Jugend, Sport, Kultur sind die drei Pfeiler der Partnerschaft, erklärt Kulturamtsleiter Huble, was sich ja auch im Festprogramm widerspiegelt. Schade sei, dass der Schüleraustausch in den vergangenen Jahren etwas eingeschlafen sei. Aber: „Erstmals fahren fünf Schüler der Stufe 12 der Berufsbildenden Schule  BBS Zweibrücken für ein Praktikum nach Boulogne-sur-Mer“, wie Lehrerin Anna Theresa Wendel berichtet, die den Austausch betreut. „Der Aufenthalt wird ermöglicht durch das Erasmus-Programm. Vier Wochen werden die Schüler in Boulogne bleiben und bei der dortigen Stadtverwaltung erste Berufserfahrungen sammeln“, erklärt Wendel.

Untergebracht sind die Schüler in einer Ferienwohnung, als Ansprechpartner in Boulogne betreuen Jean-Claude Etienne vom Sportamt der Stadtverwaltung und Pascale Vernieuwe vom Bildungszentrum Langues et Cultures die Zwölftklässler. Mit vergleichbaren Austauschen in Italien und Spanien, die die Schule seit Jahren regelmäßig anbietet, habe man gute Erfahrungen gemacht, sagt Anna Theresa Wendel, die das Austauschprogramm betreut und selbst Französisch unterrichtet. „Die Resonanz war durchweg sehr positiv.“ Anna Theresa Wendel ist selbst Mitglied im Förderverein der Städtepartnerschaft und war auch schon mehrfach in Boulogne. Die Partnerschaft weiter lebendig zu halten, ist ihr ein besonderes Anliegen – zumal viele junge Menschen kaum etwas darüber wüssten.

Dieselbe Erfahrung hat auch Huble gemacht. „Das ist natürlich auch der Globalisierung geschuldet, zu den Hochzeiten der Partnerschaft gab es noch mehr Treffen als jetzt“, sagt er. Wenn jeder in Urlaub nach Dubai oder in die Karibik jettet, ist Frankreich vielleicht schlicht nicht mehr so aufregend?  Möglicherweise mit ein Grund, warum die Resonanz auf die von der Stadt in Kooperation mit VHS und einem Reisebüro für September geplante Bürgerreise nach Boulogne-sur-Mer so verhalten ausfiel. „Mangels Anmeldungen mussten wir die Fahrt leider absagen“, bedauert Huble. Aber es sei organisatorisch nicht möglich gewesen, die Zimmerreservierungen noch länger offen zu halten. Umso mehr hofft man nun, dass sich die Bürger an den Jumelage-Feiern rege beteiligen und sich für die Partnerschaft zu engagieren.