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Aktion des Sportverbandes
„Zweibrücken lernt schwimmen“

 Viele Zweibrücker Kinder können nicht schwimmen.
Viele Zweibrücker Kinder können nicht schwimmen. FOTO: picture alliance / dpa / Stephanie Pilick
Zweibrücken. Der Stadtverband für Sport fördert mit einem neuen Projekt Unterricht für Grundschüler. Von Fritz Schäfer

So viel ertrunkene Menschen wie seit zehn Jahren nicht mehr (537). Dazu noch tausend vor dem Ertrinken gerettete. Und 60 Prozent Kinder, die nicht schwimmen können. Die Zahlen der Studie der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft haben auch den Vorsitzenden des Zweibrücker Stadtverbands für Sport, Marold Wosnitza, aufgeschreckt: „Das sollte die Gesellschaft nicht hinnehmen. Da müssen wir was tun.“

Zumal sich die Situation in Zweibrücken nach einer Gesprächsrunde mit den Schulleitungen der Grundschulen nicht anders darstellt. „Auch in Zweibrücken kann ein Großteil der Kinder nicht oder nur schlecht schwimmen“, sagt der Stadtverbandsvorsitzende. Obwohl die Ausgangslage in Zweibrücken mit dem Freibad, dem Hallenbad und einem Lehrschwimmbecken sowie der Arbeit der privaten Schwimmschulen gut sei. Und auch die meisten der acht Zweibrücker Grundschulen bieten in einer Klassenstufe Schwimmunterricht an.

„Da sind wir aber auf die Unterstützung der Eltern angewiesen“, betont die Leiterin der Sechsmorgen-Grundschule, Sabine Gauf. Bei 20 Kindern sei das unerlässlich. „Da kann eine Lehrerin nicht alle Kinder im Blick haben.“ Zumal die Kinder über unterschiedliche Kenntnisse verfügen, ergänzt die Lehrerin Tanja Vedder. Gauf beziffert die Zahl der Nichtschwimmer ihrer Schule auf 50 Prozent.



Doch der Stadt-Sportverband lässt es nicht beim Beklagen der Situation. „Wir wollen die Bevölkerung für das Thema sensibilisieren und das Problem aktiv angehen“, sagt Wosnitza. Mit dem Projekt „Zweibrücken lernt schwimmen“ soll das geschehen. Dabei werden die Grundschulen im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres mit einer Schwimmlehrerin oder einem Schwimmlehrer unterstützt. Vom Sportbund Pfalz habe er bereits eine Zusage für die „relativ neue Idee“ bekommen. Wosnitza schätzt die Kosten für den Schwimmunterricht für einen kompletten Grundschüler-Jahrgang auf rund 30 000 Euro. „Es sieht gut aus, dass die Kosten für den FSJler von Sponsoren getragen werden“, sagt Wosnitza.

„Die Kollegen begrüßen das Konzept“, berichtet Gauf. Sie würden sie wünschen, dass das Projekt über ein Schuljahr hinausgehen soll. Die Unterstützung durch den zusätzlichen Schwimmlehrer ist zunächst für das Schuljahr 2018/19 geplant. Neben den Grundschulen beteiligen sich an der Aktion die Stadtwerke Zweibrücken als Betreiber des Badeparadieses und die Wassersportfreunde. Dazu werden Gespräche mit den privaten Schwimmschulen gesucht.

Starten soll das Projekt mit einer Tagesveranstaltung im Hallenbad zusammen mit den Wassersportfreunden und den Schwimmschulen. „Wir wollen die Eltern für das Thema sensibilisieren“, sagt Wosnitza. Dazu kämen noch weitere Informationen in den Kindergärten, Schulen und in der Fußgängerzone. Weiter denkt der Vorsitzende an ein Patenprogramm, um dafür zu werben, dass mehr Familienangehörige mit ihren Kindern schwimmen gehen.