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„Die Brücken am Fluss“ in der Festhalle
Großes Musikdrama vor kleiner Kulisse

Kernelement des Musicals „Die Brücken am Fluss“ ist die Romanze zwischen Robert und Francesca.
Kernelement des Musicals „Die Brücken am Fluss“ ist die Romanze zwischen Robert und Francesca. FOTO: cvw
Zweibrücken. 250 Gäste sehen in der Zweibrücker Festhalle das Musical „Die Brücken am Fluss“. Von Cordula von Waldow

(cvw) Nur rund 250 Zuschauer ließen sich in der Zweibrücker Festhalle von dem 2017 uraufgeführten Musical „Die Brücken am Fluss (The Bridges of Madison County)“ aus dem Eurostudio Landgraf berühren. Das außergewöhnliche, auf Deutsch übersetzte Broadway-Musical basiert auf dem gleichnamigen Bestseller-Roman von Robert James Waller von 1992, der durch die Verfilmung mit Meryl Streep und Clint Eastwood weltberühmt wurde. Jason Robert Brown komponierte dazu eine Musik, die gefühlvolle Melodien mit großen Momenten verbindet. „Die Brücken am Fluss“ bewegt sich kompositorisch zwischen Jazz, Folk, Country und beinahe schon opernhaften Passagen. Damit kreiert Brown eine sehr intime Stimmung, die tonmalerisch Romantik oder Dramatik von Inszenierung und Story unterstützt, wie eine gute Filmmusik. Daraus ergibt sich eine einzigartige, höchst gelungene Symbiose von Musik und Handlung. Sie wurde im Orchestergraben live von zehn Musikern unter Leitung von Heiko Lippmann interpretiert.

Die Geschichte, die im Jahr 1965 spielt, handelt von der einen, großen Liebe zweier Menschen. „Denn ich ging mein ganzes Leben nur dir entgegen, Tag für Tag“, singt der Fotograf  Robert Kincaid (Christian Alexander Müller, der auch Regie führte). Auf seiner Suche nach den überdachten Brücken von Madison County im US-Bundesstaat Iowa, die er für eine Fotoreportage des Magazins „National Geographic“ fotografieren will, trifft er auf die verheiratete Neapolitanerin Francesca Johnson (Maike Switzer), die mit ihrer Familie in Iowa lebt. Aus dem zufälligen Treffen zweier Menschen wird eine schicksalshafte Begegnung, denn zwischen den beiden besteht eine ganz besondere Magie.Francesca ist drei Tage allein zu Haus, weil ihr Ehemann Bud (Udo Eickelmann) und die beiden fast erwachsenen Kinder Michael (Lukas Weinberger, 17) und Carolyn (Nina Bülles, 16), deren prämierter Zuchtstier auf einer Show vorstellen. Beide erinnern sich an ihre Träume und Sehnsüchte, Francesca als junges Mädchen, Robert in seiner ersten Ehe mit Marian (Laura Schneiderhan). Durch eingespielte Szenen können sich die Zuschauer leicht hinein versetzen.

Für distanzierende Verfremdungseffekte sorgt der Bühnenaufbau, der von den sechs Nebenfiguren handgreiflich im Rahmen des Stückes und während der Gesänge vorgenommen wird und zugleich Teil der Inszenierung ist. Um die Handlung zu verdeutlichen, schafft die Kulisse, wie im Film, parallel ablaufende Szenarien an unterschiedlichen Orten.



 Kerstin Maué gehört zu den Zuschauern, die sich zum Schluss ergriffen die Tränen trocknen. Die erste Halbzeit hatte sie wenig begeistert, doch die Dramatik in der zweiten Halbzeit vollkommen in den Bann gezogen. Besonders die roten Stühle in der Schlussszene, mit denen in zwei parallelen Reihen zuvor die Brücke dargestellt worden war, faszinierten sie. „Es war ganz große Klasse. Tolle Musik von einem wunderbaren Orchester, sensationelle Schauspieler und eine großartige Inszenierung, die dem Film in nichts nachsteht“, lobte das Ehepaar Marina und Klaus Kämmerer aus Zweibrücken.