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Festival gegen Rechts
Zweibrücken hat keinen Bock auf Nazis

 Auch die Deutschpunker von Alarmstufe Rot aus St. Wendel rockten am Freitagabend beim „Kein Bock auf Nazis“-Festival im Gasthaus Sutter.
Auch die Deutschpunker von Alarmstufe Rot aus St. Wendel rockten am Freitagabend beim „Kein Bock auf Nazis“-Festival im Gasthaus Sutter. FOTO: ca / Christian Angel
Zweibrücken. Das „Kein Bock auf Nazis“-Festival im Erdgeschoss des Gasthaus Sutter fand am vergangenen Freitag einigen Zuspruch. Über 100 Gäste feierten bei sechs Bands und einem Genremix aus Punk und Ska. Vorher hielt Bastian Drumm einen Vortrag zum Thema „Rechter Lifestyle – Rechte Musik“. Von Christian Angel

„Kein Bock auf Nazis“ – unter diesem Motto engagieren sich seit 2006 bundesweit Bands und Künstler gegen Rechtsextremismus. Doch nicht nur große Namen wie Die Toten Hosen, Fettes Brot oder Kraftklub stellen unter dem Banner Konzerte und viele weitere Aktionen auf die Beine, auch im kleineren Rahmen gibt es immer wieder Veranstaltungen.

Eine davon fand am vergangenen Freitag im Erdgeschoss des Gasthaus Sutter auch in Zweibrücken statt. Die Jusos Zweibrücken, die Solidarische Rose, die Rosa-Luxemburg-Stiftung, das Jugendforum Zweibrücken und die Karlsberg-Brauerei hatten gemeinsam zum „Kein Bock auf Nazis“-Festival geladen und gut 100 Besucher folgten dem Aufruf.

Bereits um 18 Uhr startete der Abend mit einem Vortrag zum Thema „Rechter Lifestyle – rechte Musik“. Bastian Drumm, Sozialarbeiter aus Kusel, stellte den Anwesenden verschiedene Bands und Künstler vor, die dem rechten Spektrum zugeordnet werden können und wies auf Zahlencodes oder bestimmte Kleidungsstile hin.



Besonderes Augenmerk lag dabei auf dem veränderten Auftreten von Neonazis. Das Bild des rechten Hools mit Bomberjacke, Springerstiefel und Glatze treffe heute nicht mehr zu, erklärte Drumm. So unterwandert die Szene heute auch Genre wie etwa den Hip Hop. „Für Jugendliche ist das schwerer als rechte Musik zu identifizieren“, stellte der Redner im Bezug auf den Rapper Komplott fest, der in seinen Texten Verschwörungstheorien verbreitet und auch in Interviews neurechte Positionen vertritt.

Im Anschluss an den Vortrag stand dann aber die Musik im Mittelpunkt. Als Einheizer dienten die Lokalmatadoren Cash! No Credit!, die mit ihrem melodischen Punkrock direkt zeigten, wo die musikalische Reise an diesem Abend hingeht. Die Zweibrücker wussten einmal mehr zu überzeugen, auch wenn aufgrund des guten Wetters einige Besucher noch an den vor dem Erdgeschoss aufgebauten Infotischen unterwegs waren.

Als nächste Band folgte die Urpilsjugend aus Homburg, die schnellen und energetischen Skapunk anboten und dafür sorgten, dass sich das Publikum langsam in Bewegung bringen konnte. Auch bei den folgenden Alarmstufe Rot und Christmas durfte zu schnell gespieltem Punkrock Pogo getanzt werden, bevor die Trierer Band Freidenkeralarm ein wenig den Fuß vom Gas nahm. Mit klaren Ansagen und Songtiteln wie „Gegen das Vergessen“ erinnerte die Band noch einmal mit Nachdruck an das Motto des Abends. Als letzter Act des Abends sorgte die Band SkaAllüren aus Darmstadt schließlich dafür, dass auch die letzten Tanzwütigen glücklich nach Hause geschickt wurden.

Insgesamt kann man ein positives Fazit des Abends ziehen. Mehr als 100 hauptsächlich junge Menschen zeigten einmal mehr auf, dass Zweibrücken keine Lust auf Neonazis hat und feierten den ganzen Abend über friedlich Toleranz und Vielfalt.