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Ziel: Halter stärker in die Pflicht nehmen
SPD: Freilaufende Katzen kastrieren

 Sie sind niedlich anzuschauen – und dennoch in immer mehr Städten eine Plage: freilaufende Katzen. In Rheinland-Pfalz gibt es bereits in Worms und Neustadt an der Weinstraße eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht, die SPD in Zweibrücken will diese auch für die Rosenstadt.
Sie sind niedlich anzuschauen – und dennoch in immer mehr Städten eine Plage: freilaufende Katzen. In Rheinland-Pfalz gibt es bereits in Worms und Neustadt an der Weinstraße eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht, die SPD in Zweibrücken will diese auch für die Rosenstadt. FOTO: picture alliance / dpa / Soeren Stache
Zweibrücken. Partei stellt morgen im Rat Antrag. Stadt drohe sprunghafter Anstieg streunender Katzen. Tierheim begrüßt Vorstoß. Von Mathias Schneck

Einen unkontrollierten Anstieg von herumstreunenden Katzen fürchtet die SPD in Zweibrücken. Deswegen stellt sie in der morgigen Sitzung des Stadtrates den Antrag auf „Einführung einer Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungsverordnung für Katzen“. Stéphane Moulin, Vorsitzender SPD-Ratsfraktion, begründete gestern den Vorstoß seiner Partei.

„Die stetig steigende Anzahl“ streunender Katzen stelle „ein enormes Tierschutzproblem dar“, macht Moulin deutlich. Diese Tiere würden nicht einfach vom Himmel fallen – alle freilebenden Katzen stammten ursprünglich von nicht kastrierten Freigänger-Katzen aus Privathaushalten ab, so der Ratsfraktionschef. Aus diesem Grund sei es erforderlich, „mit dieser Verordnung die Halter der Tiere in die Pflicht zu nehmen“. Moulin weiter: „Sie müssen dafür sorgen, dass ihre Katzen, wenn sie unkontrollierten Freigang erhalten, kastriert, gekennzeichnet und registriert werden.“

Die Problematik der ungehemmten Fortpflanzung dieser Tiere dürfe keinesfalls unterschätzt werden, mahnt Moulin: „Unkastrierte Katzen können sich zwei- bis dreimal im Jahr fortpflanzen. Selbst bei einer konservativen Rechnung von drei überlebenden Kätzchen pro Wurf vermehrt sich die Population sprunghaft. So können in sieben Jahren bis zu 420 000 Tiere entstehen.“



Fraglos wäre eine Population dieser Größenordnung eine enorme Belastung für Zweibrücken. Keinesfalls nur für die Tiere, von denen bereits jetzt etliche in schlechtem, verwildertem Zustand leben, mehr oder weniger krank.

Wenn es zu einer Überzahl solcher Streuner komme, gefährde dies automatisch den Bestand der Singvögel in der Rosenstadt, ferner nehme „die Verschmutzung auf Spielplätzen“, zu.

Moulin schlussfolgert: „Im Sinne des Tier- und Artenschutzes ist deshalb eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht, ähnlich wie sie bereits in den rheinland-pfälzischen Städten Worms und Neustadt an der Weinstraße existiert, sinnvoll. Dauer­haft kann dies auch eine Entlastung des örtlichen Tierheims bedeuten, das schon heute an seine Kapazitätsgrenzen stößt.“

Der Vorschlag der SPD, wie eine „Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungsverordnung für Katzen“ aussehen könnte: „Katzenhalter, die ihrer Katze Zugang ins Freie gewähren, haben diese zuvor von einem Tierarzt kastrieren und mittels Tätowierung oder Mikrochip kennzeichnen zu lassen. Dies gilt nicht für weniger als fünf Monate alte Katzen.“ Als Katzenhalter gelte hier auch, wer freilaufenden Katzen regelmäßig Futter zur Verfügung stelle.

Für die Zucht von Rassekatzen könnten auf Antrag Ausnahmen zugelassen werden, sofern eine Kontrolle und Versorgung der Nachzucht glaubhaft dargelegt werde.

Der Tierschutzverein in Zweibrücken begrüßt den Vorstoß der SPD. Nadine Bender, Vorsitzende des Vereins, der für das Tierheim in der Stadt verantwortlich zeichnet, sagte am Montag auf Anfrage, sie habe mit der SPD intensiv über das Problem nicht registrierter beziehungsweise streunender Katzen gesprochen.

„80 Prozent der Katzen, die bei uns im Tierheim abgegeben werden, sind Fundkatzen. Der allergrößte Teil davon ist nicht gekennzeichnet. Das ist bedauerlich – sicher wird die eine oder andere Katze von ihrem Halter vermisst“, berichtet Bender. „Würde die Katze einen Chip tragen, könnte man den ganz schnell auslesen und wüsste, wohin das Tier gehört.“

Auch das Vorhaben der SPD nach einer Kastrationspflicht begrüßt die Tierschützerin. „Wir haben in Zweibrücken jetzt schon viel zu viele herumstreunende Katzen. Die Zahl ist schwer zu schätzen, es werden aber sicher hunderte sein.“

Ihr Verein sei selbst schon wiederholt tätig geworden und habe Streuner kastriert. Etwa auf dem Werksgelände von John Deere, auf dem sich erfahrungsgemäß viele davon herumtrieben. „Aber das ist natürlich ein Kampf gegen Windmühlen“, bilanziert Weber. Eine Kastrationspflicht sei wichtig, es gelte, die Halter diesbezüglich zu sensibilisieren.