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Triwo baut neuen Hangar
Zweibrücken überholt Ensheim bei Flugzahlen

Wird seit der Übernahme durch die Triwo 2015 nicht nur für (kleine) Flugzeuge, sondern auch als Kfz-Teststrecke genutzt: Die Landebahn des Flugplatzes Zweibrücken.
Wird seit der Übernahme durch die Triwo 2015 nicht nur für (kleine) Flugzeuge, sondern auch als Kfz-Teststrecke genutzt: Die Landebahn des Flugplatzes Zweibrücken. FOTO: -lo- ISDN/Mail / Triwo
Zweibrücken. Triwo-Chef ist zufrieden mit der Entwicklung des Flugplatzes: „Wir platzen aus allen Nähten“. Der Fluglärm soll bald geringer werden.

Der Testbetrieb mit Autoteilen auf dem privatisierten Flugplatz Zweibrücken läuft gut. Die Zahl der Flugbewegungen wird die des Flughafens Saarbrücken in diesem Jahr aller Voraussicht nach übersteigen. Der Triwo-Gewerbepark ist mit den derzeit verfügbaren gewerblichen Gebäuden voll vermietet. Diese positive Bilanz zog Triwo-Chef Peter Adrian am Dienstagabend bei einem Informationstreffen mit dem Zweibrücker Stadtrat in der ehemaligen Abflughalle, teilte gestern Stadtsprecher Heinz Braun mit.

Während die Flugbewegungen ein Jahr nach der Übernahme des 2014 insolvent gegangenen Flughafens nur bei 2440 gelegen hätten, seien sie in den Folgejahren von 4665 auf 9887 im vergangenen Jahr gestiegen. Für das laufende Jahr rechnet die Triwo laut Braun mit 11 000 Flugbewegungen. Saarbrücken-Ensheim hatte 2017 nur 10 774. In den letzten beiden Jahren mit Linienflugverkehr gab es in Zweibrücken jeweils rund 12 000 Flugbewegungen.

Es sei gelungen, den größten saarländischen Flugsportverein (Bexbach) nach Zweibrücken zu holen, erinnerte Adrian. Aber nicht nur der Verein steigere die Zahl der Flugbewegungen. Der Werftbetrieb entwickle sich sehr gut, sodass die Zahl der Beschäftigten dort steige. Ebenso seien die Transportflüge und die medizinischen Flüge, die bereits zu Zeiten des Flughafens Zweibrücken vorhanden waren, erfreulich hoch.



Adrian kündigte an, bald ein auf dem Stand der Technik basierendes Anflugverfahren einzurichten, um Anflüge noch weniger lärmbelastend für die Nachbargemeinden vornehmen zu können. Der Windenschleppbetrieb für Segelflug befinde sich in der Testphase und im Sommer 2018 solle ein neuer Hubschrauberlandeplatz entstehen. Noch im Frühjahr will die Triwo die Sanierung von Rollwegen und Vorfeld angehen. „Wir platzen aus allen Nähten“, berichtete Adrian. „Deshalb wird auch ein neuer Flugzeughangar benötigt.“

Der Flugplatz ist von einem Verkehrsflughafen zum Sonderlandeplatz herabgestuft worden. Das habe den Vorteil, dass Flüge jetzt im Vorfeld angemeldet werden müssten und Zweibrücken nicht mehr konstant offen bleiben müsse. So könne Personal eingespart werden. Aber es biete auch den Vorteil, in einem bestimmten Rahmen nachts fliegen zu können. Das sei gerade für den Frachtbereich und die medizinischen Flüge notwendig. Binnen 20 Minuten könne der Flughafen für eine Flugbewegung einsatzbereit sein, auch zur nächtlichen Stunde, versicherte Adrian.

Positiv, sowohl auf den Flugbetrieb als auch für Tests mit Kraftfahrzeugen, wirke sich die neue Tankstelle aus, die am Rande des Flugbereichs eingerichtet wurde. Für diese Tests läuft ein Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz mit dessen positivem Abschluss die Triwo in absehbarer Zeit rechnet.

Für die Kfz-Tests steht die gesamte Fläche der Startbahn mit neuem Asphaltbelag zur Verfügung, ebenso die diversen Taxiways des Flugplatzes, wo auch Handlingkurse möglich seien. Für die Tests seien Büros, Werkstätten und Lager eingerichtet. Ebenso Konferenzräume, die durch den Kauf des Ex-Gebäudes der Deutschen Vermögensberatung direkt gegenüber dem Flugplatz erweitert würden.

Die Zahl der festangestellten Mitarbeiter der Triwo in Zweibrücken habe sich von einem (2015) auf jetzt zwölf gesteigert. Insgesamt gibt Adrian die Zahl der Arbeitsplätze am Flugplatz mit 176 an. Im Vorjahr seien es 168 gewesen.

Noch bis heute bringen zwei private Spezialmaschinen Fallschirmspringer der Bundeswehr und der niederländischen Streitkräfte zu Ausbildungszwecken in hohe Höhen über den Flugplatz. Wegen des Lärms seien schon einige Beschwerden eingegangen, räumte Adrian ein. Er habe dafür Verständnis, aber der Flugplatz brauche auch diese Einnahmen, zumal der Einsatz der Maschinen zeitlich begrenzt sei.

Bürgermeister Christian Gauf und Beigeordneter Henno Pirmann begrüßten mit den Vertretern des Stadtrats die Entwicklung auf dem Flugplatz. Es wurde vereinbart, zu solchen Informationsgesprächen künftig regelmäßiger einzuladen.

Im Juni finde eine Veranstaltung mit dem rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium statt, bei der Minister Volker Wissing das rheinland-pfälzische Automobilcluster vorstelle. Adrian will den Flugplatz als Kfz-Teststrecke und auch als Gelände für Entwicklung und Produktion in neuen automobilen Bereichen präsentieren.

(sf)